Kurzgeschichte
Geschichten einer Maus

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"Geschichten einer Maus"
Veröffentlicht am 29. Januar 2015, 26 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Was gibt' über mich zu sagen? Beruf: Selbstständig als Webefotografin, jetzt Rentnerin. Hobbys: My Home is my Castle, Garten, Musik, Leute einladen, jetzt meine Hauptaktivitäten. Alles was schön ist, Spaß macht und gut tut.
Geschichten einer Maus

Geschichten einer Maus

Sam's Erlebnisse



Sam erwachte, und als sich seine Augen etwas an die Helligkeit gewöhnt hatten schob er die Bettdecke bis zur Nasenspitze und betrachtete die Sonnenflecken an der Wand. Sie sahen aus wie gestern. Oder doch nicht? Waren sie heute nicht heller, nicht strahlender? Egal. Er war noch müde und wollte noch ein wenig schlafen. Er drehte sich auf die andere Seite, so das Sonne ihn nicht störte und machte die Augen zu. Als er wieder aufwachte waren die Sonnenflecken verschwunden und es war ziemlich dunkel in der Höhle. Also war die Frühstückszeit vorbei. Frühstück gab es immer solange die Sonne in seine Höhle

schien, zumindest war das im Sommer so, im Winter war es immer dunkel. Er streckte sich und rieb sich die Augen Er hatte einen Bärenhunger und die Morgentoilette konnte warten. Obwohl er eigentlich genau wusste, das es wahrscheinlich nichts mehr zu essen gab machte er sich auf den Weg An der Ecke, wo der riesige Brennesselbusch stand, lagen ein paar noch frische Kirschkerne. Also hatte es heute Kirschen gegeben. Er liebte Kirschen über alles und jetzt gab es sicher nichts mehr. Er legte einen Zahn zu und als er um die Ecke bog, sah er sofort das seine Befürchtungen ihn nicht getrogen

hatten. Kein Lebewesen war mehr zu sehen, nichts bewegte sich und die Konkurenz hatte ganze Arbeit geleistet und auch keinen Krümel übrig gelassen, nur saubere Kerne. Wieso war er bloß nicht zeitig aufgestanden, jetzt hatte er die Bescherung. Riesenhunger und nichts da was man essen könnte. Also erstmal hinsetzen und dann nachdenken, nur kein Stress. Sein Magen knurrte so fürchterlich und ihm schien, das nicht nur sein Bauch sondern auch sein Kopf völlig leer waren. Also noch mal, wo könnte man Essbares finden? Wenn er nach Westen ging würde er in den Tannenwald kommen und möglicherweise diese gut schmeckenden blauen Beeren finden. Es könnten

Tannenzapfen auf dem Boden liegen, in denen die Vögel noch einige Kerne vergessen hatten. Hm, hm. Wenn er nach Süden ging käme er bald auf die Lichtung mit den Weizenfeldern. Aber wahrscheinlich war der Weizen noch nicht reif, das würde er sich für später aufheben. Wenn er Richtung Norden ging kamen die Streuobstwiesen, aber dafür war es noch zu früh.Und nach Osten? Nach Osten, hm, ja doch, da war doch dieser herrliche Baum mit gelben prallen Früchten. Die Früchte waren süß und saftig, sodas der ganze Bart nachher klebrig war und man sich anständig putzen musste. Hm, hm.

Und dann war da noch eine Möglichkeit, sehr verlockend aber auch seeehr gefährlich. Er könnte sich in das Steinhaus der Menschen schleichen und dort nach Essbarem suchen. In dem Raum in dem die Menschen aßen konnte man oft ein Stückchen Brot oder Käse finden. Ja – aber die Katze! Mit der Katze war nicht zu spaßen. Sie war ein großes wolliges gelbes Biest mit gelben Augen. Eigentlich war sie wunderschön, wenn sie so da saß, wie eine Statue mit halbgeschlossenen Augen. Man konnte nicht ablesen ob sie schlief und träumte oder alles genau beobachtete und nur tat als ob sie schliefe. Man musste genau auf ihre Ohren achten – wenn sich ihre Ohren bewegten war allerhöchste Vorsicht geboten.

Sam war vom langen Schlafen träge und hatte keine Lust auf lange Wanderungen nach Osten oder Westen. Kurz entschlossen sah er sich noch einmal in alle Richtungen um, alles war ruhig. Er setzte an zum Sprint über den Hof und rannte so schnell er konnte Richtung

Haustür. Geschafft! Neben der Haustüre stand ein Blumentopf in der Ecke neben der Treppenstufe. Da konnte er sich erstmal verstecken und verschnaufen. Sein Magen knurrte wieder. Also auf geht’s. Er streckte sich an der Mauer hoch und kletterte auf die Treppenstufe. Hier konnte er nicht verweilen weil jeder ihn wie auf dem Präsentierteller sehen konnte.

Die Tür stand offen und so schlüpfte er schnell ins Innere. Es dauerte einen Moment bis sich seinen Augen an den dunklen Raum gewöhnt hatten. Was er dann sah gefiel ihm gut. Es gab viele Ecken und Nischen zwischen den Möbeln wo er sich gut verstecken konnte. Er fühlte sich ziemlich sicher und so folgte er einem Geruch,

der ihn magisch anzog. An der Tür zum nächsten Raum blieb er kurz stehen. Das Zimmer sah nicht so einladend aus. Der Boden war hell und glatt, so dass man ihn gut darauf erkennen konnte und außerdem konnte er beim Rennen ausrutschen. Die Möbel waren ebenfalls glatt und bis zum Boden verschlossen. Er konnte auf Anhieb kein Versteck entdecken. Aber dieser Duft stieg ihm immer verführerischer in die Nase. Es roch einfach wunderbar süß und frisch. Für einen Moment schloss er die Augen und sog den köstlichen Duft voll ein. Egal, er musste jetzt auf volles Risiko gehen – zu groß war die Versuchung. Er sauste über den Boden enterte das Stuhlbein, dann die Lehne und von dort auf den Tisch. Was er dann sah

verschlug ihm den Atem. Vor ihm stand eine große runde Torte. Unten war die Torte aus zartem leckerem Kuchenteig. Obendrauf lagen Kirschen eingehüllt in eine Creme aus Sahne und Vanille. Außenrum war der Rand mit gerösteten Mandeln bestreut. Noch niemals hatte er etwas so Wunderbares gesehen geschweige denn gekostet. Auf Zehenspitzen ging er vorwärts und steckte seine Nase ganz vorsichtig in die Sahnecreme. Hmmm, einfach himmlisch. Er schleckte sich die Creme von der Schnauze, voll Verzückung über diesen unnachahmlichen Geschmack, als ihn ein dumpfes Geräusch und einen starke Erschütterung schlagartig wieder in die Realität zurückbrachten.

Vor ihm hockte das gelbe Biest und fixierte ihn aus großen gelben Augen. Sam erstarrte. Die Haare standen ihm zu Berge. Zwischen ihnen war die Torte. Dann überlegte Sam blitzschnell. Wenn er vom Tisch sprang konnte er sich auf dem harten Boden etwas brechen oder er war durch eine Gehirnerschütterung betäubt und das gelbe Biest hätte leichtes Spiel. Das war

keine gute Idee. Das einzige Versteck das er sah war die Torte selbst. Mit seinen Nagezähnen und Pfoten sollte ihm das möglich sein. Er stürzte sich in die Torte und versuchte so schnell als irgendwie einen Gang in die Torte zu graben. Gerade als er es schon bis zur Hälfte seiner Körperlänge geschafft hatte wurde er ziemlich unsanft wieder auf die nackte Tischplatte befördert. Die Katze saß nun vor dem Eingang seines Tunnels und ihre Augen glitzerten lustig. Sie wollte wohl spielen, aber Sam fand das Spiel überhaupt nicht lustig. Sam rappelte sich auf, rannte wieder in seinen Gang und grub wie wild weiter. Graben, graben – er konnte nicht mehr denken, nur graben. In seinem Tunnel ließ nun

schon die Helligkeit nach, und obwohl, schlau wie er manchmal war, eine Kurve gegraben hatte, fand er sich unvermittelt auf der Tischplatte wieder. Das gelbe Biest über ihm, grinste ihn, wie ihm schien, fröhlich an. Die Katze schubste ihn ein wenig mit der Pfote, als wolle sie sagen, komm – lass uns ein bisschen Spaß haben. Sam hatte aber ganz andere Sorgen. Er war nun von dem hin und her werfen schon ziemlich benommen, aber er wusste er musste der Katze entkommen.

So schleppte er sich wieder zu seinem Tunnel und grub bis auch nicht mehr das kleinste Stückchen seiner Schwanzspitze herausschaute. Die Katze war wohl einen Moment unachtsam gewesen. Vermutlich hatte sie sich geputzt, dann vergessen Katzen

alles. Sam fühlte sich nun ziemlich sicher und fing endlich an von dem köstlichen Kuchen zu Naschen. Als er gerade so richtig im Knabbern schwelgte verspürte er plötzlich einen kurzen aber heftigen Schlag von oben und meinte schon die Krallen der Katze zu spüren. Sofort verhielt er sich mucksmäuschenstill, was auch gut so gewesen ist. Die Katze hatte nämlich ihre Körperreinigung beendet und nun, nachdem Sam nicht mehr zu sehen war, die Bewegung in der Torte entdeckt. Das gelbe Biest, von Haus aus neugierig, stubste mit der Pfote in die Torte. Allerdings war die Pfote jetzt voll feuchter Sahne-Vanillecreme, für Sam wäre das

wunderbar, die Katze konnte das aber gar nicht Leiden. Sie schüttelte die Sahnecreme ab, so gut es ging, und unterzog der Pfote dann einer ausgiebigen Putzerei. Sam rührte sich kein bisschen, er war sowieso satt und Müde. Beim Putzen war die Katze wohl auf den Geschmack gekommen. Sie schleckte die Sahnecreme von der Torte und knabberte auch ein wenig an dem Kuchenteig. Die Kirschen ließ sie links liegen. Sam war gerade ein wenig eingedöst, als ein gellender Schrei die friedliche Idylle zeriss. Die Katze verschwand mit einem Satz und Sam fand sich mitsamt der Torte in einem Mülleimer wieder.

Sam saß in der Torte bis es dunkel wurde. Zum Essen hatte er ja jetzt genug, aber ihm war auch schon ein bisschen schlecht. Als es dunkel wurde krabbelte er aus dem Mülleimer, beeilte sich aus dem Haus zu kommen und trottete zu seiner Höhle. Er war fix und fertig. Als er die Bettdecke über die Ohren zog, dachte er, das war kein guter Tag, das hätte

ins Auge gehen können. Morgen mach ich alles besser. Aber die Torte, die Torte war einfach wunderköstlichleckergut. Dann sprach er schnell sein Nachtgebet, schloss die Augen und träumte von neuen Abenteuern.




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Maerchentante
Was gibt' über mich zu sagen?
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Alles was schön ist, Spaß macht und gut tut.

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baesta Na das war aber eine niedliche und bezaubernd illustrierte Tiergeschichte. Da hatte das Mäuschen ja Glück, dass es im Müll landete, sonst wäre es wohl Katzenfutter geworden und die Geschichte vorzeitig beendet.

Liebe Grüße
Bärbel
PS: Kleiner Hinweis: S. 21 oben 2. Zeile " Leiden" sollte mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben werden, weil es sich nicht um ein Leiden handelt, sondern ein Synonym von "mögen". Ebenso Zeile 6 "Müde" wird auch klein geschrieben. Ist aber nicht so schlimm, fiel mir nur auf und passiert mir beim Tippen ja selber auch immer mal wieder.
Vor langer Zeit - Antworten
IK6688 Ein rundherum gelungenes Buch. Lustige Geschichte garniert mit den passenden Bildern.
Hat sich gelohnt, bei dir vorbei zu schauen.
Tschau, tschau Isabell
Vor langer Zeit - Antworten
abschuetze Oh nein, noch jemand der seine eh schon dollen Geschichten auch noch zauberhaft illustrieren kann. Das macht den malerisch talentlosen Schreiberlingen das Leben in etwaigen Battles immer besonders schwer :))

Sehr gern gelesen.

LG vom Schuetzlein
Vor langer Zeit - Antworten
HansJoachim Das Buch,das mich verzaubert hat!
Was soll ich sonst noch dir schreiben?
Einfach Wunderbar.

lg hans-joachim
Vor langer Zeit - Antworten
Maerchentante Hallo Hans Joachim, habe vergessen auf senden zu klicken bei meiner Antwort. Aber ich freue mich sehr das Dir mein Geschreibsel gefällt,
Danke
Sabine Liebe Grüße
Vor langer Zeit - Antworten
HansJoachim Nenn es nicht geschreibsel,denn das klingt so abwertend und das war es weiss Gott nicht.Im Gegenteil,es war hervorragend und damit stehe ich nicht alleine da,liebe Sabine.
Viel Glück weiterhin wünsche ich dir von ganzem Herzen.
Und danke für dein Geschenk.

lg hans-joachim
Vor langer Zeit - Antworten
GerLINDE 
Hallo Märchentante Sabine,
was für eine schöne Mausgeschichte habe ich hier lesen können. Besonders gut finde ich die Stelle, wo sich Sam in die Torte hineingräbt, um sich zu verstecken. Da hätte ich am liebsten mitgegraben. -lächel-
Und die fantastischen Bildgestaltungen bereichern die Geschichte total.
Lieben Gruß
Linde
Vor langer Zeit - Antworten
Maerchentante Sorry jetzt habe ich Dir geantwortet und vergessen auf senden zu klicken, Ichmuß mich hier erst in die software reinarbeiten.
Trotzdem nochmal danke.
Liebe Grüße Sabine
Vor langer Zeit - Antworten
GerLINDE Es ist alles paletti. Danke für die Coins.
Vor langer Zeit - Antworten
AnneM Eine hübsche Geschichte mit schönen Bildern.
Gefällt mir.

LG Anne.
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