Kurzgeschichte
Begierde

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"Eine totale Nervensäge attraktiv verpackt"
Veröffentlicht am 23. September 2016, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Eine totale Nervensäge attraktiv verpackt

Begierde

Titel

Wenn ich ehrlich bin, ist es nur ihre äußere Hülle, auf die ich scharf bin. Der Rest geht mir tierischst auf den Sack. Anfangs war sie ziemlich nett gewesen. Aber ziemlich schnell stellte ich fest, das ihre Intelligenz nicht berauschend ist. Bei Tests schrieb sie von mir ab. Manchmal stellte sie dabei fragen, ob ich mir sicher bin, das das richtig ist; was mich beim Denken störte. Dennoch behielt ich die Ruhe und sagte ihr die Wahrheit. Entweder das ich hundert Prozent sicher bin, oder nur vermute, das dies die richtige Antwort ist. Manchmal fragte sie sehr

oft nach und mir fiel es dann immer schwerer, nicht auszurasten. Es sollte ja auch keiner mitkriegen, das sie bei mir abschrieb. Und dann kam der Bruch. Ich war im Prinzip der Einzige gewesen, der sich mit ihr abgegeben hatte. So, wie sie nerven konnte, war es kein Wunder, das die anderen Abstand von ihr hielten. Ich blieb auch nur, weil ich eine Chance haben wollte, bei ihr zu landen. Und wäre es nur für eine Nacht. Irgendwie gefiel mir ihr Äußeres. Man könnte sagen, ich begehrte sie. In den ersten Tagen war sie auch noch keine Nervensäge gewesen. Aber ich hatte da schon

feststellen müssen, das sie es nicht so mit dem Denken hatte, was zum Teil daran lag, das sie nicht wirklich zuhören konnte. Man kam kaum zu Wort bei ihr. Sie brachte damit sogar unsere Ausbilder und Dozenten zur Verzweiflung. Unsere Klassenlehrerin hatte einen dicken, fetten Geduldsfaden. Doch bei dieser Frau war er nicht dick und lang genug. In einem Vieraugengespräch hatte sie mir verraten, wie jene Dame ihr den letzten Nerv raubte. Das sie so was noch nie erlebt hatte. Nebenbei erfuhr ich, das das hübsche Mädchen es irgendwie geschafft hatte, das eine Klassenkameradin nicht mehr kam. Die

genauen Gründe erfuhr ich nicht. Nur das sie wegen der Einen nicht mehr kam. Ich machte mir so meine Gedanken und fragte mich, wieso ich mich immer wieder in den selben Typ Frau verschoss. Nerven aus Stahlseil, hatte ich nicht. Auch sonst hatten wir nichts gemeinsam. Vielleicht eine Interesse. Aber das war es dann auch schon wieder. Ansonsten waren wir zu verschieden. Dennoch wollte ich die Frau. Lag es nur an ihrem Äußeren? Sie sah ja rattenscharf aus. Rank und schlank, mit wenig Vorbau. Andererseits passte er zu ihr. Ein größerer Busen hätte die Optik

bestimmt nicht aufgewertet. Außerdem war sie zu zierlich. Sie hätte gar kein größeres Gewicht mit sich herumtragen können. Eigentlich bin ich jemand, der gerne was in der Hand hält. Aber wie gesagt, das hatte sie nicht wirklich vorzuweisen. Dazu kam noch ihre Art, die mir im Grunde nicht gefiel. Dachte ich nur mit meinem Schwanz, oder lag da noch was verborgen, was ich nicht erkannte? Okay, anfangs sah es so aus, als hätte sie näheres Interesse an mir. Aber ziemlich schnell erfuhr ich, das da nichts weiter ist und auch nie was weiter werden würde zwischen uns. Es gab Tage, da ließ sie es zu, das

ich sie betrachte. Als wir gemeinsam im Park waren, durfte ich sogar ein Bild von ihr machen. Doch plötzlich hatte sie sich geändert. Da war nix mehr mit zusehen, wie ihre kleine Brust wippte, wenn sie die Treppen herunterlief. Ich durfte kein Foto von ihr schießen. Nett war einmal gewesen. Kurz danach hatten wir den großen Krach, den einige mitbekamen. Zum ersten mal standen die Frauen auf meiner Seite. Was in diesem Fall nicht verwunderlich war, da sie sich schon im voraus mit den anderen angelegt und verkracht hatte. Und wie gesagt, eine hat sie ganz vergrault. Bis heute weiß ich nicht, wie sie es geschafft

hat. Nach dem Krach sah ich sie mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Begehren an und fragte mich, ob ich aufpassen müsste, wenn ich mit ihr schlafen würde. Schließlich sah sie sehr gebrechlich aus. Doch viel blieb mir nie, um darüber nachzudenken. Schnell wurde ich in die Realität zurückgeholt. Und an diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert. Ich träume zwar nicht mehr so oft davon, aber ab und zu kommt es noch vor. - Irgendwo hatte ich mal gehört, das Träume wahr werden. Also besteht ja noch Hoffnung. Auf eine körperlich Beziehung würde ich mich gern mit ihr

einlassen. Aber nur auf eine rein körperliche Beziehung. Denn sie wird sich niemals ändern und meine Nervenstränge sind jetzt schon sehr dünn, was aber nicht nur ihre Schuld ist.

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