Krimis & Thriller
Der Zahlenmörder

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"Der Zahlenmörder"
Veröffentlicht am 20. Juni 2009, 42 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Der Zahlenmörder

Der Zahlenmörder

Beschreibung

Alexia Coldman ermittelt mit ihrem Kollegen Steve McKinney in dem Fall des "Zahlenmörders". Er bringt Frauen um und ritzt ihnen die Opferzahl in eines ihrer Gliedmaßen. Alexia glaubt, dass er mordet, weil er Spaß daran hat, doch in Wirklichkeit steckt viel mehr dahinter. Letztendlich sieht Alexia sich und ihre Familie selbst in Gefahr Opfer des Serienmörders zu werden. Wird sie herausfinden, was das eigentliche Ziel und der wirkliche Grund der Morde des Zahlenmörders ist? Wird sie ihre Familie retten können?

Prolog & Kapitel

Der Zahlenmörder  

Prolog
 
Die Angst ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und ein Gefühl, was jeder von uns kennt. Sie kann einen hilfreich sein, indem sie verhindert, dass wir falsche oder dämliche Dinge verrichten und hilft uns sogar dabei, uns selber so das Leben zu retten. Aber oft steht sie uns auch im Wege. Lässt uns schwach erscheinen. Manchmal auch hilflos. Häufig geht sie uns auf die Nerven und zerstört unser Selbstbewusstsein. Mit alldem hat Kathi Connery nicht viel am Hut. Sie ist eine selbstbewusste Frau und hatte bisher in ihrem Dasein nur wenige Augenblicke der Angst verspürt. Spinnen hatte sie früher hilfreich gefunden, Blutegel lustig und Horrorfilme unglaublich cool. Sie hatte immer nur dann Angst, wenn sie vor wichtigen Entscheidungen stand, die ihr Leben beeinflussen würden. Doch das hatte sich schlagartig geändert, als Kathi mit ihrer Schwester das erste Mal ihm gegenüber stand. Der erste Moment, indem ihre Angst sie und ihren Körper mehr beeinflusst hatte, als ihr Wille es wollte. Dieses Gefühl steuerte sie und so rannte Kathi vor diesen Killer weg. Panisch bahnte sie sich ihren Weg zwischen Bäumen und Gestrüpp hindurch. Bald hatte sie es geschafft – hoffte sie inständig. Dann wäre sie endlich aus diesem Wald heraus, mit dem sie nur schreckliche Erinnerungen verband. Erinnerungen an die Augenblicke, die sie vor Stunden erlebt hatte und die nun in ihrem Kopf, wie plagende Bilder umher schwirrten und sie fast verrückt machten. Ein wirklich realer Horrorfilm, indem ihre Schwester und sie die Rolle der Hautpersonen übernommen haben.   

Kapitel I 

Kathi drehte den Schlüssel im Schloss um und wartete auf das klickende Geräusch des Schießmachanismuss, damit sie eintreten konnte. Sie öffnete die Tür und betrat den Flur der WG. Es war gerade erst sieben Uhr morgens und wahrscheinlich schlief ihre Schwester noch. Kathi musste immer sehr früh aufstehen, da sie morgens immer die Zeitung austrug, um neben dem Studium noch ein bisschen Geld zu verdienen. Sie studierte Musik und Kunst und war mit ihren dreiundzwanzig Jahren auch schon bald damit fertig. Ihr größter Wunsch war es, Musik und Kunstlehrerin an einer Realschule zu werden. Sie selber war damals auch auf einer Realschule gewesen und hatte sich oft darüber geärgert, dass diese Lehrer erst in der zehnten Klasse damit anfingen, den Schüler auch Noten und Klassische Musik nahe zu bringen. Das wollte sie besser machen. Außerdem war der Job sicher und selbst wenn sie eine Babypause später machen würde, müsste die Schule Kathi wieder einstellen. Als Beamter verdient man zudem auch nicht allzu wenig Geld. Eine gesicherte Zukunft. Das war es was sie wollte. Und den Wunsch konnte sie sich mit dem Job erfüllen.Kathi hängte den Schlüssel an das Schlüsselbrett und zog ihre Jacke aus. Sie beschloss zu frühstücken, da sie es nicht mehr vor dem Zeitungsaustragen geschafft hatte und sie der Hunger jetzt quälte. Als sie sich gerade ein Toastbrot machte, hörte sie das Knarren einer Tür.Als sie sich umwandte sah sie, wie Sandra in Morgenmantel schlaf betrunken aus ihrem Zimmer schlurfte. „Guten Morgen!“ Begrüßte Sie Sandra mit einem Lächeln. Diese gab ein unverständliches Murmeln als Antwort zustande und gähnte gleich darauf herzhaft. Sie trat zu Kathi an den Tisch und setzte sich. Ihre schwarzen Haare waren noch völlig versaust, von ihrer Liegestellung im Bett und standen in alle Himmelsrichtungen ab. Kathi konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Doch irgendwie schien es Kathi, dass Sandra innerlich frustriert war. Das konnte sie durch ihre geschwisterliche Verbindung spüren. „Ist mit dir und Alex im Moment denn alles in Ordnung?“, fragte sie ihre kleine Schwester vorsichtig. Sandra gab ein trauriges Seufzen von sich. „Frag lieber nicht!“, antwortete leicht genervt. „So schlimm?“ Kathi hatte sich inzwischen aufgerichtet und schaute ihr nun besorgt in die smaragdgrünen Augen. Sandra nickte. Der Blick nach unten gerichtet. In Kathi machte sich Wut breit. Oft hatte Sandra schon wegen Alex Probleme gehabt und wegen ihm schon Tage lang im Bett gelegen und sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert. Er bereitete ihr nur Kummer. So ein selbstsicherer Typ hatte einfach nicht so eine zielstrebige, aufgeschlossene und liebevolle Frau verdient. Sandra hoffte auf die ganz große Liebe im Leben und war schon oft mit dem Versuch den Richtigen zu finden in Fallen getreten. Nur Pech hatte sie bisher gehabt. Ja man könnte sagen, sie habe mit zwanzig Jahren noch Zeit, aber gerade für sie war es wichtig, sehr bald den Mann fürs Leben zu finden. Kathi versuchte ihre Wut auf Alex etwas zu zügeln, damit sie Sandras Laune nicht noch mehr runter ziehen würde, als sie sowie so schon war.Sie nippte an ihrem Kaffee. „Also, worüber habt ihr euch gestritten? Du weißt, Sandra, du kannst mit mir über alles reden. Und nur wenn du mir deine Probleme erzählst, kann ich dir helfen." Sandra schaute traurig aus dem Küchenfenster. „Ja ich weiß... es ist mir nur etwas unangenehm...“ „Los komm schon Sandra. Schieß los!" Wider seufzte ihre Schwester. „Also, gut! Alex will ständig Sex. Immer, wenn wir mal zu Hause sind und was unternehmen könnten, geht er an mich ran. Ich kann nicht mehr... für mich ist der Sex mit ihm schön, aber er sollte auch etwas bedeuten und ich habe das Gefühl, dass ihm das total egal ist. Und wenn ich mal nicht will, weil ich kaputt bin oder einfach keine Lust habe, wirft er mir vor, dass ich ihn nicht mehr lieben würde. Ich weiß einfach nicht mehr weiter." Kathi hatte dabei aufmerksam zugehört und ihr war es schwer gefallen die Wut zu unterdrücken, die sie bei ihrer Problemerläuterung deutlich gespürt hatte. Sie wäre am liebsten aufgesprungen und hätte Alex erst einmal schlecht gemacht, beschimpft und sich über ihn auslassen, doch das würde Sandra jetzt auch nicht weiterhelfen. Vermutlich sogar noch alles schlimmer machen. Also nahm sie Sandra in den Arm und tröstete sie. Am besten wäre es, wenn sie Sandra etwas von ihren Problemen ablenken könnte. Nach kurzem Überlegen viel Kathi das kleine Holzhaus im Wald, welches  ihrer Tante gehörte ein. Ein Wochenende zu Zweit. Ohne jegliche Zivilisation und ohne Männer. Das war perfekt geeignet, um von dem alltäglichen Problem und Belastungen etwas runter zu kommen. Kathi räusperte sich. „Sandra du brauchst unbedingt Ablenkung!“Verwirrt schaute diese mit einem fragenden Blick auf. „Was denn für Ablenkung!“ „Na ja, um von dieser ganzen Scheiße hier mal los zu kommen. Höre mal, ich dachte mir, wir könnten vielleicht mal für dieses Wochenende in das Haus von Tante Marisa in den Wald und es uns da schön machen. Nur wir beide. Was hältst du davon?" „Hm.... gut. Aber ich muss Alex vorher noch bescheid sagen, damit er sich keine Sorgen macht!" Kathi nickte darauf hin verständlich. Bei Sandra würde es auffallen, wenn sie mal weg sein würde. Doch bei ihr? Bei ihr gab es keinen Mann, der sie vermissen könnte. Sie hatte keinen Freund mehr gehabt, seitdem ihr Verlobter vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.Die Ärzte hatten ihr damals gesagt, er sei noch am Unfallort gestorben, was Kathi ziemlich verletzt hatte. Sie hätte ihm gern noch ein letztes Mal „Ich liebe dich“ gesagt. Und obwohl Kathi nicht dort gewesen war, sah sie jede Nacht ihn vor sich im Auto sitzen. Wie er im Sterben lag und nach ihr rief. Wie er ihren Namen flüsterte. Ganz leise. Kathi schaute verstört und hypnotisiert zugleich ins Leere. Plötzlich, unterbrach Sandras Stimme ihre Gedanken. „Wie es aussieht brauchst du aber auch Ablenkung!“ Kathi schreckte hoch. „Was? Was hast du gesagt?" Lächelnd wiederholte Sandra ihren Satz. Dieses Mal etwas lauter und deutlicher.„Wie es aussieht brauchst du aber auch Ablenkung!“„Ach so, ja kann sein.“In zwei Tagen würde es losgehen - ging es Kathi durch den Kopf. Sie erhob sich vom Küchenstuhl und schaltete das Radio an. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage waren leichte Schauer, sonst bewölkt. Von einem bisschen Regen wollte sie sich nicht abschrecken lassen. Schließlich war man ja nicht aus Zucker. Am Freitagabend ging es los. Die Fahrt würde circa eine und ne halbe Stunde dauern. Eigentlich ja nicht so viel, das sie hätten am Freitag fahren müssen, doch Kathi wollte nicht einen Tag ihrer freien Zeit verplempern. Das Gepäck hatte sie bereits in ihrem Auto, einem schwarzen Golf, verstaut. Den Schlüssel zum Holzhaus hatten sie sich am vorigen Tag schon von ihrer Tante besorgt.   Draußen war es recht stürmisch. Windböen fegten über die Straßen hinweg und nahmen peitschenden Regen mit sich. Die Scheibenwischer des VWs liefen auf Hochtouren. Der Wind zerrte so heftig am Auto, dass Kathi gegen steuern musste. Sandra saß mit mürrischer Miene auf dem Beifahrersitz. Die Arme vor der Brust verschränkt. „Na, da haben wir uns ja ein tolles Wetter ausgesucht! Wir können froh sein, wenn uns dort das Holzhaus nicht um die Ohren fliegt." Kathi lenkte das Auto stumm weiter durch das beschwerliche Wetter. Sie wusste, dass das echt beschissene Bedingungen waren, einen Kurzurlaub im Wald zu machen. Doch es zugeben vor ihrer kleinen Schwester, das dass eine dumme Idee war trotzdem los zufahren? Niemals! Der Regen hatte sich inzwischen in vernichtenden Hagel verwandelt, der sich nach kurzer Zeit wie ein weißer Teppich auf die Straße gelegt hatte. Doch so schnell der Hagel kam, verschwand er auch schon wieder. Es nieselte nur noch leicht. Die Scheiben -Wischer konnten wieder auf niedriger Stufe laufen. Der Wind war allerdings heftiger geworden als zuvor und nahm einige Äste mit sich, denen Kathi geschickt ausweichen musste. Als sie in den Wald kamen, konnten sie schon einige Verwüstungen sehen, die der Sturm bereits verrichtet hatte. Wieder meldete sich Sandras Stimme. Doch dieses Mal schwebte ein Hauch von Dankbarkeit mit. „Gott seien Dank saßen wir die ganze Zeit im Auto und waren nicht draußen. Aber ich glaube, es wäre mir so wie so zu ungemütlich gewesen.“Auf einmal schlug ein riesiger Baumstamm vor ihrem Auto auf der Straße auf. Erschrockene Schreie drangen aus den Kehlen der beiden Frauen und die große Schwester hatte instinktiv sofort aus dem Bremspedal getreten. Eine Sekunde später und sie läge jetzt unter diesem Ungetüm begraben. Eine Weile saßen sie erstarrt  mit weit aufgerissenen Augen auf ihren Plätzen und starrten die große Tanne an, die nun den Weg vor dem Auto blockierte.Kathi pustete sich erleichtert eine braune Harrsträhne aus ihrem Gesicht. „Heilige Scheiße! Das ist aber gerade noch mal gut gegangen!" Sandra brachte nur ein hektisches Nicken zu Stande. Kathi hatte aufgehört zu zittern und löste nun ihren Anschnallgurt. Sie krabbelte zur Rückbank und kramte aus ihrer Handtasche ihr Handy heraus. „Was hast du denn vor?“, fragte Sandra etwas verwundert. „Na was wohl! Die Feuerwehr anrufen. Schließlich erhebt sich der Baum ja nicht einfach von alleine und räumt die Straße! Ach, scheiße! Ich habe keinen Empfang!" Sandra lehnte sich genervt zurück. „Na toll! Und was hat die superschlaue Schwester jetzt für eine Idee?" „Wir gehen zur nächsten Hauptstraße und versuchen es dort noch einmal! Und die nächste Hauptstraße befindet sich...“ Sie holte aus dem Handschuhfach den Autoatlas und suchte ihren Standpunkt.  „...auf der anderen Seite des Waldes!“ „Willst du da jetzt etwa hingehen? Bei dem Wetter?“ Kathi schaute aus dem Fenster. „Wie so? Es ist nur noch windig. Der Regen hat aufgehört!“ Sie stieg aus dem Auto und lief zum Kofferraum. „Gut, das wir die Gummistiefel mitgenommen haben, sonst müssten wir mit unseren Pumps durch den Matsch latschen.“ Sandra stieg ebenfalls aus dem Wagen und setzte sich neben Kathi auf die Kante vom Kofferraum. Kathi hatte die Gummistiefel schon aus der Tasche genommen und sich bereits einen Stiefel angezogen. Auch Sandra zwängte sich nun in die wetterfesten Schuhe. Nachdem sie sich die Schuhe angezogen hatten, stapften sie los. Der Wind zog eisig durch die schief stehenden Bäume hindurch. Kam durch alle Löcher und Öffnungen ihrer Kleidung. Kathi zog den Reißverschluss ihres Mantels bis zum Kinn hoch und vergrub ihre Hände in den Jackentaschen. Sie fror. Angewidert schlurfte Sandra ihrer Schwester hinter her. Sie verzog bei jedem Schritt, bei dem ihre Schuhe sich im aufgeweichten Waldboden vergruben, das Gesicht. Abgesehen vom Rauschen des Windes herrschte eine eiserne Stille im Wald. Ja. Fast schon bedrängend. Plötzlich ein Schrei, der die Stille zeriss. Der Schrei einer jungen Frau. Angstverzerrt und kläglich. Nach mehreren Sekunden wieder ein Schrei. Doch nach kurzer Zeit erstarb dieser abrupt. Sandra rannte sofort in die Richtung, aus der sie die Schreie vermutete. Kathi folgte ihr. Nach mehreren Atemzügen hatte Kathi ihre Schwester eingeholt, die jedoch schlagartig stehen geblieben war. Beide waren auf einer Lichtung angekommen. Die sonnenbeschienende Erde auf der Lichtung hatte sich dunkelrot gefärbt. Mitten in einer riesigen Blutlache lag eine zusammen gekrümmte Frau. Ihre Fingernägel bohrten sich in die Erde. Sie versuchte mit letzten Kräften davon zu kriechen. Auf ihrem Gesicht zeichnete sich pure Verzweiflung ab. Mehrere Einstiche zierten ihre Brust. Kathi wurde übel, als sie das viele Blut erblickte.Ihre Beine wurden plötzlich weich und sie hatte Mühe aufrecht stehen zu bleiben. Die Frau sah zu ihnen auf. Versuchte sie vor dem zu warnen, wo sie glaubte es würde gleich wieder geschehen. „Lauft weg. verschwindet hier.“ Sie hustete und verzog das Gesicht vor Schmerzen. „Bitte. Hier läuft ein Mörder rum und er ...tötet alles und jeden...dem er begegnet...“Die Worte kamen nur noch verzerrt aus ihrem Mund. Für jedes einzelne Wort brauchte sie viel Kraft und Willen. Sie versuchte es nochmals einige Sätze heraus zu bekommen. „Er wird auch euch... töten, wenn ihr nicht flieht... “ nun quollen Tränen aus ihren braunen Augen und sie pumpte die letzten Male Luft in ihre Lungen. Dann sackte sie tot in sich zusammen. Die Augen starrten sie noch immer an. Tote Augen. Auf einmal erklang eine raue Männerstimme hinter ihnen, welche Kathi eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Beide hatten sich so erschrocken, dass sie kurz aufschrien. „Sie hat vollkommen recht, doch leider ist es für euch schon zu spät. Es ist doch immer wieder schön Menschen beim Sterben zu zusehen. Und zu sehen, wie sie um ihr Leben betteln.“ Der Mann stand hinter Sandra und drückte ihr unerwartet und blitzschnell ein Messer an die Kehle. Kathi wich automatisch zurück und der Blick des Mannes richtete sich schlagartig auf sie. Seine Augen waren kalt und völlig emotionslos. Sie ließen Kathi das Blut in den Adern gefrieren. Sie spürte, wie die Angst sie fesselte und Jeden ihrer Muskel bewegungsunfähig machte. Im nächsten Moment war es dann passiert. Das, was ihr als Bild noch lange in Erinnerung bleiben würde. Ja, sogar ein Leben lang. Der Killer hatte ihrer allgeliebten Schwester mit einem Ruck die Kehle durchgeschlitzt. Sandra gab einen gurgelnden und erstickenden Laut von sich, als sie in sich zusammenbrach. Kathi fiel erschrocken auf die Knie. „Neeiin! Nein....“ Kathi hielt ihre Kehle umklammert und rang nach Luft.  Die Angst hatte ihre Kehle zugeschnürt, als sie gesehen hatte, wie aus der Kehle ihrer Schwester das Blut gequollen war und Sandra das Leben gekostet hatte.  Für Kathi war eine Welt zusammen gebrochen. Eine Welt, welche ohne Sandra nur noch halb so viel wert war. Sie hatte ihrer Schwester in die erstarrenden Augen schauen müssen, als Diese ihr Leben vollkommen ausgehauchte. Tränen sammelten sich in ihren Augen und versperrten ihr nach kurzer Zeit die Sicht. Nun saß sie da auf den Knien zu ihrer Schwester, schrie und weinte erbitterte Tränen. Der Mann lachte nur. Ein hässliches Lachen. Das Lachen eines Mörders. Wimmernd stolperte sie nach hinten, als sie sah, dass sich der Killer mit dem blutverschmierten Messer auf sie zu bewegte. Immer noch lachend. „Och, habe ich dich verletzt? Das tut mir aber leid!" Die Wut übernahm nun die Kontrolle über Kathis Verstand. „Sie Schwein! Sie Mörder! Warum haben sie das getan, sie Arschloch! Ich hoffe, das man sie irgendwann erwischt und ihnen die Gedärme rausreißt!“Sie hörte jedoch sofort auf ihn zu beschimpfen, als Er sein Tempo beschleunigte und seine Augen sie durchbohrten. Nachdem sie endlich wieder einen vernünftigen Gedanken fassen konnte, drehte sie sich um und lief davon. Weg von dem Ort des Grauens. Weg von dem Mörder. Weg vom Tod.  Nun rannte sie immer noch. Und noch immer hörte sie die Schritte des Killers hinter sich auf dem Waldboden. Die Flucht nahm kein Ende. Irgendwo müsste doch hier die verfluchte Hauptstraße sein, dachte Kathi verzweifelt. Nach weiteren panischen Atemzügen schimmerte Licht zwischen den schief stehenden Bäumen des Waldes hindurch. Das Licht einer Straßenlaterne. Hoffnung flammte in ihr auf. Sie zwang sich dazu weiter zu laufen und beschleunigte ihre Schritte noch einmal mit letzter Kraft. Keuchend kam sie an einer, mit Straßenlaternen beleuchteten, Straße an, an der mit größerem Abstand wenige Häuser standen. In einem der Häuser gab es bestimmt ein Telefon oder vielleicht sogar Jemanden, der ihr helfen konnte. Kathi rannte auf Eines zu. „Verdammt“, fluchte sie, dem Tränen nahe, als sie bemerkte, dass in dem Haus, vor dem sie nun stand, keiner war, der ihr möglicherweise hätte helfen können. Doch was blieb ihr anderes übrig? Sie musste darein! Dort gab es bestimmt Messer in der Küche und ein Telfon auch. Ohne zu überlegen nahm Kathi Anlauf und warf sich mit aller Kraft gegen die Holztür. WUMM. Die Tür krachte ein. Fieberhaft rappelte sich Kathi auf und stolperte in die Küche, wo sie nach einem Messer suchte, denn Zeit, die Polizei noch anzurufen, hatte sie sicherlich nicht mehr. Nach hastigem Durchwühlen der Schubladen fand Kathi ein Fleischmesser, bewaffnete sich damit und hastete die Treppen hinauf, um auf den Mistkerl zu lauern. Dieser war bereits auch ins Haus eingetreten. Kathi hörte seine schweren Schritte, die die alten Dielen des Flures zum Knarren brachten. Sie hatte sich im Kinderzimmer des Hauses unter dem Bett versteckt.  Hielt das scharfe Messer so fest umklammert, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Die Schritte verstummten. Wahrscheinlich hatte er die Küche betreten und sah gerade das Chaos, was sie, durch das Suchen nach einem Messer, angerichtet hatte. Hoffentlich fand er nichts von ihrem Vorhaben heraus. Denn dann hatte sie nur eine geringe Überlebenschance. Wieder erklangen die schweren Schritte. Sie bewegten sich die Treppe hinauf. Ganz langsam, als ob der Mörder wusste, dass sie nicht entkommen konnte. Ihr war klar, dass er alles daran setzen würde sie zu finden, schließlich war sie Zeugin eines Doppelmordes durch diesen Mann geworden, und wusste nun genau wie er aussah. Ihr war klar, dass er nicht aufgeben würde, bis sie tot zu seinen Füßen lag. Je näher die Schritte kamen, desto heftiger hämmerte das Herz in ihrer Brust. Ihre Hände zitterten und Schweizperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Wachsam starrte sie zum Türschlitz, durch dem Licht ins dämmerige Zimmer fiel. Plötzlich erschien ein Schatten auf der anderen Seite des Türschlitzes. Ihre Augen weiteten sich voller Angst. Wie es schien, war der Mann unschlüssig, wo er jetzt zuerst suchen sollte. Los komm schon du Mistkerl!Die Tür öffnete sich. Schwarze, lederne Schuhe wurden sichtbar. Nach kurzem Zögern trat die Gestalt über die Türschwelle. Schmerz fuhr durch ihre Finger, die die Verteidigungswaffe verkrampft festhielten. Starr vor Angst sah Kathi die Schuhe näher kommen…immer näher. Mein Gott, bleib stark Kathi.Sie waren so dicht vor der Bettkante, dass Kathi die matschigen Flecken auf dem schwarzen Leder zählen konnte. Kathi zählte innerlich bis Drei.Eins…Zwei…und Drei! Kathi ließ ihren bewaffneten Arm unterm Bett hervor schießen und rammte dem Mann das Messer ins rechte Bein, so stark sie nur konnte. Ohne seine Reaktion abzuwarten krabbelte sie zur anderen Seite des Bettes heraus und stolperte zur Tür hinaus. Sie hörte hinter sich den Mann noch vor Schmerz aufstöhnen und ihn hinter herhumpeln hören. Ehe Kathi jedoch die Treppe hinunterflüchten konnte, bohrte sich ein scharfer Gegenstand in ihren Rücken. Der Schmerz trieb ihr Tränen in die Augen und ihr wurde schwindelig. Mit einem Schmerzesschrei stürzte sie die Treppe hinab, überschlug sich mehrmals und blieb stöhnend liegen. Blut lief ihr die Stirn hinab und ihr Hemd weichte langsam durch. Sie hatte sicherlich ein paar Brüche erlitten, die sie nun bewegungsunfähig machten. Weiter lief die warme, rote Flüssigkeit ihren Rücken und Kopf hinunter. Das letzte was Kathi Connery in diesen letzten Sekunden des Lebens hörte, war das Rauschen von Blut in ihren Ohren. Dann wurde sie von der Schwärze umhüllt. Für immer. Der Tod hatte seine Hand nach ihr ausgestreckt. Doch der Tod war für Kathi nun willkommen. Ja. Er war für Kathi in diesem Moment eine Erleichterung. Denn sie konnte von nun an wieder bei Sandra sein und sie müsse nicht eine Sekunde länger leiden. Keinen körperlichen oder gar seelischen Schmerz müsse sie noch ertragen. Keinen! 

Kapitel


Er stand am Fenster und schaute nach draußen. Ließ den Blick durch den Wald schweifen, welcher im Morgenrot hell erstrahlte. Niemand zu sehen. Wut stieg in ihm hoch. Schweizperlen bildeten sich auf seiner Stirn und seine Hände zitterten. Er krallte sich am hölzernen Fensterbrett fest. Hoffte darauf, bald eine Gestalt durch den Wald laufen zu sehen. Doch dort war niemand. Keine Menschenseele. Er wendete sich wütend ab, lief ins Wohnzimmer und griff zu der Whiskyflasche, die auf dem Tisch stand. Der Mann goss sich den Alkohol in ein Glas und kippte ihn auf ex hinunter. Dann noch einmal. Langsam beruhigte er sich wieder. Er ging in den Keller. Dort lief er in einen versteckten Raum, der nur spärlich beleuchtet war und tat an die schwarze Pinnwand. Er strich stolz über die vielen Fotos, welche dort wie Trophäen angeordnet und angepinnt waren. Sein Werk war dies. All diese Frauen mussten sterben, um seine Mordsucht zu stillen. Ja, es war eine Sucht geworden, ein Opfer zu suchen, es leiden, töten und die Polizei im Dunkeln tappen zu lassen. Noch war ihm keiner auf die Schliche gekommen. Er würde sehr bald ein neues Opfer brauchen, sonst war die Sehnsucht nach vergossenem Blut so stark, das er wieder einen seiner Anfälle bekam. Wieder ging er zum Fenster und schaute hinaus in die unberührte Natur. Da erblickte er eine Frau, Mitte Dreißig, mit einem Schäferhund an ihrer Seite. Sie trug eine grüne Försteruniform. Ein Grinsen machte sich auf dem Gesicht des Mannes breit. Er holte sich sofort eines seiner Messer und trat durch die Hintertür nach draußen. Er hatte einen Tarnanzug an und folgte der Fremden unauffällig. Es waren feste und selbstbewusste Schritte, als verfolge er ein klares Ziel und trotzdem bewegte er sich graziös und so leicht durch das dichte Unterholz, dass die Frau nichts von ihrem Verfolger mitbekam. Nein. Er verfolgte kein klares Ziel. Jedenfalls hatte er dieses Opfer nur willkürlich ausgewählt. Dafür wusste er genau, was er mit der Leiche anstellen würde. Der Körper dieser Frau würde ein weiteres Puzzelstück für die Kriminalpolizei sein. Sie würde als Nächste zu seiner prachtvollen Sammlung gehören. Sehr bald würde er wieder ein Blutbad verrichten. Und seine Gier würde danach für ein paar Tage gestillt sein. Bald. Sehr bald.  Das schrille Klingeln des Telefons riss Alexia Coldman aus ihrem Tiefschlaf. Genervt griff sie zum Hörer und nahm ab. „Alexia Coldman, hier?“ An dem anderen Ende der Leitung ertönte eine laute, vertraute Männerstimme. Es war ihr College, Steve McKinney. „Coldman, verdammt! Bewegen sie ihren Arsch hierher. Es gibt neue Mordopfer...“ Alexia war mit einem Schlag hell wach. „Okay, ich komme sofort. Machen sie mir schon mal einen starken Kaffee, Steve.“„Sie haben wohl mal wieder zu lange gefeiert, was? Coldman?“„Ach halten sie die Klappe, McKinney!“ Sie knallte den Hörer unsanft auf die Schale und massierte sich anschließend die schmerzenden Schläfen. Im nu war sie fertig und machte sich auf den Weg zum Revier.Draußen fing es an zu regnen. Auf den Straßen legte sich nach kurzer Zeit ein regennasser Film, in dem sich all die Lichter und Schatten der Umgebung widerspiegelten.Es herrschte hektisches Treiben in der Stadt und überall liefen Menschen mit Regnschirmen in der Hand oder Kapuze über dem Kopf herum. In der Luft hing der Geruch nach nasser Erde. Alexia lief über die Straße und setzte sich ins Auto. Ihr Kopf dröhnte vom gestrigen Abend. Sie war bei einer Dienstfeier gewesen und hatte etwas zu viel Bier mit ein paar Kollegen getrunken. Steve war ja nicht dort gewesen. Der war jetzt wahrscheinlich munter wie ein Fisch. Warum musste sie auch gerade McKinney als Partner in diesem Fall haben.Er war zwar klug und intelligent, doch bei ihm hatte sie eher das Gefühl den Chef vor sich sitzen zu haben, der ihr Anweisungen gab. So ein Arschloch. Sie drehte den Zündschlüssel im Schloss um und startete somit den Motor. Ich gibt neue Mordopfer…also war es dieses Mal nicht nur ein Unschuldiger, der getötet wurde. Verdammter Mist, dieser Kerl legt es wirklich drauf anDie ganze restliche Fahrt über mahlte sie sich aus, wie die Opfer wohl dieses Mal ermordet wurden.Nach weiteren zehn Minuten kam sie beim Revier an. Es nieselte nur noch leicht und Alexia dankte dem Gott dafür. Als sie in ihr Büro trat, wartete auf sie ein Stapel von Akten und Berichten auf ihrem Schreibtisch. Sie sah sich den Bericht der neusten Morde ihres Falls an. Wieder weiblichen Geschlechts. Wieder kaltblütig ermordet und mit einem Zeichen gekennzeichnet. Und wieder in einem weniger bewohntem Gebiet. Nein. Kein Zeichen. Eine Zahl. Dieses Mal war es die zehn und die elf. Das gibt es doch nicht! Das zehnte Opfer ist die Schwester von einer Frau, namens Sandra Connery, die vor einer Woche am selben Tag und Ort wie Helene Houston getötet wurde.Gleiche Vorgehensweise und das gleiche Prinzip. Die Berichte dieses Doppelmordes lagen auch auf dem Tisch. Helene Houston. Sandra Connery.Alexia stutzte und lehnte sich in ihrem Bürostuhl zurück. Trommelte mit ihren Fingernägeln auf die Tischplatte. Normaler weise tötete dieser Serienmörder nicht Blutsverwandte sondern wählte seine Opfer, so vermutete die Mordkommission jedenfalls, per Zufall aus. Wieso also sollte er zwei Schwestern töten? Alexia war verwirrt. Die Morde der beiden Schwestern mussten irgendwie zusammen hängen. Elf Morde und der Mörder lief immer noch frei da draußen rum.  Ein wildes Klopfen riss sie aus ihren Überlegungen. Steve platzte herein, mit zwei Kaffeetassen in der Hand. „Guten Tag, Alexia. Haben sie schon den Bericht gelesen?“ Er stellte eine Tasse zu Alexia auf den Tisch. „Hier, ihr Kaffe.“ „Danke, Steve. Ja habe ich. Hat die Spurensicherung schon irgendwelche Anhaltspunkte oder Ergebnisse?“ McKinney schüttelte den Kopf.„Keine Fingerabdrücke, keine Fußabdrücke und keine Mordwaffe.“   „Wäre ja auch schön dumm von ihm, die Tatwaffe im Wald zu lassen, Steve. Seit elf Monaten läuft dieser Irre rum und wurde von uns noch nicht geschnappt.“ McKinney nickte.„Er mag ein Psychopath sein, aber dumm ist er keineswegs. Ach ja, das habe ich vergessen ihnen zu geben.“ Er kramte ein Foto heraus und knallte es Alexia auf den Tisch. „Das war mit Blut am Baum neben dem Opfer geschrieben.“ Alexia Coldman nahm das Foto und schaute es sich an. Es zeigte ein blutbeschmierten Baum, auf dem das Wort `Angst` stand.„Das Blut stammt von der Försterin, nehme ich an.“ „Nein, es stammte von einem Hund, den die Frau wohl bei sich hatte. Anscheinend wollte er gleich eine zusätzliche Schweinerei anrichten.“ Alexia war etwas verwirrt. „Und was ist mit der Leiche des Tieres? Die müsste doch dort in der Nähe aufgefunden worden sein.“ Erneut schüttelte ihr Partner den Kopf.„Das ist ja grad das, was mich stutzig macht.“ Coldman trank in einem Zug ihren, mittlerer Weile kalt gewordenen, Kaffe aus und stand auf. „Ich würde mir gern den Tatort anschauen!“ Steve schaute sie verstört an. „Jetzt?“ „Ja, jetzt sofort!“ Das morgendliche Dicklicht hüllte die bunten Bäume ein. Der Staub in der Luft, der durch das Licht angestrahlt wurde, hatte das Aussehen von goldenen Glitzerpartikeln. Der Regen hatte nun vollkommen aufgehört. Die Walderde war feucht und aufgeweicht vom Wasser. Regentropfen rannen noch über die verfärbten Blätter. Das Blut am Tatort war größtenteils durch den Regen schon weggewaschen worden. Das Gebiet war durch ein Kunststoffband abgesperrt. Die Leiche war zwar schon weggeschafft worden, doch das war nicht allzu schlimm. Alexia erkannte sofort den Baum, den sie zuvor auf dem Foto gesehen hatte. „Warum beschreibt er erst beim elften Mord einen Baum mit Blut?“Steve schaue sich die Rinde ebenfalls genauer an. „Vielleicht ist es ein Nachahmungstäter, der aber noch ein anderes Merkmahl aufweisen will, damit es dem eigentlichen Mörder zusätzlich angehängt wird.“„Und deshalb ritzt er auf den Körper des Opfers eine Elf? Das ist doch Quatsch. Ich denke, unser Mörder ist zwar der Gleiche, aber er will uns damit irgendwas sagen.“ „Meinen sie es hat damit etwas zu tun, das die Elf eine Schnapszahl ist?“ Coldman zuckte mit den Achseln. „Angst....Angst... Wie würden sie das Wort Angst definieren?“ McKinney kratzte sich am Kinn. „Na ja, es gibt verschiedene Arten Angst zu beschreiben. Sie kann im Sinne von Panik gemeint sein. Die Angst davor entscheidende Dinge im Leben zu tun. Todesangst. Angst vor Dingen wie Dunkelheit, Spinnen, Clowns. Aber ich glaube Zweites und Letzteres können wir schon mal gezielt ausschließen. Panik und Todesangst könnten allerdings auf jeden Fall in Frage kommen.“ „Oder aber, das Wort dient als Warnung.“, erwiderte Alexia. Steves eine Braue zog sich in die Höhe. „Eine Warnung? Vielleicht legt er auch eine Spur. Ich glaube die Angst könnte ein Grund sein, warum er diese Frauen alle ermordet hat.“ „Das ist es.“, ertönte Alexias Stimme. „Entweder er hat Angst vor etwas was passiert, wenn er es nicht tut...“ Steve beendete ihren Satz. „...Oder er liebt es, wenn seine Opfer panische Angst um ihr Leben haben.“„Oder Beides!“,  antwortete Alexia. „So, wo ist der zehnte  Mord geschehen?“Steve blätterte im Bericht des zehnten Mordes. „Gleich hier in der Nähe. An der ersten Hauptstraße hinter dem Waldrand.“„Hm…ist es besser das Stück zu Fuß zu gehen, oder kann man auch mit dem Auto dahin gelangen?“, fragte sich Alexia laut.„Ich glaube man kann das Waldstück umfahren.“„Okay, dann machen wir das. Ich habe nämlich keine Lust durch den Matsch zu laufen…“„Dachte ich mir schon.“, sagte ihr Partner mit einem belustigten Grinsen auf dem Gesicht.War ja klar, dass er jede Situation zu nutzen versucht, sich über mich lustig zu machen, dachte Alexia genervt.Die beiden Beamten gingen zurück zum Auto und fuhren zum zweiten Tatort, der, so hoffte Alexia, mehr Merkmale aufweisen würde, als der Erste. Außerdem war sie gespannt, wie die ältere Schwester der Connerys zu Tode gekommen war.Nachdem sie den Wald umfahren hatten und an der Hauptstraße ankamen, machte Steve kurz an einem Seitenstreifen halt. „Also, in welchem Haus befindet sich die mutmaßliche Leiche?“, fragte Steve seine Kollegin, die nun den Bericht der verstorbenen Kathi Connery zur Hand nahm. „In der Nummer fünf. Das Haus steht leer. Es ist zu vermieten. Die Familie ist wohl im Urlaub.“„Okay, dann wollen wir mal…“ Steve  fuhr wieder auf die Straße und lenkte das Auto auf einen kleinen Parkplatz, der sich neben dem großen, altem, Einfamilienhaus befand.Auch hier war der Tatort mit einem gelben Kunststoffband abgesichert.Die beiden Kollegen stiegen aus und gingen auf das Haus zu. „ Da hatte aber jemand versucht gewaltsam in das Haus einzudringen…“Alexia hob das Kunststoffband an und ging drunter durch.„Ich denke mal, dass es das Opfer war, das hier gewaltsam versuchte einzudringen. Denn ich glaube nicht, dass die Tür offen war. Kathi Connery wohnte ja nicht hier, und besuchen hätte sie auch niemanden können, da die Familie ja nicht anwesend ist, also hat sie das Haus als Zufluchtsort vor ihrem Mörder gewählt.“„Klingt logisch“, stellet Alexia fest.„Bei mir klingt immer alles logisch“, sagte Steve mit einem angeberischen Ton.Alexias Braue zog sich in die Höhe. Sie schaute ihren Partner ungläubig an.„Träumen sie nur weiter Steve.“Sie zog sich dünne Plastikhandschuhe an, damit sie keine Fingerabdrücke von sich im Haus lassen würde und betrat das Gebäude. Steve murmelte noch etwas unverständlich vor sich hin und zog sich ebenfalls die Handschuhe an. Dann folgte er ihr. Das erste was Alexia auffiel war die Küche, als sie in den Flur trat. Die Tür zur Küche stand speerangelweit offen und auf den Fliesen lag Küchengeschirr verteilt. „Die Frau war schlau“, ertönte plötzlich die Stimme von Steve hinter ihr. „Sie hatte sofort nach einer Waffe zur Verteidigung gesucht.“Alexia nickte. Auf den Fliesen befanden sich nämlich zusätzlich matschige Schuh abdrücke von einer Person mit schmalen, kleinen Füßen. Wenn Kathi Connery durch ihre verdreckten Schuhe hier Schuhsbrücke hinterlassen hatte, dann müsste sich doch dort, wo der Täter war, auch Abdrücke befinden, schlussfolgerte Alexia.Sie machte auf dem Absatz der Küche kehrt und drehte sich zum Flur um.„Bingo“, stieß sie hervor. „Was ist?“, fragte ihre Kollege verwundert.„Schauen sie Steve, der Täter hat auch Abdrücke hinterlassen.“Steve kam zu ihr und schaute sich die Abdrücke an.„Männerschuh. Brei, groß und ungefähr mit Größe 45. Nicht schlecht Coldman…“„Wenn beide hier matschige Abdrücke hinterlassen haben, heißt das, dass sie aus dem Wald kamen. Aus dem Wald wo…“„..Helene Houston und Sandra Connery ermordet wurden…“, beendete Steve ihren Satz.„Genau.“, bestätigte Alexia Coldman. „Wir kommen der Sache also schon näher…“, murmelte Steve McKinney. Alexia richtete sich auf und ging zum Treppenansatz wo sich beide Abdrücke trafen und nach oben führten. Am Knick der Treppe lag eine junge Frau. Der Stoff ihrer weißen Bluse war in der Rückengegend rot gefärbt. Verkrustetes Blut klebte im Haar und an der Stirn. Auf dem Gesicht der Frau prangte eine eingeritzte Zehn. Es stank widerlich nach Verwesung. Alexia verzog angewidert das Gesicht. „Sie ist aber schon länger als die Försterin tot.“Alexia drehte die verwesende Leiche, an der sich schon Insekten zuschaffen machten, auf den Bauch. Ein Messer zierte das blutige Fleisch am Rücken der Frau. „Wie kommt es, dass sie so merkwürdig auf dem Viertel der Treppe liegt, wenn der Mörder sie von hinten erstochen hat?“, fragte McKinney verwundert.„Er hat sie nicht hier unten erstochen, sonst würden beide Schuh abdrücke nicht weiter die Treppe hinauf nach oben führen.“, korrigierte sie ihn.„Stimmt.“Steve machte einen großen Schritt über die Leiche, um nicht auf einen Körperteil der Frau zu treten, und ging die Treppe hoch.„Sie haben Recht Coldman, an der Wand hier oben klebt auch Blut. Aber hier oben im Flur sieht es auf dem Fußboden ungewöhnlich sauber aus…“ Er kniete sich hin und strich mit dem Finger über den Boden. „Hier hat jemand nach der Tat gründlich den Boden sauber gemacht.“„Was?“, stieß Alexia hervor. Sie lief die Treppe nach oben.„Tatsächlich…blitze blank hier. Aber Moment mal, warum steht die Tür des Kinderzimmers als Einzige offen?“„Wahrscheinlich weil da jemand drinnen war…“ meinte McKinney mit einem besserwisserischen Ton, den Alexia nur zu gut kannte. Alexia ignorierte seinen Blick und trat langsam ins Kinderzimmer der Familie.„Irgendwas musste hier und im Flur passiert sein, was uns hätte zum Täter führen können, sonst wäre es hier nicht so sauber…“„Also fassen wir erstmal bis hierhin zusammen…“, fing Steve an. „Als Helene Houston ermordet wurde befand sich Sandra Connery unglücklicherweise auch im Wald, genauso wie ihre Schwester, die es aber schaffte aus dem Wald zu flüchten…“ „Wir sind aber auch blöd!“, unterbrach Alexia ihn. „Im Bericht stand doch, dass Sandra und Kathi Connery vor einer Woche das Holzhaus ihrer Tante benutzen wollten. Das hatte ja Mrs. Skinner angedeutet. Dieses Haus befindet sich im Wald. Also, ein ganz logischer Fall! Kathi und Sandra Connery sind zu Fuß zum Haus gelaufen und sind dabei auf Helene Houston gestoßen, die gerade im Sterben lag. Der Mörder überraschte Sandra von hinten und Kathi rannte davon…“ „Genau das wollte ich auch gerade sagen…“, log Steve.Alexia schaute ihn nur skeptisch an.„Kathi Connery hatte sich doch mit einem Messer aus der Küche bewaffnet…könnte es dann vielleicht sein, dass sie hier auf den Mörder wartete und ihn verletzen wollte, damit sie eine Chance hatte zu entkommen?“„Das würde jedenfalls einen Sinn ergeben und es würde erklären, warum die Tür hier offen steht und hier alles gründlich gesäubert wurde…“Da kam Alexia eine Idee. „Wo befindet sich hier im Haus der Medizinschrank?“„Im Keller vermute ich mal.“, antwortete  McKinney und ein Leuchten trat in seine braunen Augen. „Aahhh, sie glauben, dass da Verbandszeug fehlen wird!“„Gut geraten.“ Alexia ging an Steve vorbei, die Treppe hinunter und dann in den Keller. Steve folgte ihr wieder. Alexia schaute sich im spärlich beleuchteten Raum um und entdeckte anschließend einen durchsichtigen Medizinschrank, der offen stand. Auch hier befanden sich die großen Schuh abdrücke.  Alexia schaute die Fächer durch, entdeckte aber kein Verbandszeug. „Dachte ich es mir doch!“, sagte sie triumphierend. „Sie hatte ihn verletzt“  „Aber leider rettete das nicht ihre Leben“, ertönte Steves Stimme.„Ja, leider… Wann kommt eigentlich die Spurensicherung?“„Ich bin mir nicht sicher, aber eigentlich sollten sie kurz nach uns kommen. Wie es scheint kommen sie mal wieder mit etwas Verspätung…“Kaum hatte ihr Kollege den Satz beendet, hörten sie von oben Schritte und Stimmen. „Gut gemacht, Steve!“ Alexia grinste.Steve McKinney machte den Medizinschrank wieder zu und ging mit Alexia Coldman nach oben, um die Leute von der Spurensicherung in Empfang zu nehmen. Todd Likley begrüßte die Beiden sofort mit einem selbstbewussten Hängedruck. Er war ein angesehener Mann bei der Spurensicherung und arbeitete gerne mit Alexia zusammen. Ja, man könnte sagen, sie wären gute, alte Freunde. Todd grinste Alexia an, zog sich die desinfizierten, weißen Handschuhe an und nahm Pinzette und dünne, durchsichtige Plastiktütchen zur Hand.„Wollen wir doch mal sehen, was wir hier so schönes finden…Wo befindet sich denn das Opfer, wenn ich fragen darf?“„Gleich dort auf dem ersten Viertel der Treppe, ist aber kein schöner Anblick Todd.“, warnte Alexia ihn vor.„Hm, ich habe schon Vieles gesehen und da waren schon einige verwesende Leichen dabei…“Er zuckte mit seinen breiten Schultern und ging zum Treppenansatz.„Na hoffen wir mal dass trotz der Verwesung noch DNA-Proben oder Spuren vorhanden sind.“, murmelte Likley vor sich hin und beugte sich über die Leiche, um sie zu untersuchen. „Wurde eine Mordwaffe denn gefunden?“„Nein, so wie in den vorigen Morden auch nicht…“, antwortete Steve.Während Todd sich die Fingernägel der Leiche anschaute, machten die restlichen Leute von der Spurensicherung Fotos vom Tatort. Alles wurde auf Kameras festgehalten, auch die Schuh abdrücke.
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Annikasen

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flohuels zahlen- - Im Radio auf WDR 5 kam mal ein Hörspiel-Krimi mit dem gleichen Titel, aber 'ner anderen Handlung (irgendwas mit Hausnummern)
Vor langer Zeit - Antworten
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