Krimis & Thriller
Das Parfum

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"Dezent, aber unglaublich verherend versprüht Gevatter Tod sein Pafum."
Veröffentlicht am 05. November 2016, 22 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Über den Autor:

Hallo Ihr Lieben, "Wer bin ich?" das Hauptspiel bei dieser Kathegorie Schreiben tue ich schon seid vielen Jahren. Mit 10 Jahren habe ich damit angefangen und bis vor zwei Jahren habe ich auch noch alles per Hand und mit dem Füller geschrieben. Altmodischer geht wohl kaum. Ausserdem kann man mich als DAU bezeichnen: dümmster anzunehmender Useser. Um in der Moderne zu landen habe ich mich für diese Seite entscheiden. Ich Freue mich ...
Dezent, aber unglaublich verherend versprüht Gevatter Tod sein Pafum.

Das Parfum

Das Parfum

In dem Augenblick, in dem ich Levi mit grauem Gesicht vor der Ladentür der Goldschmiede sah, fuhr mir ein Gefühl in die Glieder, das unangenehmer als eine Wurzelbehandlung ohne örtliche Betäubung war. Einfach aus dem Grund, weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde, wenn er wirklich den Laden betrat. Die Ungewissheit dauerte vielleicht nur wenige Sekunden nach Entdeckung des Mannes, jedoch war seine Haltung und sein Gesicht so verändert, dass die Entfernungen vom alten Michelstädter Rathaus keine Straßenbreite betrug, sondern einer

Kontinentalüberquerung glich. Es war kurz vor Feierabend und meine Chefin hatte den verstört wirkenden Mann vor mir bemerkt und mich deswegen früher gehen lassen. Mir war nicht klar, wie lange Levi vor unserer Goldschmiede gestanden hatte und nahm ihn bevor er mich begrüßen konnte erst einmal in den Arm. Seine Glieder umschlangen mich wie eine Boa, jedoch achtete er darauf, mir, der wesentlich Kleineren, nicht wehzutun. Sein Körper war sehr warm und ich glaubte zu spüren, wie seine Haut vor Anspannung zitterte. Das weiße Hemd, sonst feinst gebügelt und frisch gestärkt, war klamm vor

Schweiß. „Wo ist Anton? Was ist passiert?“, fragte ich vorsichtig, noch ehe ich unsere Umarmung löste. „Ich weiß nichts Genaues. Bitte komm mit.“ Der sonst so fröhliche und etwas überschwängliche Mann hatte eindeutig Angst. „Ich kann aber kein Auto fahren“, antwortete ich, denn so wie Levi wirkte, traute ich es ihm nicht zu, sich hinter ein Steuer zu setzen. „Begleite mich einfach. Sei bei mir. Ich weiß sonst niemanden, der mich davon abhalten wird, Dummheiten zu machen.“ Die Angst um Anton, seinen langjährigen

Lebensgefährten und meine Lieblingsnervensäge in Sachen kreatives Morden auf der Bühne, stellte mich vor die Wahl zwischen dieser Situation und dem Zahnarztbohrer hervor. Ich glaubte, wir beide würden jetzt den Zahnarzt vorziehen. Während wir uns auf den Weg nach Frankfurt machten, um in die Uniklinik zufahren, versuchte ich mich so gut es ging auf die wenigen Fakten zu konzentrieren, welche Levi von den Ärzten aus der Ambulanz erhalten hatte. Anton und eine seiner Kolleginnen waren mit Atembeschwerden und anderen alarmierenden Symptomen in der Umkleide der Schauspielerin

gefunden worden. Wir brauchten uns keine Sorgen zu machen, dass unser Anton fremdging, denn soweit mir bekannt war, war dieser Mann die einzige Person, welche es mit Elvira Interholzinger solange aushielt, dass sie zusammen einen Tee genießen konnten. Aufgrund des Berufsverkehres benötigten wir von Michelstadt bis Frankfurt etwas mehr als eineinhalb Stunden Fahrzeit. Eine Zeit, in der ich mit Levi kaum sprach, jedoch seine Hand nur zum Schalten des Getriebes losließ. Das Zittern und Schwitzen nahm sogar noch zu, als der zuständige Arzt auf uns zukam. Unser Anton war wirklich clever

gewesen, noch im Krankenwagen hatte der Mann geschaltet und mich als seine Schwester beschrieben, denn nicht Familienangehörige bekamen in diesem Stadium der Untersuchungen keine Auskunft. Er und Levi waren nicht verheiratet. Antons Zustand war stabil, allerdings lag er zur weiteren Beobachtung immer noch auf der Intensivstation. Ich beruhigte Levi und erklärte ihm, dass das ganz normal sei. Aufgrund meiner Familiengeschichte war es für mich kein neuer Anblick, auf einer Intensivstation zu sein. Levis Nerven lagen derart blank, dass ich befürchtete, er würde sich gleich in ein

Bett neben seinen Schatz legen müssen. Auch hier ließ ich den Mann nicht los und stand ihm zur Seite. Der sonst so gepflegte und elegant gekleidete Anton lag verkabelt im Bett. Man sah ihm noch die Anstrengungen an. Der Kampf mit dem Tod hatte verwirrende Schatten in sein Gesicht gezeichnet und die Farbe ausgeblichen, das Haar war zerzaust, der Anzug gegen ein Flügelhemd ausgetauscht worden. Ich spürte, wie sein Lebensgefährte ein Stück weit in sich zusammenfiel. Es war gut möglich, dass er Anton im ersten Augenblick überhaupt nicht erkannt hatte. „Schau mich nicht so an. Als wir uns

kennengelernt haben, hatten mich zuvor ein paar Halbstarke überfallen und aus meinem Antlitz moderne Kunst gemacht.“ Levi unterdrückte einige Tränen und ich kuschelte mich an ihn, auch damit er nicht umkippte. Aufgrund der Kabel und Überwachung konnte er ihn nicht in den Arm nehmen. „Und mich ein Sensibelchen nennen.“ „Anton, er macht sich wirklich Sorgen“, erwiderte ich, wusste jedoch, dass die Männer beide mit der Situation nicht umgehen konnten. „Was ist passiert? Ich kann es mir nicht vorstellen, dass du mich nur als deine Schwester angegeben hast, damit dein

Schatz schneller an Informationen kommt.“ Er klopfte mit einer Hand auf sein Bett. Ein Zeichen, dass ich mich zu ihm setzen sollte. Also musste ich Levi auf einem Stuhl parken und zog einen weiteren dicht an ihn heran. Es fiel Anton schwer zu sprechen. Immer wieder machte er kleine Pausen, versuchte zu schlucken und kämpfte mit den Informationen. „Ich muss mich entschuldigen, Luisa.“ Ich zog fragend eine Augenbraue hoch. „Wenn du es wünscht, werde ich das gemeinsam erarbeitete Drehbuch wegwerfen. Wir werden ein Besseres erschaffen können und ich würde dich an

der Hälfte des Gewinnes beteiligen, selbstverständlich nur, wenn du bereits bist, mit mir überhaupt noch einmal zu arbeiten.“ „Okay, was für eine Droge haben sie dir gegeben?“ „Gar keine, mein Goldkind, aber ich habe auf eine sehr eindrucksvolle Art und Weise verstehen müssen, was der Abgrund der Menschlichkeit ist.“ Im Hintergrund schnappte Levi nach Luft und ich hatte Sorge, er würde wirklich umkippen. Auch wenn es einem Schwerkranken nicht fair gegenüber war, bedachte ich Anton mit einem Blick, der ihm klar machte, sich zu mäßigen, um Levi nicht zu

schaden. „DU gehst also davon aus, dass es sich um einen Tötungsversuch handelt?“ „Elvira ist verstorben. Ich habe ihre Schwester auf dem Flur schreien hören.“ „Fragt sich also, wer von euch beiden das eigentliche Opfer ist?“ „Wir haben fast den gesamten Vormittag miteinander verbracht. Es ging um die nächste Spielsaison. Elvira hatte viel Einfluss an unserem Theater.“ „Und ihre Beliebtheit hielt sich deswegen auch sehr in Grenzen“, ergänzte ich, denn Anton hatte sich schon fast in britischer Penetranz über diese Mamsell beschwert. Gäbe es nicht Levi, so hätte man sagen können: Was

sich liebt, das neckt sich. Diesmal sagte mir sein Blick, dass ich meinen Sarkasmus zügeln sollte. Da die Fronten somit geklärt waren, verfielen wir trotz Antons bedenklichen Zustandes in die Art Unterhaltung, welche wir führten, wenn es um den Mord auf der Bühne ging. Wir tauschten Fakten und Möglichkeiten über das Geschehen aus. Meine Logik und Konzentration half allen Anwesenden zu verdrängen, dass Anton nur knapp dem Schnitter entkommen war. Angenehmer machte es die Umstände jedoch nicht. Vor allem wurde es unangenehm, als zwei Beamte die Station betraten und um ein Gespräch

mit Anton baten. Wir hatten nicht viel Zeit, bis entweder die Ärzte mich und Levi wegschicken würden oder – und davon gingen wir beide aus, dass die Polizei unangenehme Fragen stellen würde. Aus diesem Grund gingen wir beide gleich in die Offensive. Es war mehr als deutlich, dass es jetzt auf Zeit ankam, bevor die Beweise verschwanden und der Täter sich in Sicherheit wägen konnte. „Frau Interholzinger ist ermordet worden!“ „Mutig, wirklich mutig“, kam die Antwort zurück, als ich die Kommissarin erkannte, welche eben mit

ihrem Kollegen die Station betreten hatte. Frau Avenius sah wie immer sehr geschäftlich aus und ihr brauner Hosenanzug zeigte deutlich, dass der Spitznahme „Die Mauer“ sehr gut zu ihr passte. Ihr Kollege Herr Brand hatte mich noch nie zuvor gesehen. Ein dicklicher Herr mit Geheimratsecken und sonorer Stimme. „Junge Frau, Sie können nicht einfach hier herumlaufen und von Mord sprechen.“ „Wenn man den Ablauf von Besprechung, Teetrinken und der Verständigung folgt, gibt es nur dieses eine logische Ergebnis“, erwiderte ich, ohne einen Atemzug von Herrn Brand

verstreichen zu lassen. Frau Avenius klopfte dem Mann auf die Schulter. „Lass gut sein. Wir kennen uns.“ Bedankend nickte ich ihr zu und begann eine Zusammenfassung abzuspulen: „ Elvira Interholzinger war eine wahre Diva, liebevoll das Stinktier genannt, weil sie die Angewohnheit hatte, zu viel Parfum zu tragen und in ihrer gesamten Umgebung damit herumzusprühen. Sie litt seit einigen Jahren an einer mäßigen Form der Chronic Obstructive Pulmonary Disease, kurz COPD. Aus dem Zustand von Anton und dieser Eigenschaft gehen wir davon aus, dass es sich um eine Vergiftung mit

Kontaktgift handelt.“ „Und Sie wissen, was es sein könnte?“, fragte Herr Brand, jedoch krachten seine Worte frontal gegen „Die Mauer“. Seine Kollegin war vollkommen auf meine Worte fixiert. „Ich gehe von Coniin aus, ein Pseudoalkaloid, das neurotoxisch wirkt und sehr gut über die Haut und die Schleimhäute aufgenommen wird. Es oxidiert an der Luft und wird dabei bräunlich. Es lässt sich sehr gut in Ethanol lösen, riecht streng und es reichen 500 mg für eine tödliche Dosis. Bei COPD könnte es noch besser wirken. Coniin wird von Schleimhäuten und der intakten Haut gut resorbiert und

entfaltet eine nikotin- und curareähnliche Giftwirkung, wobei die motorischen Nerven zunächst erregt, später jedoch gelähmt werden. Bei Berührung mit dem Saft der Pflanze kann eine Hautreizung, einhergehend mit Brennen auftreten. Coniin ist bei der Einnahme durch einen besonders charakteristischen, brennenden Geschmack erkennbar. Im Hals- und Rachenbereich ruft es nach der Einnahme Mundschleimhautreizungen sowie vermehrten Speichelfluss hervor. Schwindel, Atemnot, Bronchialspasmen, Bewusstseinstrübung, Sehstörungen und Lähmungserscheinungen sind weitere Symptome. Der Tod tritt nach 0,5 bis 5

Stunden bei vollem Bewusstsein durch Lähmung der Brustkorbmuskulatur ein.“ Herr Brand sah mich wie ein zerknautschter Smart an , die Frau neben mir war von dem neurologischen Crash unbeeindruckt und verschränkte abwartend die Arme vor der Brust. „ Sie gehen also davon aus, dass sich jemand ihre Gewohnheit, verschwenderisch mit Parfum umzugehen, zunutze gemacht und einen Flakon mit Schirlingskraut versehen hat?“ Ich nickte. „Ja, denn sie hatte im Scherz Anton immer wieder angesprüht. Er mag Frauenduft nicht. Schon gar nicht an sich selbst. Die einzige Person, welche

nahe genug an Elvira heran kam, um das Parfum zu manipulieren, war die Maskenbildnerin. Die hat gerade Urlaub hat. Weitere Kandidaten wären Anton, der selbst fast gestorben wäre, und die Schwester der Toten, welche den Notarzt gerufen hat und nichts von der Konferenz gewusst hatte, welche Anton und Frau Interholzinger spontan auf heute in ihre Garderobe verlegt hatten.“ „Können Sie beim Reden auch Luft holen?“, kommentierte der Kommissar mir gegenüber und ich glaubte Ärger in seiner Stimme zu hören. Polizisten mochten es noch nie, wenn Zivilisten ihre Arbeit übernahmen. Zum Glück hatte ich weiterhin

Rückendeckung von Frau Avenius, denn sie trat ihm kurz auf den Fuß. „Ein Täter wirft belastendes Beweismaterial nicht weg, denn es könnte die Ermittler zu ihm führen, dabei werden die meisten Täter wegen dieser Indizien dingfest gemacht. Die Schwester rief die Rettung, genügend Zeit, um den verdächtigen Flakon wieder an sich zu nehmen. Da sie bei Frau Interholzinger im Krankenwagen mitgefahren ist und dahinten sitzt und sich krampfhaft an ihrer Handtasche festhält...“ Ein sehr tiefes Einatmen ließen mich und Herrn Brand fast zusammenzucken. Das Schnaufen der Kommissarin war

derart energisch, dass ich glaubte, aus der Mauer sei die Bastion von Justiziar geworden. „Mal ehrlich, Luisa, wenn diese Schlussfolgerungen stimmen, dann wird das hier die kürzeste Ermittlung meiner Laufbahn werden, denn es fehlt nur das Tatmotiv.“ Da die großen Augen des Ermittlers erwartungsvoll auf mir lagen, konnte ich Frau Avenius nur etwas schief angrinsen. „Um ehrlich zu sein, ist Anton eingeschlafen und ich wollte sie nicht ganz arbeitslos machen.“

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Über den Autor

silberfunke
Hallo Ihr Lieben,

"Wer bin ich?" das Hauptspiel bei dieser Kathegorie
Schreiben tue ich schon seid vielen Jahren. Mit 10 Jahren habe ich damit angefangen
und bis vor zwei Jahren habe ich auch noch alles per Hand und mit dem Füller geschrieben.
Altmodischer geht wohl kaum.
Ausserdem kann man mich als DAU bezeichnen: dümmster anzunehmender Useser.

Um in der Moderne zu landen habe ich mich für diese Seite entscheiden. Ich Freue mich darauf mich mit anderen
fleißigen Schreiberlingen auszutauschen und eventuell auch die ein oder andere Geschichte neu zu kreieren
Hauptsächlich bin ich geschichtlich mit Fantasy und Abenteuer unterwegs, allerdings versuche ich mich seit kurzem auch in der Sparte Krimis und Kurzgeschichten.

Ich bin gespannt was mich hier erwartet,
liebe Grüße
der Silberfunke

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Biggi11 Miss Marple lässt grüßen.
Gerne gelesen, denke du kannst die Geschichte noch weiterspinnen.
LG Biggi
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Gast Bist du dir Sicher, dass du das Ganze wirklich selber geschrieben hast?
Vor langer Zeit - Antworten
silberfunke Hallo Gast.

Selbst verständlich. Ich habe zwar eine Person, welche meine Texte Korrektur liest, jedoch das Plott und die Ausformulierung sind von mir.
Wie kommst du zu dieser Annahme. Welche Stellen im Text lassen dich etwas anderes denken. Es wäre gut das zu wissen, damit keine Missverständnisse aufkommen.
Gruß
Silberfunke
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