Humor & Satire
Die Oboistin

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"Genaugenommen war es nichts Persönliches..."
Veröffentlicht am 10. Juli 2015, 14 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
Genaugenommen war es nichts Persönliches...

Die Oboistin


Bleistift





Die Oboistin


Kurzgeschichte

Die Oboistin

Drei Tage noch bis zur Premiere des Jahres. Der Dirigent hasste das Orchester und das Orchester mochte den Dirigenten wegen seines kompromisslosen Perfektionismus überhaupt nicht gut leiden können. Völlig unerwartet fiel dann zu allem Überfluss kurz vor der Generalprobe auch noch die Oboe wegen einer akuten Blinddarmentzündung aus. Nun war guter Rat teuer. Schnell musste ein gleichwertiger Ersatz für die erkrankte Oboe her, denn unter Umständen standen wochenlange Proben und jede Menge Geld auf dem Spiel. Waren doch die Konzerte auf Wochen bereits im Voraus ausverkauft. Gefunden wurde schließlich eine spillrige

Mittfünfzigerin, die den schwierigen Part der Solo-Oboistin nach mannigfaltigen Überredungskünsten des Intendanten zu übernehmen bereit war. Dennoch, die Generalprobe verlief einfach nur grauenhaft. Die Oboe konnte die Tempi nicht halten und verpasste andauernd ihren Einsatz. Der Dirigent schnauzte die extrem verunsicherte Dame an, sie wäre mit Abstand die mieseste Oboistin aller Zeiten, die ihm jemals während seiner gesamten Musikerkarriere untergekommen sei. Dabei drosch er so heftig auf das Notenpult ein, dass sogar der hölzerne Taktstock aus Buchenholz daran zerbrach... Die sich anbahnende Katastrophe schien nun unaufhaltsam ihren Lauf zu nehmen, da

bereits schon am nächsten Tag die festliche Premiere stattfinden sollte. Zudem hatte der Bürgermeister großzügig seinen derzeitigen Amtskollegen, den Oberbürgermeister von Kobe, der japanischen Partnerstadt, anlässlich der Wiedereröffnung des komplett restaurierten Opernhauses zu diesem feierlichen Konzert eingeladen. Die anberaumte Premiere drohte nun vollends in einem fatalen Desaster zu enden, denn völlig aufgelöst packte die Oboe nach dieser total misslungenen Generalprobe auf der Stelle ihr Instrument ein und wollte, Rotz und Wasser heulend, umgehend den Saal verlassen. Da brüllte ihr der Dirigent wutentbrannt hinterher,

»Und Sie, Sie bleiben gefälligst noch hier, denn mit Ihnen, meine Gnädigste, mit Ihnen bin ich nämlich noch lange nicht fertig!...« * Bereits kurz nach den ersten Auftaktklängen zur Ouvertüre während der Premiere konnte man im dem total ausverkauften Konzertsaal eine Stecknadel zu Boden fallen hören. Eine unglaubliche Welle euphorischer Sympathie brandete urplötzlich und unerwartet zwischen dem Publikum und dem Orchester hin und her. Nichts war mehr zu spüren von einer gegenseitigen Antipathie zwischen den Musikern und ihrem Dirigenten. Wiederholt musste das Konzert sogar unterbrochen

werden, weil das faszinierte Publikum diese traumhaft gespielten Soloparts der Oboe erneut immer wieder noch einmal von vorn hören wollte. Zwischen den Sätzen raste das Publikum vor Begeisterung und spendete den Musikern frenetisch Standing Ovations, insbesondere aber dieser hinreißend bezaubernden Oboe, einen geradezu tosenden Applaus. Die an diesem Abend freigesetzten Emotionen schienen nach dem Schlussakkord den Konzertsaal in einer noch nie dagewesener Weise förmlich zu überfluten... So ging denn auch schließlich das Konzert des Jahres zwar mit einer dreißigminütigen Verspätung, allerdings auch mit einem gigantischen Erfolg zu Ende.

Schon am nächsten Morgen titelte

"Das Tageblatt" in extrem fetten Lettern: ...OBOE ROCKTE DEN KONZERTSAAL... Der Intendant des Opernhauses nahm tags darauf seinen Dirigenten beiseite und gratulierte ihm überschwänglich zu dessen außergewöhnlichen Erfolg. Auf die naive Frage, wie er es denn geschafft habe, die ansonsten so spröde und etwas schrullige Oboistin in so kurzer Zeit doch noch zu einer solch unglaublich phantastischen Leistung zu befähigen, antwortete sein Dirigent grinsend, »Zuerst habe ich sie wie ein Löwe angebrüllt und sie mir anschließend aber richtiggehend zur Brust genommen, denn ich habe die halbe

Nacht vor der Premiere mit dieser zickigen Oboe unentwegt geprobt. Die andere Hälfte hingegen, mit ihr bis zum Morgengrauen auf dem großen Konzertflügel bis auf Teufel komm raus ...gepimpert, wenn Sie verstehen, was ich meine...«

Die Augen des Intendanten verdichteten sich zu schmalen Sehschlitzen. Aber da fuhr der Dirigent auch schon fort. »Und ob Sie es nun glauben oder auch nicht, Chef, mein Entschluss steht inzwischen felsenfest. Ich werde diese außergewöhnlich heiße und bei Gott, musikalisch geradezu begnadete Oboe zu meinem mir angetrauten Eheweib machen. Das Aufgebot dazu wurde von mir heute bereits bestellt…« Mit einer tiefen Unmutsfalte auf der Stirn

erwiderte der Intendant gefährlich leise,

»Das allerdings will ich auch stark gehofft haben, verehrter Maestro, dass Sie nach einem solch ungeheuerlichen Statement meine kleine Schwester tatsächlich auch werden heiraten. Schließlich hat es mich bei allem Wohlwollen deutlich mehr als nur eine Menge an überzeugender Überredungskunst gekostet, dass sie überhaupt unter Ihrer Leitung gespielt hat, Sie elender Stiesel...«

***
































Impressum Cover: selfARTwork Cover_Picture: Google_Bilder

Text: Bleistift © by Louis 2015/7 last Update: 2024/11


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Hörbuch

Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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Herbsttag Lieber Louis, das ist eine sehr amüsante, gut erzählte Geschichte. Leider spiele ich nur Klavier und Akkordeon und außerdem bin ich noch einiges älter.;-) Nein Spaß!! Hat mir sehr viel Freude gemacht, deine Geschichte zu lesen. Liebe Grüße Ira
Vor langer Zeit - Antworten
Leowittchen Ich bin ja unfassbar unmusikalisch, aber deine Geschichte gefällt mir. Ober meinst du bei mir ist auch noch etwas raus zu holen :-D
Vor langer Zeit - Antworten
sugarlady Schöne Geschichte. Mit viel Spannung geschrieben.
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Eine feine Geschichte ist dir da wieder geglückt, Louis. Ja, wozu musisch begabte Damen doch in der Lage sind! Bertha von Suttner hat das vor vielen Jahren schon in einem Ausspruch auf Papier gebracht, scheint also nicht neu zu sein, die Tatsache.
Liebe Grüße
Christine
Vor langer Zeit - Antworten
Loraine Ja - lieber Louis - ein gewisses Lausbuchenzwinkern ist darin enthalten, ein Lächeln und eine feine Geschichte die oboistisch so anders ist. Menschen - Theater - Instrumente zu einer fabelhaften Erzählung vereint. Sehr gut. Sonnige Grüße sendet Loraine
Vor langer Zeit - Antworten
Sylke 
Bloß gut, dass es immer Wege gibt, das Ziel zu erreichen.
Ich musste lachen, denn wie das Ende war so nicht abzusehen. Gefühle leben lassen gibt eben Leben weiter.

Einen schönen Sonntag wünscht dir Sylke
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Na Du bist mir ja einer. Nun bringst Du noch schrullige Endfünfzigerinnen noch unter die Haube.

LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
Na ja, wohl eher eine Mittfünfzigerin,
aber offensichtlich verfügt sie am Ende doch über gewisse Qualitäten, die ein Musikliebhaber sehr zu schätzen weiß...
Offensichtlich fehlte jedoch nur eine passende Initialzündung, um
dies auch wahrhaft zu erkennen... smile*
Die musikalische Inspiration zu dieser wirklich halbwahren Oboe-Geschichte bekam ich übrigens vom Vorspann der Krimi-Serie, "Inspector Barnaby..." wo mir der Einsatz jener Oboe so gut gefiel... grinst*
Danke fürs Lesen.
LG Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
LeopoldF Da hat der alte Herr Konzertmeister nicht nur den Taktstock geschwungen.
Zum Ende konnte die Oboistin doch richtig ordentlich blasen.
Das hat er ja gut hinbekommen.
Musikalisch gesehen:-))

lg.
Leopold
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
... natürlich nur musikalisch gesehen,
wovon reden wir hier sonst?
Danke fürs Lesen...
beste Grüße zu Dir nach Austria...
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
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