Kurzgeschichte
Zugeparkt

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"Autos nehmen Fußgängern den Fußweg weg. Doch der Tag der Rache ist gekommen."
Veröffentlicht am 30. Oktober 2015, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: vic&dd - Fotolia.com
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Autos nehmen Fußgängern den Fußweg weg. Doch der Tag der Rache ist gekommen.

Zugeparkt

Titel

Er konnte etwas, was einige nicht konnten; lesen, während er lief. Dabei rannte er nie gegen einen Baum. Rempelte nicht mit entgegenkommenden Personen zusammen. Auch Pfützen wich er stets aus. Seine Augen verfolgten die geschrieben Buchstaben und Worte. Im Geiste spielte sich das Gelesene ab. Dennoch bemerkte er, wenn etwas im Wege war. Es waren nur noch ein paar Meter, bis zu seinem Haus und seiner Wohnung. Nur noch einmal um die Ecke...Da blieb er mit dem Ärmel hängen. Ohne aufzuschauen, zog er kräftig und...Dem

Klang nach zu urteilen war es nicht sein Ärmel, der gerissen war. Irgendwas anderes ging gerade zu Bruch. Nun schaute er doch auf und sah, das er einen Außenspiegel beschädigt hatte. Ihm packte die Wut. Eine ganze Reihe Autos standen auf seinem Fußweg. Für ihn und all die anderen Passanten blieben nur ein paar wenige Zentimeter zwischen Hausmauer und Auto. Vor Wut schlug er noch einmal gegen den Außenspiegel. In dem Moment kam der Besitzer des Kraftwagens. Jener schrie und kam auf ihn zugerast. Doch so leicht war es nicht gewesen, den Burschen zu fassen. Denn die PKWs parkten dicht an dicht. Es gab kaum ein

durchkommen. „Siehst das Problem? Das hab ich hier auch. Sieh dir meinen Ärmel an. An deiner scheiß Karre hab ich mir den kaputt gemacht. Schon gewusst, das dies hier ein Fußweg ist und kein Parkplatz? Nee, hè. Scheiße wenn man blond ist...“, brüllte er und trat dabei an den Wagen. Der Besitzer hatte es es geschafft, einen Weg zu ihm zu finden. Hätte er die Augen richtig aufgemacht, wäre er eher bei ihm gewesen. Denn hinter ihm parkte niemand mehr. Doch das hatte er erst sehr spät mitbekommen. Der Bursche machte keine Anstalten zu fliehen. Er war so in Rage, weil sein

Fußweg wieder einmal fast unpassierbar war, das er noch gar nicht nach Hause gehen konnte. Zuvor musste er sich abreagieren. Sein Zorn war immens und der eine Typ war einer von denen, weswegen er regelmäßig seine Jacke ruinierte. Auf der anderen Straßenseite konnte er auch nicht gehen. Wie sollte er auf seine Seite kommen? Die parkten ja alle so dicht aneinander, das er sich fragte, wie sie es schafften, aus den Parklücken wieder herauszukommen. „Gucke hier. Aufgescheuert. Dank euch Vollprolls...“ Ein heftiger Wortwechsel war im Gange. Beleidigung traf auf Beleidigung. Plötzlich holte der Besitzer aus. Doch

der Bursche sah, was auf ihn zukam und wich gekonnt aus. Als Echo bekam jener einen gewaltigen Tritt zwischen seine Beine, so kräftig, das ihm die Luft wegblieb und er sich vor Schmerz krümmte. Irgendwo rief jemand die Polizei, während der Bursche zusah, wie der Besitzer sich vor Schmerz wand. Er hatte gute Lust noch einmal zu zutreten. Aber er wusste, wann er aufzuhören hatte. Genau dann, wenn der Gegner am Boden lag. Auch wenn er sich noch nicht ausgelassen hatte, wollte er fair spielen. Und dann kam auch schon der Streifenwagen um die Ecke. Wenige

Minuten später kam das Ordnungsamt dazu. Es wurden Strafzettel ausgestellt und Anzeigen aufgenommen. „Wissen sie, was das Traurige ist?“, fragte der Bursche den Beamten. „Was denn?“ „Morgen wird dieser Fußweg wieder voll mit Autos sein. Es ist äußerst selten, das da mal kein Auto draufsteht. Manche sind so dreist und stehen mit allen vier Rädern drauf, das man nicht daran vorbeikommt. Und wenn dann mal keiner dieser Dinger dasteht, sieht man die Misere. Der Fußweg ist völlig kaputt. Tiefe Löcher. Er ist nun mal nicht dafür gedacht, das man tonnenschweres Gefährt darauf

abstellt.“ Er behielt recht. Doch er unternahm nichts mehr dagegen. Seine letzte Tat kam ihm teuer zu stehen. Trotz allem musste er für die Reparatur des Wagens aufkommen. Und da er nicht versichert war, zahlte er den vollen Preis. Eines Nachts wachte er von Lärm und hellen Lichtern auf. Verschlafen schaute er aus dem Fenster und konnte nicht glauben, was er da sah. Brennend Autos. Sie standen alle mitten auf der Straße fackelten ab. Wer das wohl gewesen sein mag, fragte er sich. „Mindestens zwanzig Leute müssen das gewesen sein. Vor – drei Stunden besetzten sie alle noch meinen Fußweg.

In der Zeit können zwei Leute nicht über zehn Autos auf die Straße schieben und anzünden. Es muss eine ganze Bande sein.“, sagte er zu sich selbst und freute sich. Die Frage war nicht, wer es gewesen war, sondern ob es den Besitzern eine Lehre ist. Ob sie in Zukunft mehr darauf achten würden, wo sie parkten. Um die Ecke waren einige Plätze frei und es gab da kein Parkverbot. Vielleicht würden sie sich jetzt dort hinstellen und einen Schritt mehr laufen. Mit viel Glück, würde eines Tages auch der ramponierte Fußweg wieder begradigt und begehbar gemacht werden. Damit man auch wieder mit

einem Kinderwagen den Weg entlanggehen kann. „Und vielleicht lernt der eine oder andere daraus, das man nicht einfach überall parken kann, wie es einem am Besten passt. Gegenseitige Rücksichtnahme!“

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IDee2000 Sehr schön und packend geschrieben. LG IDee
Vor langer Zeit - Antworten
Ameise Deine Worte in Gottes Ohr, aber ich glaube durch den ganzen Verkehrslärm hört er nichts mehr. LG Ameise
Vor langer Zeit - Antworten
Ameise Deine Worte in Gottes Ohr, aber ich glaube durch den ganzen Verkehrslärm hört er nichts mehr. LG Ameise
Vor langer Zeit - Antworten
RiaVa Gut geschrieben :) LG Ria
Vor langer Zeit - Antworten
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