Kurzgeschichte
WG

0
"Zwei Männer, eine Wohnung. Bei den Mietpreisen und den Löhnen, muss man improvisieren"
Veröffentlicht am 11. August 2015, 24 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: vic&dd - Fotolia.com
http://www.mystorys.de
Zwei Männer, eine Wohnung. Bei den Mietpreisen und den Löhnen, muss man improvisieren

WG

Titel

Mit dem Thema Frauen habe ich abgeschlossen. Die sind mir einfach zu blöd. Irgendwo gibt es intelligente Frauen, die wissen, was sie wollen. Aber ich habe die Suche danach aufgegeben. Auch wenn viele alte Leute sagen, das ich noch jung bin, fühle ich mich dennoch alt. Und wenn ich mir die Leute ansehe, die behaupten, das ich noch jung bin, weiß ich warum sie es zu mir sagen: Mein Gesicht schlägt keine Falten. Ich habe stets versucht es den Frauen recht zu machen, um harmonisch mit ihnen zusammen zu leben und Streit zu vermeiden. Das war falsch von mir.

Nicht, das ich ein Jasager war. Meine Meinung vertrat ich. Wenn mir etwas nicht passte, dann sagte ich es auch. Nur wählte ich meine Worte so, das mein Gegenüber es nicht falsch verstehen kann. Doch wie Frauen nun mal so sind, sie verstanden es falsch und schon war Streit. Als würden sie es darauf anlegen. Warum im Einklang miteinander leben? Wieso dem anderen zuhören und ihn verstehen? Seit geraumer Zeit lebe ich mit einem anderen Mann zusammen. Aus zwei Gründen: 1. Die Wohnungen sind teuer. Obwohl ich arbeiten gehe und eigentlich gar nicht mal so wenig verdiene, habe ich, wenn ich alleine leben würde, ende

des Monats nichts mehr übrig. Dabei habe ich schon sämtliche Versicherungen gekündigt. Also, wenn mir mal was passiert... 2. habe ich oft versucht mit Frauen zusammen zu leben. Früher oder später krachte es so sehr, das ich dann ausziehen durfte. Was ich nicht verstand, weil die Frau zu mir gezogen war und nicht umgedreht. Aber natürlich ist dies wieder meine Schuld, weil ich den Vorschlag gemacht hatte, das sie offiziell zu mir zieht. Ihr Name mit auf dem Mietvertrag steht. Ich beschwere mich nicht, über den derzeitigen Zustand. Klar würde ich lieber mit einer Frau zusammen sein.

Abends, wenn ich im Bett liege, spüre ich oft die Leere. Dann kommt es vor, das ich nochmal rausgehe und mir was hole, um die Leere auszufüllen. Am folgenden Tag geht es mir dann elend. Kopfschmerz. Übelkeit. Das ganze Programm. Nur, weil ich jetzt mit einem Mann unter einem Dach lebe, heißt es noch lange nicht, das ich das Ufer gewechselt habe. Es heißt nur, das ich und ein anderer uns eine Wohnung und damit die Miete teilen. Dadurch, das wir beide in der Wohnung leben und alle kosten teilen, kann ich mir ab und an auch mal was gönnen, wie einen Kinobesuch. Wir beide verstehe uns ziemlich perfekt.

Es kommt schon mal vor, das einer von uns beiden mal sein Stimme erhebt. Aber das ist selten. Von Anfang an haben wir für klare Verhältnisse gesorgt. Keiner von uns bekommt Besuch. Meine Freunde dürfen nicht zu uns und seine auch nicht. Denn wir haben aus unseren Beziehungen gelernt. Es gibt immer Neider, die einem nichts gönnen. Wir leben prima zusammen und kommen klasse miteinander aus. Das soll uns keiner kaputt machen. Davon abgesehen ist die Wohnung eh nicht für Gäste gedacht. Viel zu klein. Unsere Zimmer sind je fünfzehn Quadratmeter (gerundet). Für uns reicht das. Wir sind genügsam. Ein Bett, ein Schrank und ein

kleiner Tisch. Mehr haben wir und brauchen wir auch nicht. Küche und Bad teilen wir uns. In der Küche halten wir uns oft auf. Kochen gemeinsam. Reden miteinander. Irgendwie führen wir eine perfekte Beziehung. Nur ohne Sex und Austausch von Spucke. Wie eine alte Redewendung es sagt: Wahre Liebe gibt es nur unter Männern. Lieber wäre ich mit einer Frau zusammen. Aber ich kann es einfach nicht. Oder hatte ich nur die falschen Frauen gehabt? Dann müssten wir aber beide nur an die Falschen geraten sein. Denn ihm ging es ja nicht anders. Auch er versuchte, es ihnen stets Recht zu machen und sie beschwerten sich drüber.

Wenn er sich für sie änderte, passte es ihnen auch nicht. Ich hatte meine Damalige mal gefragt, wie und was ich an mir ändern soll. Ihre Antwort war, das ich so bleiben soll, wie ich bin. Was hatte ich davon? Ständig war sie mies drauf und eines Tages fing sie an, sich mit anderen Männern zu treffen, um Körperflüssigkeiten auszutauschen. Warum konnte sie nicht so ehrlich sein, wie mein Mitbewohner? Er sagt mir klipp und klar, was ihm an mir stört, was ich an mir ändern soll. Und so mache ich es mit ihm auch. Was wir ändern können und ändern wollen, das tun wir auch. Natürlich knallen wir uns

es nicht rotzfrech ins Gesicht. Wir sagen es dem anderen in einem ruhigen, entspannten Ton. Bleiben höflich und verlieren nicht den Respekt Sagen bitte und danke. Und wie gesagt, es funktioniert. Auch wenn es vielleicht langweilig klingt. Bei uns ist es nur äußerst selten langweilig. Wenn es draußen sehr heiß ist und die Wärme in unsere Wohnung zieht, dann wird es langweilig, weil wir beide zu nichts Lust haben. Jede Bewegung ist dann zu viel. Das Wörtchen „zu“ ist, was uns so stört. Es gibt Tage, das ist es zu kalt und es gibt Tage, da ist es zu warm. Wenn das Wörtchen „zu“ nicht wäre, dann würde es uns nichts ausmachen, wenn es

kalt ist, oder warm. Man kann sich ja dementsprechend anziehen. Aber was zieht man bei dreißig Grad Celsius, und drüber, an? Weiter ausziehen geht nicht. Halbnackt draußen herum laufen, wie es andere tun, will ich nicht. Vor allem nicht auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Da wäre ich ja gleich meinen Job los. Ich bin ja schon froh, das mein Arbeitgeber mir erlaubt, das ich mich „locker“ kleiden darf. Sprich, ich brauch keinen Anzug und keine Krawatte tragen. Es hatte eine Weile gedauert, bis ich mich durchsetzen konnte. Dafür musste ich mich aber ganz schön ins Zeug legen. Ackern und Buckeln. Ihm zeigen, das ich unverzichtbar für die

Firma bin. Was hieß, das ich unbezahlte Überstunden schob. Aber das hatte sich dann auch ausgezahlt. Außer, das ich am Rande meiner Leistung war, wurde ich von der Entlassungswelle ausgeschlossen. Viele mussten gehen. Aber ich durfte bleiben und mich leger kleiden. Was nicht heißt, das ich wie der letzte Assi in der Firma erscheine. Ich trage ein kurzärmliges Hemd, schwarze, gepflegte Lederschuhe und dazu eine Anzughose. Kein Jackett und kein Schlips. Nichts was einengt oder noch mehr wärmt. Ich habe ja keine Tattoos, die ich verstecken muss. Naja, die hat in der Firma eh keiner. Darauf achtet mein Arbeitgeber sehr streng. Tattoos,

Brandings, Piercings...nichts davon ist erlaubt. Führt alles zur Nichteinstellung, beziehungsweise, Kündigung. Da kennt er keine Gnade. Mein Mitbewohner ist eine Seele von Mensch. Ein einziges mal hatte ich verschlafen. Seit dem steht er jeden Morgen eine Stunde früher auf, als er müsste, um sicher zu gehen, das ich nicht wieder verschlafe. Dann trinken wir gemeinsam Kaffee, essen eine Winzigkeit und reden miteinander. Echt Schade, das wir beide hetero sind. Wir würden ein schönes Paar abgeben. Das Gerede der anderen geht uns beiden am Arsch vorbei. Die denken eh, das wir beide was miteinander haben. Wir

könnten sie aufklären. Aber warum die Mühe machen. Damit würden wir sie nur in ihrem Glauben bestärken. Ich genieße die gemeinsamen Gespräche. Er gibt mir das Gefühl, das ich wer bin. Das ich jemand bin. Von meinem Vater hörte ich immer nur, das ich ein Unfall bin. Meine Mutter sagte immer, das ich erst ein Mann werden will. Als meine Oma noch am Leben war...Kurz gesagt, sie traute mir nichts zu. Und meine Schwester? Auch nicht besser. Zusammengefasst: Man drückte mich von allen Seiten nach unten. Dadurch machte ich mich selbst Minderwertig. Ging putzen für lau, obwohl ich mehr auf den Kasten hatte.

Erst durch meine letzte Trainingsmaßnahme wurde mir bewusst, wie dumm ich doch eigentlich war. Die Damen hatten mir den Weg gezeigt. Mich geöffnet. Sie haben erkannt, das ich kein dummer Junge bin, der nichts kann und nichts weiß. Und genauso ist mein Mitbewohner. Wenn ich mich mal wieder klein und unwichtig fühle, baut er mich wieder auf. Er ist ein Freund fürs Leben. Ein unbezahlbarer Schatz. Ihm verdanke ich viel. Sein offenes Ohr ist für mich ein Segen. Denn normalerweise, darf ich nur anderen zuhören und selber schweigen. Aber er ist anders. Weiß, wann er zu schweigen hat. Wann ich wirklich einen Rat

brauche. Was ihn noch auszeichnet, ist, das er ehrlich ist. Wenn er merkt, das er falsch liegt, gibt er es offen und ehrlich zu. Gibt nicht mit seiner Kraft an, die er hat. Das gefällt mir so sehr an ihm. Er weiß was er kann und weiß und gibt nicht damit an. Kennt seine Grenzen. Warum er kein Glück bei den Damen hat, ist mir ein Rätsel. Als Frau würde ich auf ihn fliegen. So schlecht sieht er nicht aus. Im Kopf hat er sehr viel. Und er kann anpacken. Auf ihn kann man sich verlassen. Ein Traum für jederfrau, finde ich. Es wird über mich behauptet, das ich den Frauen in den Arsch krieche. Der

Meinung bin ich nicht. Ich machte ihnen den Hof. Auch während unserer Beziehung. Aber ich tat nicht alles, was sie verlangten. Wenn ich etwas nicht wollte, dann sagte ich es auch. Meine Standpunkte behielt ich bei. Vielleicht tat ich manches, was ich nicht wollte. Aber nur, weil ich etwas versprochen bekam. Zum Beispiel Sex. Ich bin auch nur ein Mann. In meiner Welt dreht sich zwar nicht alles um das Thea Nummer eins. Aber wenn ich die Chance dazu bekomme, dann nutze ich sie auch. Denn wer weiß schon, wann ich wieder mal darf. Je länger ich mit ihm zusammenlebe, desto weniger einsam fühle ich mich.

Abends gehen wir entweder weg, oder spielen irgendwas. Außer er muss arbeiten, dann bin ich allein. Dann sitze ich vor meinem Laptop, surfe im Internet, mach kleine Spielchen und sehne mich nach Zweisamkeit. In jenen Stunden denke ich über mein Leben nach. Frage mich, was ich will. Eigentlich fühle ich mich ganz wohl. Mein Leben läuft. Habe keine Sorgen. Aber wenn er nicht da ist, fühle ich mich allein und sehne mich nach einer Frau. Ich war schon auf mehreren Internetplattformen, Discos und weiß Gott wo. Nirgends hatte ich Glück. Deswegen gab ich dann auf. Und das ich mit einem anderen Mann zusammen lebe,

hat ja auch schon die Runde gemacht. Viele glauben, das wir miteinander auch Sex haben. Wie schon erwähnt, lassen wir ihnen ihren Glauben, um es nicht noch schlimmer zu machen. Im Moment befinde ich mich in einer Phase, wo ich mich frage, ob es das ist, was ich will. Dabei geht es um meinen Job. Der ist mir zu eintönig. Ermüdend. Am Ende des Tages sehe ich nicht wirklich, was ich geschaffen habe. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Job auf der Straße. Zwar hatte ich damals oft übers Wetter geschimpft, aber ich hatte am Ende des Tages gesehen, was ich gemacht hatte. Von Spätnachmittag bis in die frühen Morgenstunden zerstreuten

die Menschen ihren Müll auf der Straße, obwohl es aller paar Meter einen Abfallbehälter gab. Diesen Müll hoben meine Kollegen und ich dann auf. Wir sahen dann, was wir getan haben. Manche kamen auf uns zu und bedankten sich dafür. Im Büro ist es anders. Da kommt keiner und klopft mir auf die Schulter. Müll auflesen ist nicht das Wahre. Aber wichtig. Was wäre, wenn es die Menschen nicht gäbe, die den Unrat auflesen, die andere achtlos fallen lassen? Wir würden im Dreck spazieren gehen. Pest und so weiter. Gab es ja schon einmal. Gar nicht so lange her. Mit meinem Mitbewohner habe ich schon

darüber geredet. Schließlich ist es auch eine Kostenfrage. Seiner Meinung nach sollte ich danach gehen, was mir gefällt. Es bringt nichts, sich zu quälen. Sobald ich die Chance dazu habe, wieder in den alten Job zu kommen, sollte ich es nutzen. Wenn ich mich dabei besser fühle... Ich weiß, er sagte es vor allem deswegen, weil er sich selbst gerade in jener Phase befindet. Auch ihm kotzt sein Job ihn an. Hauptgrund waren seine Kollegen. Sie spielten sich gegenseitig aus. Es war das reinste Mobbing und keiner tat etwas dagegen. Jeder wusste davon. Auch die Chefs. Aber niemand tat etwas

dagegen. Bis ende des Monats lasse ich mir Zeit. Dann fälle ich eine Entscheidung. Entweder bleibe ich im klimatisiertem Büro, oder ich gehe zurück auf die Straße. Mein Mitbewohner weiß nicht, was er machen will und ich kann ihm auch nicht dabei helfen. So gern ich es täte. Das einzige, was ich ihm raten tu, ist, das er erst eine neue Arbeit finden soll, bevor er kündigt. Sobald ich diese Krise überwunden habe, werde ich mich erkundigen, was Frauen wollen. Was ich falsch gemacht habe. Denn ich hätte gern eine dauerhafte Beziehung. Wenn ich den Frauen stets und ständig in den Hintern

gekrochen wäre und immer nur Ja und Amen zu ihnen gesagt hätte, könnte ich ja verstehen, warum sie es irgendwann satt hatten mit mir. Aber so war und bin ich nicht. Ich weise höflich auf Fehler hin, lasse mich zu Einigem überreden, was ich eigentlich gar nicht will, wenn es der Frau so wichtig ist. Ansonsten bin ich eisern. Versuche meinen Willen durchzusetzen. Ich gebe offen und ehrlich zu, wenn ich merke, das ich unrecht habe. Schließlich kann man nicht alles wissen. Und ich streite nicht sinnlos herum. Wenn ich keine Ahnung habe, halte ich mein Maul. Irgendwas davon muss falsch sein, sonst wären die Damen nicht von mir

gegangen. Einen Grund, für die Trennung, nannten sie mir nie. Außer die Eine, die wollte Abwechslung. Immer nur mit ein und dem selben Typen zu schlafen, war nicht ihr Ding. Damals hatte sie noch das Aussehen gehabt. Doch wenn einmal die Fassade bröckelt...Mich geht das nichts mehr an. Es war ihre Entscheidung gewesen. Sie muss damit leben. Ich bin gespannt, was meine Zukunft mir noch bringen wird. Ob ich ewig in dem Büro sitzen bleiben werde und mit ihm eine Wohnung teile, weil wir beide keine Frau finden, die zu uns passt. Bis zur Rente ist es ja noch ein Weilchen hin. Wenigstens ist mein Leben nicht

komplett eintönig. Es birgt immer mal wieder kleine Überraschungen.

0

Hörbuch

Über den Autor

Superlehrling

Leser-Statistik
14

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Zeige mehr Kommentare
10
0
0
Senden

133163
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung