Krimis & Thriller
Haus der Hunde - Eine Suche in Süditalien

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"Haus der Hunde - Eine Suche in Süditalien"
Veröffentlicht am 19. Dezember 2008, 116 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Über den Autor:

Ich bin 1968 in Freiburg im Brsg. geboren, habe Biologie studiert und lebe derzeit in Süddeutschland. Geschrieben habe ich eigentlich schon immer, weshalb es mir nichts ausmacht, abends allein zu sein.
Haus der Hunde - Eine Suche in Süditalien

Haus der Hunde - Eine Suche in Süditalien

Beschreibung

Beatrice erfährt, dass sie eigentlich Chiara heißt und man sie schon seit Jahren für tot hält. Und wer ist die verschwundene Frau, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt? Die Suche nach ihr führt sie nach Neapel und verstrickt sie in einen Sumpf aus Korruption und Unterdrückung. Der Zufall will es, dass Beatrices neuer Liebhaber Tobias im Auftrag der Londoner Global-Search-and-Enquiry-Company arbeitet, die für gut zahlende Klienten weltweit nach vermissten Personen sucht und Nachforschungen betreibt. Ihr solides Lehrerinnenleben gerät gehörig aus den Fugen, als Tobias ihr vorwirft, ein Doppelleben zu führen und in Wirklichkeit die verschwundene Tochter der reichen und einflussreichen Herrschaften Mondadori aus Neapel zu sein. Fassungslos streitet Beatrice alles ab. Aber Tobias hat Beweise: Es existiert eine Filmaufnahme von einem Familienausflug in Mondadoris Luxusjacht. Eine junge Frau, die Beatrice wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, flaniert an der Reling entlang und lächelt in die Kamera. Beatrice ist sich jedoch sicher, noch nie in ihrem Leben auf dieser Jacht gewesen zu sein. Tobias? Misstrauen verletzt sie. Das Geheimnis ihrer unklaren Herkunft scheint sie einzuholen. Beatrice ahnt, wer die Mondadoris sind und ist fest entschlossen, sie zu treffen. Sie setzt sich gegen den Willen des wortkargen Team-Chefs Steven Gordon durch und erreicht, dass sie das Londoner Team nach Neapel begleitet. Ein Tag vor der Abreise bestätigt sich ihre Vorahnung: Sie ist von Tobias schwanger. Aus Angst, ihn zu verlieren, schweigt sie. Beatrice gerät in ein Netz aus Korruption und Erpressung. Zu spät erkennt sie, dass sie die Situation überfordert. erschienen ab Nov. 2008 beim tredition-Verlag

-1-

 

Dr. Tobias Tarkan Süliman verkrallte sich in die Armlehnen, als erwarte er gleich einen gewaltigen Knall. Fassungslos starrte er auf die miserable Videoaufnahme, die ihnen Henry Brown, der Generaldirektor der Londoner Global-Search-Enquiry-Company, vorführte. Der Ton war viel zu laut eingestellt; offensichtlich nahm Brown an, dass sie schwerhörig waren.

Die Frau auf der Mattscheibe, von der er geglaubt hatte, sie sei seine Freundin Beatrice, flanierte im dunkelroten Kleid und mit Glitzerstrass besetzten Slingpumps an der Reling einer Luxusjacht entlang. Tobias’ Nickelbrille rutschte ihm unaufhaltsam über die Nase und verwandelte Beatrice in einen langen Ketchupfleck. Sofort schob er die Brille zurück, und Beatrice winkte ihm gestochen scharf zu, drehte sich kokett um die eigene Achse und räkelte sich in Fotopose. Der Seewind spielte mit ihren fantastischen kastanienbraunen Haaren.

Henry Brown zog sein Sakko zurecht und räusperte sich. „Das, meine Herren, ist Maria-Stella Mondadori. Die  reizende Tochter der Herrschaften, die Sie suchen sollen“, übertönte seine Stimme den quäkenden Ton der Aufnahme.

Tobias hatte das Gefühl, einen kratzigen Schwamm unter der Zunge zu haben und schloss für einen Augenblick die Augen. Was, bitte, hatte seine Freundin auf dieser Jacht verloren? Warum hieß sie plötzlich Maria-Stella?

Verwirrt beobachtete er weiter. Ein untersetzter Frosch mit gepflegter Halbglatze lief von links ins Bild und umarmte Beatrice. Der Wind fuhr dem Frosch durch die Ärmel seines weißen Hemdes und blähte ihn auf. Die Seidenkrawatte schlappte ihm immer wieder ins Gesicht, bis er sie gequält festhielt. Das war Signor Vittorio Mondadori, angeblich Beatrices Vater. Er zauberte hinter seinem Rücken einen Sonnenhut mit einer albernen breiten Krempe hervor und setzte ihn seiner Tochter auf.

Lachend zog Beatrice den Kopf ein und presste beide Hände auf den Hut, was den Wind nicht davon abhielt, ihr die Krempe auf ihren blutrot geschminkten Mund zu schlagen.

Die Kamera machte einen Schwenk zu Signora Marietta Mondadori, die auf einem Liegestuhl in einer Frauenzeitschrift blätterte und abwehrend ihre perfekt manikürte Hand vor die Kamera hielt. Genervt schüttelte sie den Kopf, ihre goldenen Ohrringe baumelten gegen ihre mageren Backen.

Ich habe einen Knick in der Optik, meine Sinne spielen mir einen Streich, fuhr es Tobias durch den Kopf.

Hilflos sah er zu, wie sich die Möwen auf den Hut stürzten, der auf Nimmerwiedersehen auf das Meer hinausgetrieben wurde.

Sascha Becker, der sich neben ihn in den Sessel gefläzt hatte, verfolgte mit schmalen Augen, wie Beatrice mit dem Strohhalm die Eiswürfel in ihrem Drink verrührte. Er zog schnaubend seine schwarze Baumwollmütze ab und fuhr sich über sein kurz geschorenes flachsblondes Haar.

Sascha war der  Einzige im Team, der seine Freundin kennen gelernt hatte. Während des Fluges nach London hatte er Tobias damit aufgezogen, dass seine neue Flamme, Oberstudienrätin Frau Dr. Beatrice Charlotte Holznagel, Kaugummis im Unterricht verbot. Das Knatschen störe sie gewaltig, und der Gedanke, einer wiederkäuenden Kuhherde Integralrechnung beizubringen, gebe ihr angeblich das Gefühl, den Beruf verfehlt zu haben.

„Heißer Arsch, was?“, sagte Sascha bissig.

Tobias warf ihm einen scharfen Blick zu. Sascha brauchte ihn nicht ausgerechnet vor Brown daran zu erinnern, dass es noch nie seine Stärke gewesen war, die richtige Frau zu finden. Bis vor kurzem war Beatrice lediglich seine Wohnungsnachbarin gewesen, die ihm in seiner Abwesenheit den Briefkasten geleert und ihm somit den Hausmeister vom Leib gehalten hatte. Dank ihr konnte er interessante Gesteinsproben, die er überall auf der Welt sammelte, an sich selbst schicken. Irgendwann fing sie an, auf ihn zu warten, und er schickte die Päckchen hauptsächlich deshalb, damit er einen Grund hatte, nach seiner Rückkehr bei ihr zu klingeln und in ihre graugrünen Augen zu schauen. Da er nicht wie früher ununterbrochen in aller Welt für die Londoner GSE-Company tätig war, sondern die meiste Zeit über an der geologischen Fakultät der Universität Freiburg Vorlesungen hielt, stand aus seiner Sicht einer Beziehung nichts mehr im Wege. Vielleicht lag es an der würzigen Schwarzwälder Luft, die ihm solche Flausen in den Kopf gesetzte hatte. „Kein Wunder, dass sie ständig über ihren Job jammert“, raunte ihm Sascha zu. „Von wegen kein Geld für ein neues Auto.“

„Halt die Klappe!“, zischte Tobias.

Sascha setzte sich wieder die Baumwollmütze auf. „Schon gut, Mann. Ich sag ja nichts. Ist dein Bier.“

Steven Gordon, der Chef des Teams, beobachtete mit unbewegter Miene die Gesellschaft, die sich zu einem Drink auf ihre Liegestühle zurückgezogen hatte. „Und wo, Mr. Brown, soll das Team suchen? Neapel ist groß!“, brummte er. Gordon zog an seiner schmalen Pfeife, Rauch quoll ihm aus der Nase und schwängerte den Raum mit dem süßlichen Geruch nach Marihuana, das er manchmal in den Tabak mischte. Das war Brown ein Dorn im Auge, aber selbst die Drohung ihn rauszuschmeißen, interessierte Gordon herzlich wenig. Normale Menschen machten diesen Job nicht; außer Brown war keiner hier normal, außer Brown roch niemand mehr, was Gordon in seine Pfeife mischte.

„Neapel sehen und sterben, oder wie war das, Tobias?“, fragte Jean Louis Baptiste de Boulogne, ein französischer Graf, der das Team als Expeditionsarzt begleitete. Über sein feingeschnittenes Gesicht huschte ein spöttisches Lächeln.

Tobias rieb sich die Schläfen, als quälten ihn Kopfschmerzen.

Der Graf sah ihn überrascht an. „Ist Ihnen nicht gut?“ 

„Mir geht es bestens, Jean“, entgegnete Tobias langsam.

Stirnrunzelnd nahm Gordon seine Pfeife aus dem Mund, langte nach dem Aschenbecher auf dem Tisch und klopfte sie aus. „Brauchen mehr Informationen! Dunkelhaarige Frauen gibt es Tausende in Neapel. Werden den Auftrag nicht annehmen, wenn uns die Herrschaften Mondadori außer diesem unterhaltsamen Filmmaterial keine weiteren Anhaltspunkte geben können.“

Brown zuckte hilflos mit den Schultern. „Die Polizei kommt nicht weiter. Wie die Herren sich denken können, haben Recht und Ordnung in dem undurchdringlichen Sumpf aus Korruption keine Bedeutung. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wer hinter dem Verschwinden Maria-Stellas steckt. Zu ihrer Information: Signor Mondadori ist ein einflussreicher Richter. Wenn die Herren mich fragen, steckt Erpressung dahinter, aber Signor Mondadori hat sich nicht dazu geäußert.“

Gordon tippte sich mit dem Pfeifenkopf an die Stirn. „Sind nicht lebensmüde! Können nicht komplette Camorra aufscheuchen! Trage Verantwortung für die Männer meines Teams!“

Brown straffte die Brust. „Mr. Gordon, die GSE-Company arbeitet nicht mit der Polizei zusammen, ist unabhängig und, wie ich hoffe, unempfindlich gegen Bestechung. Ich nehme an, dass uns Signor Mondadori genau aus diesem Grund konsultiert hat. Hören Sie sich wenigstens an, was die Herrschaften Mondadori zu sagen haben, bevor Sie urteilen!“

„Und? Wo sind die Italiener?“, knurrte Gordon.

„Die Herren werden zu den Mondadoris nach Neapel fliegen, dort werden Sie mehr erfahren. Und wenn es den Herren nichts ausmacht, sitzen Sie in drei Stunden im Flugzeug. Ich bitte Sie darum!“

„Das geht nicht! Stornieren Sie die Flüge!“, rief Tobias. Er sprang auf, überraschte Gesichter starrten ihn an.

Gordon hob skeptisch seine Augenbrauen, als stände plötzlich ein Irrer vor ihm.

Für langwierige Erklärungen würde ihm Gordon keine Zeit lassen. Mit hochrotem Gesicht hastete Tobias auf Browns Schreibtisch zu und raffte die Fotos an sich, die der Generaldirektor den Männern vor der Filmvorführung gezeigt hatte.

„Geben Sie mir eine Stunde Zeit!“, rief er und rannte aus Browns Büro.

„Tobias!“, schrie Gordon und schnellte aus dem Sessel.

Doch Tobias’ Schritte verhallten im Gang. Zwecklos, ihm hinterher zu rennen. Sie mussten warten, bis er wieder aufkreuzte.

Sascha zuckte lässig mit den Schultern und bemühte sich nicht im Geringsten, sein Grinsen zu unterdrücken. „Ich sag nichts dazu. Das ist seine Sache.“ 

Schnaubend ließ sich Gordon in den Sessel zurückfallen.

 

*

 

Tobias riss die Bürotür von Browns Privatsekretärin auf.

Mrs. Parker zuckte zusammen. Heißer Kaffee schwappte auf die Schreibtischunterlage. „Ist was passiert, junger Mann oder weshalb klopfen Sie nicht an?“, fragte sie giftig.

Tobias zerrte aus seiner Jeans ein Papiertaschentuch und tupfte die Sauerei hektisch auf. „Es ist etwas passiert, Mrs. Parker, auch wenn es meine ganz private Katastrophe ist!“ Er zielte und schmiss das voll gesogene Taschentuch in den Mülleimer. „Verzeihen Sie mir. Bitte, scannen Sie mir diese Fotos ein und schicken Sie sie an folgende E-Mail-Adresse.“ Tobias schnappte sich einen Filzstift und schrieb Beatrices E-Mail auf einen Notizzettel.

„Nichts werde ich tun, junger Mann. Ohne Mr. Browns Anweisung darf ich das nicht!“

„Der Auftrag kann nicht angenommen werden, wenn bestimmte Dinge nicht geklärt werden! Und zwar sofort! In drei Stunden schicken die uns nach Neapel!“

Mrs. Parker musterte den aufgeregten Mann, der so alt wie ihr Sohn sein mochte. Sie kannte ihn schon seit zehn Jahren. Ohne diesen Deutschen (oder war er ein Türke? Auf alle Fälle hatte er einen türkischen Vater, von dem er den Namen und die interessante dunkle Haut hatte) wäre so manche Expedition schief gegangen. 

So aufgeregt hatte sie ihn noch nie erlebt. In seinen tiefdunklen Augen lag etwas Bettelndes, was sie schmerzte. Sie begriff, dass sie einen großen Fehler begehen würde, wenn sie Dr. Süliman eine Abfuhr erteilte.

Mr. Brown musste ihr verzeihen.

Ihr angespanntes Gesicht löste sich und sie lächelte. „Mein Kaffee ist kalt geworden. Ekelhaftes Gesöff!“ Sie erhob sich und ging mit der Tasse in der Hand zur Tür. „Ich hole mir einen neuen. Wenn Sie während meiner Abwesenheit ungefragt hier eindringen und sich an meinem Computer zu schaffen machen, kann ich nichts dafür, meinen Sie nicht?“ Sie seufzte und schüttelte mit gespielter Empörung den Kopf.

Tobias und warf ihr eine Kusshand zu. „Das vergesse ich Ihnen nie, junge Frau!“

„Meinen Sie nicht, dass Sie etwas übertreiben, Mr. Süliman?“, entgegnete Mrs. Parker trocken und verließ den Raum.

Tobias hatte die Bemerkung nicht gehört; schon saß er am Computer und legte ein Foto mit der strahlenden Maria-Stella in den Scanner. Seine Hände zitterten.

Als er die Mail an Beatrice abgeschickt hatte, atmete er tief durch. Er fuhr sich über das Gesicht, presste seine Hände fest aneinander, aber sie wollten einfach nicht aufhören zu zittern. Wem hatte er gerade gemailt? Beatrice? Einer Unbekannten? Etwa dieser Maria-Stella? Neben welcher Frau war er heute Morgen aufgewacht? Er spürte noch ihre warmen Lippen, die nach Kaffee schmeckten. Er hatte ihr versprochen, auf sich aufzupassen, als er sich von ihr verabschiedete. Dann hatte sie ihn ein letztes Mal umarmt, ganz ohne Tränen, ohne Theater. Dafür war er ihr dankbar. Sie meinte lediglich, dass sie seine Wohnung auf Vordermann bringe, damit sie an seinem Schreibtisch, der viel sonniger war als ihrer, die Mathe-Klausuren ihrer Oberstufenschüler korrigieren konnte.

Hatte die behütete Tochter des reichen Signor Mondadori Mathe und Chemie studiert, um sich als Lehrerin in einer schnuckeligen Stadt in Süddeutschland mit bockigen Gymnasiasten rumzuplagen? Auf die reiche Maria-Stella wartete Mailand, Metropole der Mode, ein Shopping-Paradies für alle Maria-Stellas der Welt.

Warum um alles in der Welt duftete Beatrice nach einem unauffälligen Deo-Roller und trug Kleider von der Stange, während Maria-Stella nur Markenklamotten an ihre Haut ließ? Waren die beiden ein- und dieselbe Frau? Es würde ihn auf der Stelle zerreißen! Unvorstellbar! Es konnte nicht sein, dass Maria-Stella picklige Gymnasiasten anstatt reiche Verehrer mit fetten Kisten bevorzugte. Wieso sollte sich eine Maria-Stella für einen globetrotteligen Spinner wie ihn entscheiden, einen Halbtürken dazu, den Geld nicht interessierte und der sich Steine schickte?

Er schüttelte den Kopf. Das ergab alles keinen Sinn. Beatrice konnte nicht Maria-Stella sein und dennoch lächelte ihn die Frau, die er liebte als Fremde in einem Video an.

Er griff zum Telefonhörer und wählte 0049 für Deutschland, dann 0761 für Freiburg und zögerte. Was würde passieren, wenn der Mann, der gestern noch mit ihr geschlafen hatte, ihr vorwarf, nicht die zu sein, die sie vorgab? Er drückte den Hörer so fest, dass das Weiße auf seinen Knöcheln hervortrat.

Langsam wählte er die Nummer zu Ende, lehnte sich zurück und lauschte dem Tuten in der Leitung.

Nach dem fünften Tuten ergriff ihn Verzweiflung. Ihm fiel ein, dass Beatrice noch in der Schule war; die Nummer der Schule kannte er nicht und sie herauszusuchen bedeutete, Zeit zu verlieren. Nach dem sechsten Tuten schaltete sich der Anrufbeantworter ein. Er wollte schon frustriert auflegen, als sich die abgehetzte Stimme Beatrices meldete.

„Gott sei Dank!“, entfuhr es ihm.

„Du hast Glück gehabt. Im Treppenhaus habe ich das Klingeln gehört. Ich bin gerannt, weil ich so ein Gefühl hatte, dass du es sein könntest.“

Tobias antwortete nicht.

„Müsstest du nicht schon längst in London sein?“, fragte sie besorgt.

Tobias wusste, dass sich in diesem Moment eine Sorgenfalte auf ihrer Stirn gebildet hatte, so nah schien ihr Gesicht. „Ich bin schon längst angekommen, kein Problem“, sagte er matt. „Beatrice, hör mir gut zu, es bleibt wenig Zeit! Ich habe dir per Mail ein paar Fotos geschickt. Sieh sie dir bitte an und sag mir, was du davon hältst.“

Er hörte das Rascheln ihres Kleides in der Leitung, als sie wortlos zum Computer ging.

Tobias biss sich auf die Lippen. Er hätte ihr die Fotos persönlich geben sollen. Sie hätte wenigstens die Chance haben müssen, in sein Gesicht zu sehen. Aber Brown hatte ihm keine Zeit gelassen. Er lauschte dem Summen des hochfahrenden Computers und dem schnellen Klicken der Mouse.

„Was ist an den Fotos so wichtig, dass du sie mir unbedingt jetzt zeigen musst?“, fragte sie.

Tobias schloss die Augen.

„Es ehrt mich wirklich, dass ich dir mit meiner besonderen Beobachtungsgabe weiterhelfen kann“, witzelte sie.

„Das hoffe ich!“

Eine ganze Weile hörte er nichts außer dem Rauschen der Leitung. Er war kurz davor zu fragen, ob sie noch dran war, beherrschte sich aber. Was dachte Maria-Stella jetzt?

Sag mir, dass du meine Beatrice bist, schrie es in ihm. Versprich mir, dass dein Leben keine Lüge ist!

Aber Gedanken konnte Beatrice (oder Maria-Stella) durch das Telefon nicht hören. Auf einmal packte ihn die Angst, dass sie auflegte und wie eine geplatzte Seifenblase aus seinem Leben verschwand. Er hielt sich verzweifelt den Mund zu, damit er sie nicht bedrängte. Sie sollte als Erste etwas sagen; Maria-Stella sollte reden.

Ihr Atem ging plötzlich stoßweise. Aha, Maria-Stella suchte fieberhaft nach einer Ausrede.

„Tobias“, drang es heiser an sein Ohr. „Hast du das fotografiert? Kannst du mir bitte verraten, wo wir da zusammen waren?“ Sie lachte verlegen. „Es ist mir wirklich peinlich, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass ich mit dir jemals auf einer Jacht war.“

„Vielleicht nicht mit mir, aber vielleicht mir jemand anderem?“, entgegnete Tobias sarkastisch.

„Du meinst doch nicht etwa diesen Fettsack, der den Arm um mich gelegt hat. Du meine Güte!“

„Der Fettsack ist Signor Vittorio Mondadori, ein einflussreicher Richter.“

„Das interessiert mich nicht, Tobias! Ich kenne diesen Mann nicht!“

„Dann bist du also nicht die Person auf dem Foto?“, fragte Tobias scharf.

Aus der Leitung drang ein verächtliches Schnauben. „So Leid es mir tut, Tobias, ich wüsste nicht, wer sonst außer mir mit meinem Gesicht herumläuft. Trotzdem kenne ich diesen Mann nicht. Ich war noch nie im Leben auf so einer Jacht. Auch kann ich mich nicht daran erinnern, jemals so einen peinlichen Sonnenhut auf dem Kopf gehabt zu haben. Soweit ich weiß, leide ich nicht unter Gedächtnisschwund.“

„Und wie erklärst du dir das alles?“

„Frag diesen Juristen und nicht mich, der wird dir sicher gerne behilflich sein“, erwiderte sie gereizt.

„Signor Mondadori behauptet, die junge Frau auf dem Foto sei seine verschollene Tochter. Die GSE-Company hat den Auftrag sie zu suchen“, sagte Tobias kalt.

Beatrice brach in ein schrilles Lachen aus, das schlagartig erstarb. „Das ist eine Fotomontage, Tobias!“, keuchte sie.

„Ich glaube nicht, Beatrice.“

„Aber… Tobias! Ich schwöre dir, dass ich diesen Mann nicht kenne. Ich bin nicht seine Tochter. Das ist doch nicht dein Ernst?“

Es tat ihm leid, dass er sie so vor den Kopf gestoßen hatte. Das Entsetzen in ihrer Stimme jagte ihm einen Schauder über den Rücken. Glaubte er ihr? Konnte er ihr glauben? Spielte sie mit ihm?

„Hör zu, Beatrice! Diese üble Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich bin ziemlich durcheinander. Sag mir, was würdest du an meiner Stelle denken? Würdest du mir bedingungslos glauben?“ Er wusste, dass sie fest den Hörer an ihr Ohr gepresst hatte und aus ihren Augen, die starr auf die Fotos fixiert waren, Tränen tropften.

Nach einer halben Ewigkeit räusperte sie sich und sagte leise: „Nein!“

Tobias wäre lieber gewesen, sie hätte ihn angeschrien.

„In knapp drei Stunden fliegen wir nach Neapel zu dem Ehepaar Mondadori. Wenn du dazu bereit bist, sorge ich dafür, dass du nachkommst. Dort wird sich der Spuk klären.“

„Wie stellst du dir das vor? Meine Schüler schreiben diese Woche noch wichtige Klausuren. Ich kann nicht weg!“

„Dann kommst du eben ein paar Tage später nach.“

„Nein!“, fauchte sie. „Diese Leute wollen was von mir und ich nicht von ihnen. Wenn sie mich sehen wollen, sollen sie gefälligst herkommen.“

Es folgte ein lautes Knacken in der Leitung; Beatrice hatte aufgelegt.

Tobias schaute verloren auf den Hörer. Er hatte den Daumen auf der Wiederholtaste. Aber es war besser, Beatrice ihrer Wut zu überlassen. Wie konnte er sie trösten, wenn er ihr nicht glaubte?

 

„Das war nicht sehr nett von Ihnen, Mr. Süliman!“ Mrs. Parker stand mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Tür und blickte ihn mitleidig an.

Am besten sah er zu, dass er so schnell wie möglich wegkam. An die mütterliche Brust gedrückt zu werden war genau das, was er jetzt brauchte.

„Ist es denn nicht egal, wer die junge Dame ist? Hauptsache Sie lieben sie.“

Rasch stand Tobias auf, schob Mrs. Parker sachte zur Seite, damit der Kaffee nicht auf die Untertasse schwappte und floh aus dem Zimmer.

„Ihr jungen Leute heutzutage seid so unromantisch“, rief sie hinter ihm her.

„Jung?“ Tobias drehte sich zu ihr um und lächelte gequält. „Die meisten Männer in meinem Alter sind verheiratet und haben zwei schulpflichtige Kinder, Mrs. Parker!“ Er winkte ihr zu und eilte zurück in das Büro des Generaldirektors, wo sie alle auf ihn warteten.

 Er hatte schon viel zuviel Zeit vergeudet.

 

*

 

Tobias machte sich nicht die Mühe anzuklopfen. Eisiges Schweigen empfing ihn.

Brown musterte ihn mit schmalen Lippen. Mit festen Schritten trat er auf Tobias zu, doch bevor er den Mund aufmachen konnte, schmetterte ihm Tobias die Fotos auf den Tisch.

Fassungslos starrte er Tobias an. „Ich gehe davon aus, Mr. Süliman, dass Sie einen triftigen Grund für diese ungeheuerliche Aktion hatten.“

Tobias blickte ihm ruhig in die Augen. „Ich habe die Fotos eingescannt und meiner Freundin gezeigt, Mr. Brown.“

Gordon verbiss sich in das Mundstück seiner Pfeife. Er kannte diesen Deutschtürken seit zehn Jahren und hatte gelernt, bei allem, was dieser Mann tat, nicht gleich loszupoltern, da sein scharfer Verstand oft Schlüsse zog, die einem Normalsterblichen erst nach langwierigen Erklärungen einleuchteten. Aber jetzt hatte er offensichtlich einen Wirrkopf vor sich. „Werden Sie konkret, Doktor!“, herrschte er ihn an.

Tobias wirbelte herum. „Erlauben die Herren, dass ich den Fotos noch eines hinzufüge?“ Er griff in eine der vielen Taschen seiner ärmellosen Weste und kramte aus seinem Geldbeutel ein kreditkartengroßes Bild hervor, das er auf den Schreibtisch knallte.

Die Männer beugten sich neugierig über das zerknitterte Foto und eine schlagartige Stille legte sich über ihre Köpfe.

Gordon fasste sich als Erster und nahm das Foto in seine Hand. Ungläubig starrte er auf die Schönheit, die mit zerzausten Haaren und leuchtenden Augen eindeutig nackt unter der Bettdecke lag. Tobias drückte sie eng an sich und küsste sie auf den Hals. Das stets beherrschte Gesicht Gordons wurde weich, seine Augen immer größer.

„Du bist klasse, Tarkan!“, platzte es aus Sascha heraus. Lachend haute er sich auf die Oberschenkel.

Peinlich berührt wandte Tobias den Blick ab.

Gordon drückte Tobias das Foto in die Hand. „Stecken Sie ein, Mann! Haben es alle gesehen!“

„Was Sie alles mit sich herumtragen, mein Lieber…“, sagte der Graf mit einem süffisanten Lächeln. „Es gibt Menschen, die wollen keine Bilder von ihren Liebsten im Geldbeutel haben, weil Geld schmutzig ist und stinkt. Aber Sie gehören zur unkomplizierten Sorte, Tobias. Wenn das Maurice erfährt.“

Mr. Brown hatte seine Fassung wiedergewonnen. Mit verschränkten Armen trat er dicht an Tobias heran. „Was haben Sie mit Maria-Stella zu schaffen?“, zischte er.

Tobias vergrub seine Hände in den Gesäßtaschen und zuckte mit den Schultern.

„Egal!“, fuhr Gordon dazwischen. „Stornieren Sie die Flüge nach Neapel, Mr. Brown! Können uns die Sucherei sparen, denke ich!“

„So schnell waren wir noch nie mit einem Auftrag fertig. Wir werden immer besser, findet ihr nicht?“, sagte der Graf. „Obwohl ich zugeben muss, dass es etwas langweilig ist, eine Sache so schnell vom Tisch zu fegen. Sie haben uns ganz schön vor den Kopf gestoßen, Tobias.“

„Warten Sie es ab, Jean“, raunte Tobias.

„Hätten uns gleich sagen können, dass Sie diese Frau kennen!“, sagte Gordon verärgert. „Stattdessen lassen Sie uns warten wie beim Zahnarzt.“

„Die Frau, mit der ich zusammen bin, nennt sich Beatrice und nicht Maria-Stella. Sie behauptet, Signor Mondadori nicht zu kennen. Und da wir in drei Stunden fliegen sollten, ließen Sie mir keine andere Wahl.“

Gordon verdrehte die Augen und klatschte theatralisch in die Hände. „Klarer Fall, Doktor! Töchterchen taucht mit anderem Namen unter und Papi kann nachts nicht schlafen.“

„So ein Zufall, dass sie ausgerechnet bei Ihnen wieder auftaucht, Tobias“, bemerkte der Graf.

„Schlage vor, Tobias, Sie fliegen mit Töchterchen nach Neapel und sagen Papi, dass Töchterchen bei Ihnen gut aufgehoben ist.“

„So einfach ist das nicht!“

„Der Mann kann seine erwachsene Tochter nicht zwingen, zu ihm zurückzukehren. Bin überzeugt, dass er zukünftigen Schwiegersohn mehr als passabel findet und Papi sein Töchterchen mit Ihnen ziehen lässt. Also, vor was haben Sie Angst, Doktor?“

Der zynische Unterton verschlug Tobias die Sprache. Er schloss für einen Moment die Augen und biss die Zähne aufeinander, damit die aufflammende Wut nicht aus ihm herausplatzte. Was für ein Recht hatte Steven Gordon, seine Liebe zu Beatrice in den Dreck zu ziehen? Warum wollte er ihn verletzen?

Tobias versteckte seine zitternden Hände in den Hosentaschen. „Gordon, ich sehe, dass Sie sich nicht in mich oder in die Frau, die ich unter den Namen Beatrice kenne, hineinversetzen können. Seien Sie froh, dass Sie keine Frau liebt, der Sie unterstellen müssen, jemand anders zu sein und der Sie nicht direkt ins Gesicht sagen müssen, dass Sie ihr nicht glauben. Wenn ich mich nicht irre erwähnte ich es schon: Beatrice kennt Signor Mondadori nicht. Entschuldigen Sie, Gordon, aber Ihren beschissenen Vorschlag habe ich überhört.“

„Wüsste nicht, weswegen ich mich bei Ihnen entschuldigen sollte, Süliman! Die Frau, die Sie Beatrice nennen, soll sich den Mondadoris vorstellen und basta. Problem gelöst! Rest interessiert mich nicht. Alles andere sind Ihre privaten Familienangelegenheiten, Doktor!“

„Meine Herren!“, rief Henry Brown ungeduldig. „Wenn Sie es nicht schaffen, diese Beatrice dazu zu bewegen, sich den Herrschaften Mondadori vorzustellen, kommen wir nicht weiter.“ Er senkte den Blick und legte Tobias flüchtig eine Hand auf die Schulter. „Es tut mir leid, dass Ihnen der Zufall so übel mitgespielt hat, Mr. Süliman, aber meinen Sie nicht, diese Beatrice überreden zu können?“

Tobias seufzte. Nach Neapel käme sie niemals mit, das hatte er ihrer Stimme angehört. Wie sie reagieren würde, wenn sie die Mondadoris in Freiburg empfinge, konnte er nicht voraussagen. Sie hatte einfach aufgelegt.

Tobias nickte matt. „Können Sie es einrichten, dass sich das Team mit den Mondadoris in Freiburg trifft? Ich denke, dann wäre Beatrice am ehesten bereit. Versprechen kann ich nichts.“

Er verließ wortlos das Büro. Die innere Leere, die ihn überfallen hatte, ertrug er nicht länger; er brauchte frische Luft. Sascha eilte hinter ihm her.

Der Graf rieb sich nachdenklich das Kinn. Es war ihm schon vorher aufgefallen, dass Gordon dunkle Ringe unter den Augen hatte und er aussah, als hätte er sich die ganze Nacht im Bett herumgewälzt. „Was hat man Ihnen angetan?“, fragte er leise.

Gordon schüttelte mürrisch den Kopf. „Nothing!“

„Nichts?“ Der Graf schaute ihn ernst an. „Dafür machen Sie ganz schön Wind, mein Lieber!“

 

*

 

Tobias und Sascha hatten sich im Hinterhof des GSE-Gebäudes auf eine Bank gesetzt, von der man einen Blick auf ein paar streng gestutzte Thujahecken und auf ein penibel gepflegtes Stiefmütterchenbeet hatte. Zwei vom Londoner Stadtdreck graue Tauben flogen vom Dach und landeten im Hof.

„Fliegende Ratten“, brummte Sascha und schmiss ihnen kleine Steinchen hin, denen sie aufgeregt hinterher tippelten. „Kann es sein, dass die Flugratten hier blöder sind als bei uns?“.

„Merk dir, nach dem wievielten Stein sie es endlich kapieren, dann weißt du’s.“

„Hab ich schon.“

„Und?“

„Keine Ahnung, ich verzähl mich immer.“

Über Tobias Gesicht huschte ein Grinsen und er knuffte seinem Freund in die Seite. Bettelnd hielt er ihm die Hand hin. „Gib mir eine Zigarette, Sascha!“

„Kaugummizigaretten für Nichtraucher habe ich leider nicht.“

„Jetzt mach schon!“, drängte Tobias.

Zögernd zog Sascha sein Päckchen aus seiner Lederjacke. „Seit wann rauchst du, Mann?“

Verdrossen kickte Tobias einen Kieselstein zwischen die Tauben. „Seit jetzt“, sagte er düster.

„So ein Schwachsinn! Ich sag die eins: Wenn du in dem Zustand anfängst zu rauchen endest du als Kettenraucher.“

„Dann lass stecken, du Geizhals!“

Sascha nahm ein paar tiefe Züge, lehnte sich zurück und paffte Ringe in die Luft. Er legte den Kopf in den Nacken und beobachtet, wie sich die Ringe allmählich auflösten. „Bei Gordon müsste man mal durchtesten, ob bei ihm noch alles da ist, meinst du nicht? Kommt vom Kiffen. Davon wird das Hirn käsig.“

Tobias reagierte nicht. Frustriert stützte er seinen Kopf auf den Händen ab und beobachtete die Tauben, die auf Saschas Steinchen warteten.

Was war mit Steven Gordon los? Warum wurde er beleidigend? Gordon hatte wieder einmal auf seinem Doktor herumgehackt. Nach zehn Jahren Zusammenarbeit flackerte der Neid immer wieder durch. War es das? Neid?

Er gönnt mir Beatrice nicht, durchfuhr es ihn.

Er war in Gordons Augen ein Mustermensch, dem alles mühelos gelang, was er sich vorgenommen hatte; der mehrere Sprachen fließend beherrschte und zu allem Überfluss genügend Charme besaß, um sich eine rassige Schöne zu angeln.

Tobias fuhr sich über das Gesicht. Konnte die Welt so primitiv sein?

Gordon sah gut aus. Groß, dunkelblond. Er war der Typ mit dem kantigen Gesicht, der sich in den Actionfilmen immer als Erster aus dem Hubschrauber stürzte. Tobias hingegen war zwar alles andere als klein, aber seine Nase war zu groß, und er trug eine Brille. Sein allmählich grau werdendes Haar hatte die Beschaffenheit von Draht, weswegen er immer ungekämmt aussah. Doch das hatte Beatrice nicht davon abgehalten, sich in ihn zu verlieben. Wie konnte ein Mann wie Gordon, dem die Frauen interessiert hinterher starrten,  auf ihn eifersüchtig sein?

Was wusste er schon von Steven Gordon, der selten etwas über sich erzählte? Er lebte in Tring, einem Vorort von London zur Untermiete. Was er in der Zeit trieb, in der sie nicht zusammen für die GSE-Company arbeiteten, wusste er nur vage. Gordon war in Tring nur schwer zu erreichen. Sein Handy schien grundsätzlich ausgeschaltet zu sein, wenn er nicht im Dienst war, und von E-Mails hielt er nicht viel, obwohl das seiner knochentrockenen Art am ehesten entsprach.

Und rief Tobias bei der Vermieterin an, so sagte ihm eine leise Frauenstimme, dass Mr. Gordon leider nicht zu Hause war.

Die Vermieterin hatte offensichtlich einen halbwüchsigen Sohn und einmal, ein einziges Mal, erfuhr er, dass er den Jungen mit zum Klettern in die Alpen genommen hatte. Tobias war kurz davor, die Frau zu fragen, ob das ihr gemeinsamer Sohn mit Gordon sei, aber die Gefahr, in einen gewaltigen Fettnapf zu treten, war zu groß. Wenn es so wäre, hätte er irgendwann davon erzählt, so verstockt konnte selbst Gordon nicht sein. Aber was kümmerte ihn das Privatleben von Steven Gordon?

Tobias war bitter enttäuscht. Die Kluft zwischen dem Doktor und dem Ironman bestand nach zehn Jahren immer noch. Er fragte sich, ob er der GSE-Company nicht besser den Rücken zukehrte und sich ganz auf den Job an der Uni konzentrierte. Als Geologe und Sprachwissenschaftler kam er genug in der Welt herum. Sein Job war ok und er verdiente mit Vorträgen, in denen er seine Fotos von seinen Reisen zeigte, zusätzlich Geld.

Und mit Beatrice war eine Wärme in sein Leben getreten, die er immer vermisst hatte. Darauf konnte er nicht mehr verzichten. Vielleicht hatte er alles durch seinen Anruf zerstört. Innerhalb einer einzigen Stunde.

Ja, er war unromantisch, wie Mrs. Parker sich ausdrückte.

Er beobachtete Sascha, der lässig ein Bein über das andere gelegt hatte und immer noch Ringe in den Himmel blies. Sie kannten sich aus dem Sandkasten. Sascha war der Einzige gewesen, der mit der Türkenbrut spielen wollte. Er hatte den Mund nicht mehr zugekriegt, als er erfahren hatte, dass der Türkenjunge wie seine Lieblingscomicfigur Tarkan hieß. Die Hefte kosteten damals vierzig Pfennige. Auf schnell vergilbenden Seiten bekämpfte ein rothaariger Barbar die Mächte des Bösen. Auf einmal stand Tarkan vor ihm. Leibhaftig.

Sascha war der Einzige, der ihn mit seinem Zweitnamen ansprach. Seitdem waren sie unzertrennlich und passten aufeinander auf. Tobias versteckte Sascha vor seinem gewalttätigen Vater, der ihn in regelmäßigen Abständen grün und blau drosch und ließ ihn Hausaufgaben abschreiben. Sascha verhinderte, dass Neider, die nicht ertrugen, dass ein Halbtürke mehr Hirn als alle zusammen hatte, Tarkans Kopf in die Kloschüssel steckten und ihm Stinkbomben in den Ranzen legten.

Doch irgendwann hielt es Sascha zu Hause nicht mehr aus. Er haute ab und ließ Tobias im Stich. Von einem Tag auf den anderen war er aus seinem Leben verschwunden, bis ihn Jahre später in der Londoner U-Bahn ein abgemagerter Fixer bei seinem Namen rief. Er päppelte ihn auf und leistete harte Überzeugungsarbeit vor Brown, der ihm mit unguten Gefühlen einen Job bei der GSE-Company gab. Bis jetzt hatte ihn Sascha nicht enttäuscht.

Sascha schnippte die Kippe zwischen die Stiefmütterchen und stand auf. „Komm, Tarkan, die große Pause ist um. Gehen wir zurück und erlösen unseren Grafen.“

Stumm folgte ihm Tobias. Er war froh, dass Sascha bei ihm war.

 

*

 

Im Büro des Generaldirektors fanden sie nur den Grafen und Brown vor. Gordon war gegangen.

„Ich hoffe, dass die Herren ihre privaten Querelen in den Griff kriegen! Meine Klienten erwarten ein zuverlässiges Team und keine Kampfhähne“, knurrte Brown. Er hielt einen Kugelschreiber hoch. „Wären die Herren so freundlich?“, sagte er mir gepresster Stimme und deutete auf den Schreibtisch, wo der Vertrag auf ihre Unterschrift wartete.

Tobias verschränkte die Arme. „Ich fliege nicht nach Neapel.“

Brown drückte Tobias den Kugelschreiber in die Hand. „Das ist jedem, der diesen Affentanz miterlebt hat, klar, Mr. Süliman. Das Team trifft sich in Freiburg, zufrieden?“

Zögernd nahm Tobias den Vertrag in die Hand und blickte stirnrunzelnd auf die klare Unterschrift Gordons. „Unterschreiben Sie, Jean?“

„Wenn Sie es vor mir tun, gern.“

Tobias setzte seine Unterschrift darunter und reichte den Vertrag dem Grafen.

Brown atmete auf. „Für Ihre Unterkunft sorgen Sie gefälligst selbst. Die Flüge nach Neapel sind futsch und wenn Sie glauben, dass mir das Geld aus den Ohren sprudelt, muss ich Sie enttäuschen“, knurrte er und riss Sascha, der als Letzter unterschrieben hatte, den Vertrag aus den Händen.

„Wenn Sie in Ihrem Heim noch ein bescheidenes Plätzchen für mich hätten, komme ich am besten gleich mit“, sagte der Graf.

„Sie sind mir herzlich willkommen, Jean“, entgegnete Tobias.

„Wenn ich ehrlich bin, kann ich es kaum erwarten, Ihre Beatrice kennen zu lernen.“

Brown hielt den drei Männern die Tür auf und verabschiedete sie. Doch kurz bevor er sie hinter sich schloss, hielt er inne und lief ihnen hinterher. „Warten Sie, Mr. Süliman!“

Tobias drehte sich überrascht um.

Mr. Brown legte Tobias seine Hand auf den Oberarm. „Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!“, sagte er mit ernstem Gesicht.

Tobias war so verdutzt, dass er vergaß sich zu bedanken.

-2-

 

Tobias klingelte an Beatrices Haustür. Als nach penetrantem Dauerklingeln niemand öffnete, legte er sein Ohr an die Tür. Aber die Musik, die leise durch das Treppenhaus drang, stammte nicht aus ihrer Wohnung.

Nervös blickte er auf seine Uhr. Es war gegen acht Uhr abends. Um diese Zeit war Beatrice in der Regel zu Hause. Noch einmal lauschte er angestrengt, aber das Einzige, was er hörte, war Gezeter aus der Wohnung gegenüber. Enttäuscht rutschte er auf den Boden und blieb mit angezogenen Beinen an der Tür gelehnt sitzen.

Wo steckte sie? War Beatrice verschwunden, weil Maria-Stella Angst hatte, entlarvt zu werden? Auf ihrem ungemachten Bett wartete vielleicht ein lieblos geschriebener Abschiedsbrief auf ihn: Es war schön mit Dir, ich liebe Dich immer noch. Verzeih mir!

Das Einzige, was sie ihm zurückgelassen hatte, war der berauschende Duft ihres Körpers in ihrem Nachthemd.

Sein Herz klopfte schwer in seiner Brust. Das ertrüge er nicht, er würde schreiend auf die Straße rennen, bis man ihn einfing und in eine Zwangsjacke steckte. Schreien würde er, damit er nicht platzte, und es ihn in zwei Teile riss.

Er zwang sich, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Seine Ratio brauchte Luft. Noch war gar nichts passiert, vielleicht hatte Beatrice Elternabend und kannte Maria-Stella nicht. Vielleicht war sie lediglich sauer auf ihn und ihr duftendes Bett war ordentlich gemacht.

Die letzte Gewissheit brächte der Schlüssel, den er, seit sie ein Verhältnis miteinander hatten, wie seinen eigenen am Schlüsselbund trug. Er fühlte ihn in seiner Hosentasche. Besser, er wartete bis morgen. Wenn Beatrice bis dahin nicht aufgetaucht war, konnte er ihren Abschiedsbrief immer noch lesen. Wenigstens eine Nacht wollte er sich der Hoffnung hingeben, dass nicht alles, was er liebte und wie die Luft zum Atmen brauchte, zerstört war. Enttäuscht kehrte er in seine Wohnung zurück.

 

*

 

Sascha hatte sich in Tobias’ Wohnzimmer auf dem orangefarbenen Zweisitzer breitgemacht und kaute an einer lauwarmen Pizza vom Bringdienst.

„Wollt ihr nichts?“, fragte er erstaunt.

 Jean Louis Baptiste de Boulogne, der interessiert Tobias’ Fotografien an der Wand betrachtete, winkte dankend ab. „Mein lieber Sascha, ich bin überzeugtes Mitglied der Slow-Food-Vereinigung. Da bin ich eisern. Wenn du mir die Pizza selbst gebacken hättest, hätte ich nicht abgelehnt.“

„Haben Sie keinen Hunger?“, fragte Sascha mit vollem Mund.

„Als Arzt sage ich dir, dass es gesünder ist zu verzichten, als sich den Magen mit Essen voll zu stopfen, das gegen den gesunden Menschenverstand verstößt.“

Sascha leckte sich die Finger sauber und nahm sich ein weiteres Stück. „Werd mich schon nicht vergiften“, brummte er verärgert. „He, was ist mit dir, Tarkan? Hast du auch Angst vor der Pizza?“

Tobias schüttelte genervt den Kopf. „Iss und verschon mich!“

„Entspann dich, Mann, ok?“, knurrte Sascha beleidigt.

Der Graf blieb bewundernd vor Tobias’ Bücherregalen stehen. „Nicht schlecht Ihre Sammlung!“

„Im Arbeitszimmer sieht es noch schlimmer aus und einen Fernseher hat er auch nicht“, winkte Sascha ab.

„Sie haben wirklich zu jedem Thema etwas zur Hand, Donnerwetter!“ Der Graf blieb vor der Glasvitrine stehen, in der Tobias seine wertvollsten Mineralien ausgestellt hatte. Aber das interessierte ihn nur kurz. Seine Augen weiteten sich, als er das niedrige Wandregal erblickte. Er griff hinein und nahm einen roten Schnellhefter von einem losen Stapel. Mit den Fingerspitzen fuhr er fasziniert über die handgeschriebenen Seiten. „Mon Dieu, was ist das für eine Sprache?“

„Was Sie da gerade in der Hand halten ist meine Wörtersammlung von einer der zweihundertfünfzig Sprachen, die fünftausend Menschen in Papua Neuguinea sprechen. Wörterbücher gibt es nicht.“

„Sagen Sie bloß, Sie haben sich alles gemerkt, was Sie da aufgeschrieben haben.“

Tobias lächelte. „Das braucht Sie nicht zu erstaunen, Jean. Es sind die wenigen hundert Wörter, die Sie in jeder Sprache weiterbringen. Sie glauben nicht, wie weit Sie schon mit fünfzig Wörter kommen.“

„Doch, doch, das glaube ich Ihnen. Das haben Sie in den letzten zehn Jahren unserer Zusammenarbeit brillant demonstriert. Manchmal denke ich, dass man Sie in Babylon übersehen hat.“ Der Graf glättete sorgfältig den Schnellhefter und legte ihn auf den Stapel zurück.

Sascha stöberte in Tobias’ Küche eine vergessene Flasche Bordeaux auf und entkorkte sie ungefragt. Mit zwei Weingläsern, die er an ihren schlanken Stielen zwischen seinen Fingern geklemmt hatte, kam er ins Wohnzimmer, kniete sich vor den niedrigen Holztisch und stellte sie ab. Er roch an der offenen Flasche und schenkte sich und dem Grafen ein. Schweigend prosteten sie sich zu.

Lustlos nippte Tobias, der Wein nur selten anrührte, an seinem Mineralwasser. „Wie geht es jetzt weiter?“, fragte er in die Stille hinein.

Der Graf nahm einen tiefen Schluck, bevor er antwortete. „Das hängt davon ab, ob Ihre Beatrice bereit ist, sich den Mondadoris zu zeigen. Wenn ja, wird Mr Brown die Mondadoris nach Freiburg scheuchen. Wenn nein, sitzen wir fest, würde ich sagen.“

Tobias faltete nachdenklich die Hände. „Das ist ein einziger Albtraum, Jean. Haben Sie eine Erklärung für diesen absurden Zufall, wenn es nun einer ist?“

„Wenn nicht mal Sie mit Ihrem scharfen Verstand eine Ahnung haben, wieso fragen Sie dann mich?“

Sascha legte seine Hände in den Nacken und starrte an die Decke. „Vielleicht hat Gordon Recht und Beatrice ist von zu Hause abgehauen. So wie Mondadori sie mit Küsschen bedeckt hat, muss sie sich doch vorkommen wie eine Schmusepuppe. Das war keine Frau, das war Barbie in Lebensgröße. Und hast du die angemalte Tante im Liegestuhl gesehen, Tarkan? Mal im Ernst: Welches Mädchen will heutzutage noch so enden? Beatrice ist nicht der Typ für Stöckelschuhe und Wackelarsch. Wahrscheinlich wollte Mondadori sie an einen reichen Onkel verheiraten. Beatrice hatte die Schnauze voll und ist abgehauen. Kann schon sein, Tarkan, dass neben dir Maria-Stella wohnt.“

„Das ist doch absurd!“, schnaubte Tobias. 

„Wenn es um Beatrice geht, bist du nichts weiter als ein liebestoller Hund, der einem nächtelang mit seinem Gejaule auf den Wecker geht. Dagegen hilft ein Eimer kaltes Wasser.“

„Danke!“, fauchte Tobias.

„Man bricht nicht mir nichts dir nichts den Kontakt mit der Familie ab“, warf der Graf stirnrunzelnd ein.

„Ach, nein?“ Saschas Lippen wurden schmal.

Verlegendes Schweigen legte sich über sie.

Tobias starrte in sein Glas. Genau das hätte der Graf besser nicht gesagt.

Der Graf klopfte sich auf die Oberschenkel und stand auf. „Vielleicht ist es besser, wir beenden die lustige Runde, bevor ein neuer Affentanz losbricht. Der in London heute Morgen hat mir gereicht“, sagte er und verschwand in Bad.

Tobias kippte den letzten Rest Rotwein in Saschas Glas. „Da, trink! Und dann hau ab, mir reicht’s für heute!“

„Entspann dich, Mann!“, knurrte Sascha und kippte den Wein hinunter. Er schnappte sich seinen Rucksack und knallte die Tür hinter sich zu.

 

*

 

Der Graf zog den Zweisitzer zu einem Bett aus und legte sich mit dem Schlafsack darauf. „Eines noch!“, sagte er auf Französisch, was er immer sprach, wenn er mit Tobias alleine war. „Nach Saschas lebhaften Ausführungen scheint Ihre Beatrice das Gegenteil von Maria-Stella zu sein. Angenommen, es handelt sich um ein- und dieselbe Person, also­ um Ihre Beatrice, dann wären Saschas Überlegungen durchaus realistisch. Vielleicht haben ihre Eltern Erwartungen an die Tochter, die sich ein ganz anderes Leben vorgestellt hat.“

Tobias wandte den Blick ab.

„Verstehen Sie mich nicht falsch, Tobias“, fuhr der Graf vorsichtig fort. „Aber wie Sie wissen, werden Sie unter den sechs Milliarden Menschen auf der Erde keine zwei finden, die sich bis auf das Haar gleichen, wenn es sich nicht gerade um Zwillinge handelt. Ich denke, dass wir das ausschließen können, denn Signora Mondadori wird wissen, ob sie ein oder zwei Töchter geboren hat. Wenn es also keine Zwillinge gibt, wird es sich höchstwahrscheinlich um dieselbe Person handeln, die ihre Gründe gehabt hat, ihren Namen abzulegen und unterzutauchen.“

Tobias sah ihn aus müden Augen an. „Sie halten mich auch für einen liebestollen Hund, habe ich Recht?“

„Tobias, ich bitte Sie! Sie wirken etwas abgespannt, aber von einem liebestollen Hund sind Sie noch weit entfernt.“

Tobias lächelte und wünschte dem Grafen eine gute Nacht.

 

*

 

Gestern Nacht hatte er hier mit Beatrice geschlafen. Im ungemachten Bett hing noch der Geruch ihrer frisch gewaschenen Haare.

Wütend riss er das Kopfkissen von der Matratze und wälzte sich an das Fußende­. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, sich auszuziehen und zu waschen, denn das hätte dem Ganzen eine absurde Normalität verliehen, die es einfach nicht mehr gab. Ohne Beatrice gab es keine Normalität mehr.

Er lauschte dem Rauschen der Klospülung aus der Wohnung über ihm und stellte sich vor, dass Beatrice nur kurz aufgestanden war und gleich wieder zu ihm unter die Decke kriechen würde. Aber sein Bett war kalt, er selbst konnte es mit seinen kalten Füßen nicht wärmen.

Die Scheinwerfer eines einparkenden Autos warfen verschwommene Schatten an die Zimmerdecke, die wie fliehende Geister hinter dem Schrank verschwanden.

Eine tiefe Unruhe erfasste ihn. Er zog sich die Decke über den Kopf, aber das schützte ihn auch nicht vor der Erkenntnis, dass der Graf und Sascha Recht hatten.

Eigentlich hätte er sich beruhigt schlafen legen können. Falls Beatrice wirklich mit ihrer Vergangenheit gebrochen hatte, ging ihn das nichts an. Es hatte nichts mit ihrer Beziehung zu tun. Doch der Gedanke hinterließ einen schalen Nachgeschmack. Eine Frau, die sich so perfekt verstellen konnte, war die perfekte Lügnerin, der es nichts ausmachte, all das, was sie in ihrem früheren Leben gewesen war, zu verdrängen. War das möglich?

Ihm fiel ein, dass sie perfekt Deutsch sprach. Nicht der Hauch eines südländischen Akzentes war herauszuhören. Vielleicht war sie zweisprachig aufgewachsen, das hatte nichts zu sagen. Und wie verhielt es sich mit den beiden Menschen, die regelmäßig anriefen und die Beatrice mit Mama und Papa ansprach? Tobias hatte ihre Eltern noch nie gesehen. Wenn Beatrice von ihnen sprach, hatte sie stets einen liebevoll spöttischen Zug um ihre Lippen.

Das war doch nicht alles gespielt und gelogen?

Wie konnte jemand – ohne Spuren zu hinterlassen – sein Leben einfach durch ein anderes ersetzten wie eine Schlangenhaut? Wie hatte er sich in Beatrice nur so täuschen können?

Nein, das konnte nicht sein, es musste eine andere Erklärung geben.

Aber wie war es dann möglich, dass sich zwei Menschen derart glichen, obwohl sie keine Zwillinge waren?

Tobias stieß ein verzweifeltes Wimmern aus. Er hätte schreien können! Alles war möglich, nichts konnte widerlegt und ad absurdum geführt werden.

Er riss sich die Decke vom Kopf, weil er das Gefühl hatte zu ersticken und schaute auf die Leuchtziffern seines Weckers, der 23 Uhr 35 anzeigte. Sein Herz klopfte und seine Hände wurden klebrig vom kalten Schweiß.

Er wollte sie sehen und anfassen, sofort!

Rasch griff er zu seinem Handy, das auf dem Nachttisch lag und wählte ihre Nummer. Er ließ es eine Ewigkeit klingeln, lauschte ihrer weichen Stimme auf dem Anrufsbeantworter und dem Rauschen, das nach dem Piepston folgte.

Es schnürte ihm die Kehle zu. Sie war immer noch nicht in ihrer Wohnung. Vielleicht war sie im Kino oder bei ihrer furchtbaren Freundin Lena und beschwerte sich über ihn. Er stellte den Wecker auf kurz vor sieben Uhr. Um sieben verließ Beatrice in der Regel die Wohnung, um pünktlich in der Schule zu sein. Er wollte sie abpassen und ihr sagen, dass er sie liebte. Bald fiel er in einen unruhigen Schlaf.

 

Das Piepsen des Weckers schreckte ihn auf. Die letzten Traumfetzen verschwanden wie Nebel, und mit klopfendem Herzen sprang er aus dem Bett. Er schlich sich an dem Grafen vorbei, der mit offenem Mund auf dem Rücken lag und leise schnarchte.

Unrasiert und stinkend klingelte er an Beatrices Wohnungstür.

Sie öffnete nicht.

Unbeeindruckt lehnte er sich mit seinem ganzen Gewicht auf den Klingelknopf, als könnte er sie dadurch herzaubern.

Die Wohnungstür gegenüber öffnete sich einen kleinen Spalt und ein  neugieriges Auge spähte in den Gang. Als er sich wütend umdrehte, klappte die Tür sofort zu.

Frustriert nahm er den Daumen von der Klingel. Beatrice war weg. Warum dauerte es so lange, bis er es endlich kapierte?

Sie hatte die Nacht nicht hier verbracht; ihr Bett war kalt.

Er atmete tief ein, damit ihn seine Gefühle nicht überwältigten. Das hatte er in den zehn Jahren, in denen er mit dem Team zusammenarbeitete, hinreichend gelernt.

Er schleppte sich in die Wohnung zurück, rasierte sich und wusch sich den ganzen Dreck der letzten vierundzwanzig Stunden ab.

 

*

 

Mit noch feuchten Haaren setzte er sich an den Küchentisch.

Der Graf hatte beim Bäcker um die Ecke frische Brötchen besorgt. Er goss ihm frischen Kaffee ein und legte ihm ein Croissant auf den Teller. „Ich hoffe, mein Kaffee macht Sie wieder munter. Er wird Ihnen nicht schmecken, ich warne Sie! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zu den wenigen unbegabten Menschen gehöre, die keinen Kaffee kochen können. Entweder er sieht aus wie Schwarztee, oder er ist so stark, dass selbst ich ihn nicht trinken kann.“

Tobias lächelte matt und umklammerte die dampfende Tasse. „Machen Sie sich keine Gedanken, Jean. Ich bin immer froh, wenn ich ihn mir selbst nicht machen muss, egal wie er schmeckt.“

Kaum hatte er den ersten Schluck schwarz getrunken, merkte er, dass sein letztes Essen ein schwammiges Fischbrötchen in London gewesen war. Er brach ein Stück von seinem Croissant ab und tunkte es in den Kaffee. „Schauen Sie nicht hin“, sagte er verlegen.

„Tun Sie sich keinen Zwang an.“

Er ließ das Croissant über der Tasse abtropfen und biss großzügig davon ab. „Was mich interessiert, Jean…“, sagte er, als er gekaut und mit einem Schluck Kaffee nachgespült hatte. „Haben Sie Gordon überredet zu unterschreiben?“

Der Graf schüttelte langsam den Kopf. „Wo denken Sie hin? Als Sie außer Sichtweite waren, stand er auf und verlangte von Brown den Vertrag. Er knallte ihn auf den Tisch und verschwand ohne ein Wort. Wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf: Vergessen Sie den Londoner Affentanz und nehmen Sie es nicht persönlich!“

Tobias starrte auf die schwimmenden Krümel in seinem Kaffee. „Ich werde mir Mühe geben.“

Von irgendwoher ertönte „Pink Panther“, der Klingelton seines Handys. „Beatrice!“, entfuhr es ihm.

Instinktiv klopfte er seine Taschen ab, obwohl der Ton gedämpft aus einem anderen Raum kam. Er sprang so hektisch auf, dass der Stuhl krachend nach hinten fiel und rannte in sein Schlafzimmer, wo er das Handy unter dem Kopfkissen fand.

„Beatrice!“, rief er erregt.

Er hörte ein Räuspern. „Morning!“, ertönte die tiefe Stimme Gordons.

Ihm war, als hätte ihm jemand einen nassen Lappen ins Gesicht geklatscht. Er presste eine Hand auf den Mund und knautschte die Lippen. „Morning!“, presste er hervor. Mit düsterem Gesicht ging er zurück in die Küche und gab dem Grafen mit stummen Gesten zu verstehen, mit wem er sprach.

Der Graf ermahnte ihn mit strengem Blick, nicht aufzubrausen.

„Haben unterschrieben, nehme ich an?“, fragte Gordon langsam.

„Wir sind komplett. Der Graf ist bei mir. Maurice kommt morgen nach.“

„Und?“, forderte Gordon.

Tobias Augen wurden schmal. Der scharfe Ton gefiel ihm nicht. Erwartete Gordon, dass er ihm um halb acht Uhr morgens eine bereitwillige Beatrice präsentierte, die nur darauf wartete, den Mondadoris reumütig in die Arme zu fallen? Was war mit dem Mann los? „Der Graf und ich frühstücken gerade, und dann werde ich ihm unser schönes Münster zeigen. Der Frühling ist wie geschaffen dafür.“

Der Graf trat Tobias verärgert gegen das Schienbein.

Tobias schüttelte energisch den Kopf und drehte dem Grafen den Rücken zu.

„Was ist mit der Frau, die Sie Beatrice nennen?“, fragte Gordon ungeduldig. „Haben Sie mit ihr geredet?“

„Nein! Ich habe sie noch nicht angetroffen.“

„Soll heißen?“

„Soll heißen, dass sie nicht in ihrer Wohnung übernachtet hat. Soll heißen, dass ich keinen blassen Schimmer habe, wo sie ist!“

Gordon schnaubte. „Vogel ist ausgeflogen? Gratuliere, Tobias, haben das mit Ihrem genialen Alleingang prima hingekriegt!“

„Herrgott! Wir sind keine vierundzwanzig Stunden hier. Was erwarten Sie eigentlich?“

 „… Dass Sie diese Person auftreiben! Werden das doch wohl hinkriegen. Denke, sie frisst Ihnen aus der Hand!“

Tobias’ Lippen wurden blass.

Der Graf versuchte hastig, Tobias’ Handy zu greifen. „Geben Sie schon her!“, zischte er.

Tobias wehrte wütend ab. „Gordon!“, sagte er mit gepresster Stimme. „Ich werde die Person auftreiben und so lange einer Gehirnwäsche unterziehen, dass sie freiwillig zu ihren Eltern nach Neapel fliegt. Saubere Sache, Fall abgehakt! Darf ich Sie etwas fragen, Gordon?

„Was?

„Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal mit einer Frau geschlafen? Ist das Ihr Problem?“

„Wir sprechen uns noch!“, bellte Gordon und legte auf.

Tobias drückte dem Grafen das Handy auf die Brust. „Jetzt können Sie es haben!“

Wütend steckte der Graf das Handy in den Ausschnitt von Tobias’ T-Shirt. „Wissen Sie was? Ich glaube, Sie leiden unter Entzugserscheinungen!“

Tobias zog das Shirt aus dem Hosenbund und fischte nach seinem Handy. „Haben Sie Angst, dass ich anfange zu jaulen, wenn ich den Namen Beatrice höre?“, fragte er gereizt.

Der Graf verschränkte die Arme. „Ich erzähle Ihnen bestimmt nichts Neues, wenn ich Ihnen sage, dass bei Frischverliebten der Oxytocin-Spiegel besonders hoch ist. Das ist das Brutpflegehormon, und je mehr davon in unserem Blut schwimmt, desto intensiver sind die Gefühle gegenüber dem geliebten Objekt.“

Tobias ließ sich stöhnend auf seinen Stuhl fallen und biss verdrossen in sein Croissant.

„Wenn jedoch, wie in Ihrem Fall, das geliebte Objekt abhanden gekommen ist, führt das zu Appetitlosigkeit, Unruhe bis hin zur Raserei. Kurz: zu Entzugserscheinungen. Da Sie genauso gut wie ich davon ausgehen, dass der Oxytocin-Spiegel bei unserem Chef im Moment recht niedrig ist, wäre die Antwort auf Ihre unverschämte Frage interessant gewesen. Aber meinen Sie nicht, dass Ihr Verhalten eindeutig unter die Gürtellinie ging?“ Der Graf setzte sich ihm gegenüber. „Ich sagte Ihnen doch: Nehmen Sie es nicht persönlich. Sie haben alles nur noch schlimmer gemacht!“

„Er hat alles schlimmer gemacht, nicht ich!“ Tobias schmiss das angebissene Croissant auf seinen Teller und schob ihn beiseite. „Er gönnt mir Beatrice nicht!“

Der Graf schaute ihn nachdenklich an. Seufzend kramte er aus der Hemdtasche seine Zigaretten und verzog sich auf den Balkon.

 

*

 

Gordon beugte seinen Oberkörper nach vorne, um tief durchatmen zu können. Der Schweiß brannte ihn in den Augen. Sein Herz drohte zu zerplatzen.

Es hatte ewig gedauert, bis er seinen durchtrainierten Körper so weit hatte, dass er kurz vor dem Zusammenbrechen war. Das hatte er gebraucht. Wenn nichts mehr ging und er nur noch an Luft denken konnte, war die Wut draußen. Nach dem Gespräch mit Tobias hatte er sich sofort die Sportschuhe angezogen und war losgerannt.

Jetzt war sein Kopf leer, und er schleppte sich die abgewetzte Holztreppe hoch in seine zwei winzigen Zimmer unter dem Dach, die er in Untermiete bewohnte.

Auf der Treppe begegnete er Naomi, der Vermieterin, die ihn mit ihren schwarzen Augen verschreckt anstarrte. Er zog den Bauch ein, drückte sich flach an die Wand und drehte den Kopf weg.

Ihre zierliche Gestalt huschte an ihm vorbei, peinlich darauf bedacht, seinen verschwitzten Körper nicht zu berühren. Sie hatte tief Luft geholt, bevor sie an ihm vorbeilief, um nicht einatmen zu müssen, was er ausatmete.

Seine Lungen waren noch zu sehr damit beschäftigt, Sauerstoff in den Körper zu pumpen, als dass es ihn emotional erreichte. Es war ihm egal. Für ein paar Stunden war ihm alles egal. Er wartete, bis Naomi verschwunden war, nahm die letzten Stufen und öffnete mit zitternden Händen die Tür.

Verschwitzt wie er war, schmiss er sich bäuchlings auf sein Bett. Brennender Durst quälte ihn, aber er rührte sich nicht. Stände er jetzt auf, ginge die Grübelei wieder von vorne los.

Als seine Kleider klamm am Körper klebten, rappelte er sich auf und riss sie sich vom Leib. Er legte sich in die Wanne und ließ sich mit warmem Wasser berieseln. Die Wut war weg; dafür machte sich drückender Frust breit.

Eigentlich hätte er Tobias und dem Grafen etwas Wichtiges mitzuteilen gehabt. Brown hatte ihn um sechs Uhr früh aus dem Schlaf gerissen und ihm am Telefon die Ohren heiß geredet, dass mit diesen Italienern etwas nicht stimmte. Aber er hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als Tobias zur Weißglut zu reizen.

Den Doktor hatte er auf dem Kieker. Er hätte ihm nie dieses bescheuerte Foto mit Maria-Stella unter seiner Bettdecke zeigen dürfen. Glühende Eisen auf der Haut hätten nicht schlimmer sein können als der Neid, der ihn fast zerrissen hätte. In dem Moment hatte er den Doktor gehasst. Er wollte ihn verletzten, damit er endlich den Selbsthass nicht mehr spürte. Das war unfair.

Wenn vor zwei Tagen nicht die Sache zwischen ihm und Naomi passiert wäre, hätte er lediglich einen anerkennenden Pfiff zwischen den Zähnen ausgestoßen, dass dem Doktor die Backen rot angelaufen wären. Er wäre vielleicht neidisch gewesen, hätte Tobias aber diese Frau gegönnt und ihn niemals vor den anderen bloßgestellt. Sascha hätte ihm eine scheuern sollen, vielleicht hätte ihn das zur Vernunft gebracht.

Vor zwei Tagen hatte es Naomi geschafft, das Übelste in ihm zu wecken, das in ihm schlief. Er hatte nicht geahnt, dass es diese dunkle Seite in ihm gab. Er war nichts anderes als ein Haufen Bullshit.

Tobias hatte diese dunkle Seite nicht. Stattdessen hatte er Grips.

Es war immer ein Fehler, Tobias zu reizen. Der Schuss, ging immer nach hinten los. Das hätte er wissen müssen. Der Mann kochte schnell über, haute einem aber mit seiner Schlagfertigkeit vor den Latz, dass die vergifteten Pfeile, die man auf ihn abgeschossen hatte, geradewegs zu einem zurückflogen.

Bei ihm hatten sie ins Schwarze getroffen. Und sie taten weh. Er wusste nicht, wohin mit seinen Gefühlen. Er hatte Angst vor ihnen, weil ein Haufen Bullshit nicht mit ihnen umgehen konnte. Das war ihm zu hoch.

 Er drehte die Dusche gnadenlos auf kalt. Es gab keine Möglichkeit, alles wieder einzurenken, das war nicht sein Ding. Naomi würde nie mehr mit ihm sprechen, sie ertrug weder seinen Körper, noch seinen Geruch, nicht einmal mehr seinen Atem in ihrer Nähe.

Ihm fehlten das Mundwerk und der Grips. Alles das, was Tobias hatte und er nicht. Was ihm passiert war, wäre Tobias nie passiert.

Jemand klopfte drängend an seine Tür. „Steven!“, rief Kim, Naomis Sohn. „Wir bleiben doch Freunde, oder nicht?“, fragte er mit krächzender Milchbartstimme. „Mach auf, Steven!“, flehte er.

Gordon erstarrte. Schuldbewusst drehte er die Dusche aus. Wasser perlte über seine gefühllos gewordene Haut. Langsam griff er sich ein Handtuch und wickelte sich darin ein. Dann ging er mit nassen Füßen zur Tür.

Unschlüssig blieb er stehen. „Verschwinde! Wir sprechen später darüber, verstanden?“

Der Junge verharrte noch eine Weile vor der Tür, dann zog er ab.

Er konnte nicht mal dem Jungen in die Augen sehen. Nicht mal das schaffte er.

 

*

 

Beatrice stieg in die letzte Straßenbahn, die heute Nacht fuhr. Sie hatte ein paar Tage bei Lena übernachtet, weil ihr Mann Thomas wieder einmal auf Dienstreise gewesen war. Heute Abend war er mit einiger Verspätung sicher gelandet. Lena war schier am Durchdrehen gewesen und hatte im Videotext die Ankünfte der Flüge in Frankfurt verfolgt.

Seit Lena ihr erstes Kind erwartete, ertrug sie es nicht, alleine zu sein. Sie stand Höllenängste aus, wenn Thomas aus geschäftlichen Gründen für zwei Wochen nach Südafrika fliegen musste. Das war, wenn man ein Kind im Bauch hatte, unvorstellbar weit weg.

Beatrice verstand das und hatte ihr vorgeschlagen, ein paar Tage bei ihr zu übernachten.

Lena war im sechsten Monat schwanger. Beatrice hatte ihre Hand auf den harten Bauch gelegt und geduldig gewartet, bis sie die zaghaften Bewegungen des Ungeborenen gespürt hatte. Tobias würde wohl nie ein Kind mit ihr haben wollen. Dafür war in seinem Leben kein Platz.

Sie drückte ihre Nase an die Scheibe und starrte in die Dunkelheit; eine Lampe an der Straßenbahndecke flackerte. Ein paar Autos rasten wie Geister die leeren Straßen entlang.

Sie betrachtete ihr Spiegelbild, starrte in die dunklen Augenhöhlen, und ein dumpfer Gedanke, der sie schon den ganzen Tag verfolgte, seit sie Lenas Bauch mit dem vorgewölbten Nabel berührt hatte, drängte sich wieder auf. Wann hatte sie eigentlich das letzte Mal ihre Periode gehabt? Sie schrieb sich so etwas nie auf, es kam und ging, wie es Lust und Laune hatte. Aber diesmal kam ihr der Abstand doch etwas lang vor. Schon seit heute Mittag grübelte sie darüber nach, fast hätte sie gegenüber Lena eine Bemerkung gemacht. Doch auf Lenas Mitleid hatte sie keine Lust.

Tobias war Lena suspekt. Ein Türke mit einem deutschen Namen, ein Weltenbummler, der ein warmes Bett für gewisse Stunden suchte. Lena stand nicht auf Kerle mit ungepflegten Haaren und Klamotten, die an allen erdenklichen Stellen praktische Taschen hatten, in denen sich tückischer Kleinkram versteckte. Seit Lena einmal Tobias’ Wäsche gewaschen hatte, weil seine Waschmaschine kaputt war und ein vergessener Draht in einer der vielen Taschen die Trommel geschrottet hatte, konnte Lena ihn nicht mehr ausstehen.

Beatrice schwor sich, das nächste Mal ein unauffälliges Kreuzchen in ihren Kalender zu malen (falls es ein nächstes Mal gab).

Es durchfuhr sie kalt, wenn sie daran dachte, dass an dem Abend, an dem er nach sechs Wochen aus der tiefsten Mongolei heimgekehrt war, sie ihm nicht mal Zeit gelassen hatte, sich in der Wanne einzuweichen. Sie hatte ihn wie eine Spinne in ihr Netz gezogen und aufgefressen. Er konnte nicht einmal mehr zappeln. Das Ganze erinnerte sie an Großmutters Geschichten von heimgekehrten Soldaten oder Matrosen, die in einer Nacht ein Kind zeugten. Angeblich löste die unerwartete Heimkehr durch die freigesetzten Glückshormone einen spontanen Eisprung aus.

Wieso sollte immer alles gleich knüppeldick kommen? Spontane Eisprünge gab es nicht. Sie rieb sich die erröteten Backen, auf einmal wurde ihr heiß. Wie reagierte Tobias, wenn sie tatsächlich schwanger wäre?

Eine extrem helle Leuchtreklame an einer Straßenkreuzung blendete sie. Es wird der Stress sein, dachte sie.

An der nächsten Haltestelle stieg sie aus. Undurchdringliche Ligusterhecken säumten den Weg wie eine dunkle Wand. Trotz der hellen Beleuchtung machten ihr die gähnend leeren Straßen Angst. Sie hatte es nicht mehr weit, trotzdem rannte sie das letzte Stück.

Lena hatte es gut. Sie war jetzt nicht allein. Was waren schon zwei Wochen Dienstreise? Schon nach einer Woche fing Lena an, sich zu fragen, ob es eine richtige Entscheidung gewesen war, Thomas zu heiraten. Spätestens dann ging ihr Lena auf die Nerven. Tobias war ständig weg. Doch davon wollte Lena nichts wissen. Schließlich habe Beatrice nicht vor, dieses türkische Windei zu heiraten, und bei ihrem tollen Beruf gebe es wohl nichts Dämlicheres, als Kinder in die Welt zu setzten.

Sie traute sich nicht zuzugeben, dass sie Lena beneidete. Lena war nicht einsam, das merkte sie nur nicht. Auf Beatrice wartete eine dunkle Wohnung. Abgestandene Luft würde ihr entgegenschlagen. Und in Tobias’ Wohnung gegenüber wäre es mucksmäuschenstill. Wenigstens war er jetzt nicht an irgendwelchen Stellen der Erde, von denen sie gar nicht wusste, dass es sie auf diesem Planeten gab. Er war in Neapel, praktisch um die Ecke.

Er hatte ihr diese entsetzlichen Fotos gezeigt, die ihn genauso verwirrt hatten wie sie. Das war eine poplige Fotomontage, was sonst? Bestimmt hatte ihm jemand aus seinem Team einen üblen Streich gespielt. In den nächsten paar Tagen würde er sie lachend anrufen und ihr erzählen, dass die gesuchte Person in Wirklichkeit ganz anders aussah.

Irgendwann würde sie bestimmt die Gelegenheit haben, Tobias‘ Team kennen zu lernen, dann nähme sie kein Blatt vor den Mund!

Andererseits gehörte Tobias nicht zu den Menschen, die sich leicht hinters Licht führen lassen. Was, wenn die gesucht Person genauso aussah wie sie? Wenn es keine Fälschung war, lebte in Neapel ein Double. Manchmal fragte sie sich, ob sie das nicht alles nur geträumt hatte.

Und Tobias? Sie hatte das ungute Gefühl, dass er ihr nicht glaubte.

 

Sie schleppte sich müde die Treppe hoch und schloss die Tür auf. Seit ein paar Tagen war sie ständig müde. Das lag daran, dass Lena unter Schlafstörungen litt, weshalb sie Beatrice halbe Nächte hindurch mit ihren Ängsten geplagt hatte.

Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, zerrte sie sich die Kleider vom Leib und warf sie achtlos über einen Stuhl. Sie zog ihr Schlafshirt unter dem Kopfkissen hervor, und kaum hatte sie es sich übergezogen, schmiss sie sich ins Bett.

Sie wollte das Licht ausknipsen, als ihr die korrigierten Chemie-Klausuren ihrer Schützlinge einfielen, die schon seit Tagen auf Tobias’ Schreibtisch vor sich hinstaubten. Sie hatte schon letzte Woche versprochen, sie mitzubringen.

Murrend quälte sie sich aus dem warmen Bett. Wenn sie vermeiden wollte, dass ihre Schüler sie unschuldig fragten, ob bei ihr zu Hause alles in Ordnung sei, blieb ihr nichts anderes übrig, als jetzt aufzustehen und die Klausuren jetzt sofort in ihre Tasche zu stecken. Seufzend schnappte sie sich Tobias’ Hausschlüssel und dachte noch im letzten Moment daran, ihren eigenen mitzunehmen. Das wär’s gewesen!

Im Treppenhaus zog es kühl um ihre Beine. Gott, sie stand ohne Hausschuhe und Morgenmantel hier draußen. Schnell drückte sie sich an Tobias’ Wohnungstür und öffnete sie so leise wie möglich. Hoffentlich gaffte die alte Schachtel nicht durch den Spion, sonst lag am nächsten Morgen wieder ein freundlicher Brief mit dem dezenten Hinweis vor ihrer Tür, intime Geräusche bitte nur in Zimmerlautstärke von sich zu geben.

Sie verzichtete auf Licht, das Mondlicht genügte ihr, den Weg zu Tobias’ Arbeitszimmer kannte sie im Schlaf. Drinnen roch es nach Gebratenem und Kaffee, das hätte sie stutzig machen sollen, aber in ihrem Zustand registrierte sie es nicht. Sie huschte in Richtung Arbeitszimmer und ahnte nicht, dass der Zweisitzer ausgezogen war.

Sie hatte nicht mehr die Zeit sich zu wundern, als sie stolperte und mit voller Wucht auf einen warmen Körper prallte. Doch der Körper gehörte nicht Tobias.

Entsetzt schrie sie auf.

Dem Grafen blieb schlagartig sie Luft weg. Ein stechender Schmerz drohte ihn zu zerreißen. Instinktiv rollte er sich zur Seite und versuchte die schreiende Frau, die ihn geschlagen hatte, festzuhalten. Er bekam die Handgelenke zu packen und schaffte es, die hysterische Person auf den Bauch zu zwingen und ihre Arme auf den Rücken zu drehen. Er kniete sich auf sie, damit sie ihn nicht trat.

Beatrice schrie gellend in das Kissen. Der Kerl hatte sie eingekeilt und konnte sie jetzt vergewaltigen.

Das Licht ging an. Entsetzt stellte sie fest, dass plötzlich ein weiterer Mann in Unterhosen im Wohnzimmer stand und dem anderen Kerl auf Französisch etwas zurief. Beatrice glaubte den Verstand zu verlieren, als sie in die dunkle Mündung einer Waffe blickte, die der Kerl in Unterhosen auf sie gerichtet hielt.

Erst als Tobias mit blassem Gesicht die Waffe sicherte, erkannte sie ihn.

„C’est toi, Beatrice?“, fragte er mit spitzer Stimme.

Er legte die Waffe beiseite und überschüttete sie mit einem vorwurfsvollen Schwall auf Französisch. Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Sie verstand kein Wort.

Der Mann neben ihr ließ sie sofort los und legte ihr beruhigend einem Arm um die Schultern. „Wir haben ein Kommunikationsproblem, Tobias!“, sagte er auf Deutsch. „Zur Abwechslung dürfen sie sich mal wieder in Ihrer Muttersprache mit uns unterhalten.“

Tobias hielt einen Moment inne. Er hatte offensichtlich gar nicht bemerkt, dass er die ganze Zeit Französisch gesprochen hatte.

„Wieso machst du kein Licht?“, fragte er wesentlich gefasster. „Herrgott, ich dachte du wärst ein Einbrecher!“

Beatrice lugte verlegen auf ihre nackten Beine, ihr Shirt war hoch gerutscht. Gott sei Dank hatte sie einen einigermaßen vernünftigen Slip an.

Der Mann neben ihr sah sie freundlich an. „Machen Sie sich keine Gedanken“, sagte er mit einem charmanten, französischen Akzent. „Sie sehen, wir alle sind nicht gerade stadtfein angezogen. Damit würde man selbst beim Gassigehen großes Aufsehen erregen“.

Tobias zog Beatrice hoch und drückte sie fest an sich. „Beschissenes Gefühl, eine Waffe auf dich zu richten, das kannst du mir glauben“, raunte er.

Der Mann lächelte sie aufmunternd an. „Darf ich mich vorstellen? Jean Louis Baptiste de Boulogne.“

Beatrice nahm die dargebotene Hand und schaute in das feingeschnittene Gesicht, das von einem zerzausten Lockenkopf umrahmt wurde. Sympathische Lachfältchen bildeten sich um seine braunen Augen, die an dunkle Bernsteine erinnerten. Absurd, dass sie vor einer Minute angenommen hatte, dass sie dieser Mann vergewaltigen wollte.

„Es tut mir leid, wenn ich Ihnen wehgetan habe“, sagte sie verlegen. „Normalerweise stolpere ich nachts nicht über Schlafende.

Er strich ihr über die geröteten Handgelenke, auf denen deutliche Druckspuren zu sehen waren. „Ich denke, wir sind quitt, Mademoiselle.“

Tobias schaute auf ihre nackten Füße. „Wieso schleichst du halbnackt um diese Uhrzeit in meiner Wohnung rum? Wo bist du die letzten zwei Tage gewesen?“

„Lena hat meinen Beistand gebraucht. Ich dachte du wärst in Neapel.“

Tobias lächelte erleichtert. Er rückte seine Brille zurecht und küsste Beatrice noch einmal auf die Wange. „Tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe.“

Beatrices Gesicht hellte sich auf. „Habt ihr eueren Auftrag in Neapel etwa schon erledigt?“ 

Er blickte sie lange mit seinen warmen Augen an. „Morgen, Beatrice. Jetzt ist nicht die Zeit dazu.“

Sie wollte etwas erwidern, aber er schaute sie so eindringlich an, dass ihr fröstelte.

Niemand aus dem Team hatte Tobias einen Streich gespielt. Es gab keine Fotomontage. Irgendwo in Neapel existierte eine andere Beatrice, die untergetaucht war und die von Tobias gesucht wurde.

Wortlos klemmte sie sich die Chemie-Klausuren unter den Arm und verschwand aus Tobias’ Wohnung.

 

*

 

Tobias lag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen neben dem Grafen und starrte an die hell erleuchtete Zimmerdecke. „Sie hat die Fotos verdrängt, Jean“, sagte er.

„Ich habe Kreuzschmerzen! Ich bitte Sie, gehen Sie schlafen. Sie sagten doch selbst, es wäre nicht die richtige Zeit.“ Der Graf hatte sich mühsam in seinem Schlafsack eingerollt und ächzend zu Seite gedreht.

Tobias blieb liegen. „Ich habe ein ungutes Gefühl. Wir sollten den Auftrag ablehnen.“

Der Graf drehte sich so gut er konnte zu ihm um. „Wir haben unterschrieben, mein Lieber! Mr Brown wird Sie fressen.“

„Der hält nicht seinen Kopf hin.“

„Die Nacht ist die Mutter der Gedanken, Tobias. Wir sollten schlafen!“

Tobias stand auf. „Beatrice ist nicht die Person in dem Video!“, sagte er fest.

Der Graf gähnte. „Warum sind Sie sich so sicher?“

Tobias antwortete nicht gleich. Eine Unruhe überfiel ihn. Nervös ging er auf und ab.

„Beatrice ist spontan und kann Gefühle nicht gut verstecken. Ich kann in ihrem Gesicht lesen, was sie fühlt. Sie ist es nicht!“

„Bitte setzen Sie sich! In diesem Zustand haben Sie mich schon immer nervös gemacht.“

„Gordon verlangt, dass Beatrice die Mondadoris trifft, weil er in seiner Naivität glaubt, alle würden sich in die Arme fallen.“

„Sie haben Angst um sie, habe ich Recht?“

Tobias hielt im Laufen inne und schaute den Grafen erstaunt an. „Haben Sie schon einmal überlegt, wer für ihre Sicherheit garantiert? Was sind die Mondadoris für Leute? Beatrice wird unterstellt, dass sie lügt, aber wer sagt uns, was es mit unseren Auftragsgeber auf sich hat?“

Der Graf zupfte sich am Kinn. „Reden Sie morgen mit Beatrice. Sie muss entscheiden, ob sie diese Leute sehen will.“

„Ich will nicht, dass die Mondadoris sie sehen. Da ist was faul. Wenn es keine Zwillinge sein können und Beatrice die Wahrheit spricht, muss was faul sein. Was wollen diese Leute von ihr?“

„Ich kenne Beatrice nicht, Tobias. Wenn Sie sich absolut sicher sind, dass sie nicht die Person in dem Video ist, müssen Sie mit dem Chef reden.“

Tobias zuckte hilflos mit den Schultern. „Das müssen Sie machen, Graf. Was ich sage wird ihn nicht interessieren.“

Der Graf richtete sich mit schmerverzerrtem Gesicht auf. Er schleppte sich gebeugt zu seinem Rucksack und kramte ein Röhrchen Tabletten heraus. „Ihre Beatrice hat mich arg zugerichtet. Diese Prellung wird mir ein paar Tage zu schaffen machen.“

Tobias half ihm auf das ausgezogene Sofa zurück. Er löste eine Schmerztablette im Wasser auf und reichte ihm das Glas. „Wir sollten den Auftrag widerrufen, Jean, überlegen Sie es sich.“

„Ich überlege mir jetzt vor allem eins: zu schlafen! Noch ein Wort und Sie werden mich von einer anderen Seite kennen lernen, mein Lieber. Bitte: Machen Sie endlich das Licht aus!“

Tobias hob abwehrend die Hände und zog sich in sein Schlafzimmer zurück.

Er wusste nicht, welcher Teufel ihn ritt, als er um drei Uhr morgens Gordons Nummer wählte. Härtnäckig ließ er es tuten, bis er nach einigen Minuten ein wütendes Knacken hörte und sich die Mailbox mit der global sympathischen Frauenstimme meldete. Tobias schaltete sein Handy aus und legte es unter sein Kopfkissen.

 

*

 

Beatrice kauerte mit eng umschlungenen Knien auf ihrem Sofa im Wohnzimmer. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ihr war, als hätte sie ein eisiger Atem schockgefroren. Bei der geringsten Bewegung würde sie zersplittern.

In der ganzen Wohnung brannte Licht. Selbst im Bad und in der Küche. Sogar in der verschlossen Abstellkammer. Das tat sie immer, wenn die Welt mit ihr in ein tiefes Loch fiel. Dann fürchtete sie sich wie ein kleines Kind vor der Dunkelheit. Im Dunkeln lauerte etwas, was sie nicht sehen konnte und seine Hand nach ihr ausstreckte.

Wie damals, als ihre Eltern ihr an ihrem 18. Geburtstag mit blassen Gesichtern ein Geheimnis erzählten. Seitdem gab es ein schwarzes Loch, das die Welt zerstörte.

Sie war mit Fäusten auf Heide und Jakob losgegangen. Jakob hatte halbherzig ihre Schläge abgewehrt, sich geduckt wie ein Hund mit eingezogenem Schwanz. Als sie sich in ihrem Zimmer eingeschlossen und sich nach Stunden immer noch nicht gerührt hatte, setzte er sich vor die Tür und begann zu reden. Er erzählte ihr, dass sie ein Recht darauf gehabt habe, es von ihnen zu erfahren, weil Heide und Jakob sie liebten.

Ihre Füße waren kalt, aber das störte sie nicht. Ihr Herz hämmerte wild, sie spürte es in jeder Faser ihres Körpers. Wenn Heide und Jakob jetzt bei ihr wären, hätten sie sie liebevoll in den Arm genommen. Die Vergangenheit, die ihr genommen worden war, holte sie jetzt ein. Ausgerechnet Tobias, der nichts ahnte, hatte die schlafenden Geister geweckt.

Beatrice ahnte, wer diese Leute waren und sie musste sie unbedingt sehen. Sie wollte wissen, was sie dann spürte. Doch davon würde sie niemandem etwas sagen, nicht einmal Tobias. Die Gefahr, dass ihre heile Welt wie ein Kartenhaus zusammenbrach, war zu groß.

 

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Susa
Ich bin 1968 in Freiburg im Brsg. geboren, habe Biologie studiert und lebe derzeit in Süddeutschland. Geschrieben habe ich eigentlich schon immer, weshalb es mir nichts ausmacht, abends allein zu sein.

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UteSchuster wie schön - liebe Susa, daß du deine Schublade geleert hast.
Spannend und sehr bildhaft erzählt.

Liebe Grüße Ute
Vor langer Zeit - Antworten
Susa Re: Haus der Hunde -
Zitat: (Original von Phantasus am 19.12.2008 - 19:56 Uhr) Verzeih Susa, ich habe erst nicht gesehen, dass ein Textauszug folgt. Ich finde ihn stilistisch gelungen ***** LG Phantasus


Es freut mich immer zu hören, dass meine Texte gut ankommen. Haus der Hunde lag lange Zeit in meiner Schublade, bis ich es zu schade fand. Ich habe den Text ordentlich aufgemöbelt und ihn dann beim tredition-Verlag veröffentlicht. Dazu gehörte Mut, denn jetzt muss ich Wind machen. Bis jetzt hat mich noch keiner krumm angeguckt. Ich glaube, den Leuten gefällt es. Falls Interesse besteht, veröffentliche ich hier gerne noch weitere Kaptitel.

Liebe Grüße
Susa
Vor langer Zeit - Antworten
Phantasus Haus der Hunde - Verzeih Susa, ich habe erst nicht gesehen, dass ein Textauszug folgt. Ich finde ihn stilistisch gelungen ***** LG Phantasus
Vor langer Zeit - Antworten
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