Romane & Erzählungen
Leseprobe: Nick Francis 2 - Die Stadt

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"Skrupellose Outlaws, wohin man sieht. Rauchende Colts überall!"
Veröffentlicht am 19. Januar 2015, 64 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Noxlupus
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich sehe etwas, höre manchmal nur ein Wort und schon tanzen Bilder dazu in meinem Kopf. Bilder, die eine kleine Idee entstehen lassen. Manchmal verblasst diese wieder, doch hin und wieder wächst die Idee weiter und weiter, bis sie sich letztendlich als Handlung einer Geschichte entpuppt. Einer Geschichte, die geschrieben werden muss. Doch mit dem richtigen Geschichtenschreiben dauerte es - so an die 25 Jahre. All die Jahre zuvor hatte ich ...
Skrupellose Outlaws, wohin man sieht. Rauchende Colts überall!

Leseprobe: Nick Francis 2 - Die Stadt

In der Nick-Francis-Buchreihe sind bis jetzt erschienen


Nick Francis 1 – Die Burg

ISBN 978-3-9814313-1-5


Nick Francis 2 – Die Stadt

ISBN 978-3-9814313-2-2


Nick Francis 3 – Die Festung


ISBN 978-3-9814313-3-9 Nick Francis 4 - Der Keller ISBN: 978-3-9814313-5-3 www.noxlupus.de

Pferde preschen durch die staubtrockene Straße!

Skrupellose Outlaws, wohin man sieht!

Rauchende Colts überall!

All dem begegnet Nick auf seiner zweiten Reise. Denn nachdem er das Abenteuer in der Burg gut überstanden hat, stellt er sich sofort seiner neuen Herausforderung. Er gönnt sich keine Pause, er will dem Geheimnis des Buches, von dem es heißt, dass es ohne Inhalt und dennoch voller Geheimnisse ist, auf die Spur kommen. Dem Buch, das man nicht lesen, sondern nur leben kann. Unwiderruflich hat es angefangen,

seine Macht über Nick zu entfalten.

Klappentext

In seinem zweiten Abenteuer landet der Buchhändler Nick Francis in der jüngst gegründeten Kleinstadt Rocky Town im Wilden Westen, wo er bei seiner Ankunft hilflos mit ansehen muss, wie eine Bande von Outlaws die Bewohner der Stadt überfällt. Warum terrorisieren die skrupellosen Verbrecher diese friedliebende Gemeinde immer wieder und verlangen sogar, dass alle Bewohner aus der Stadt verschwinden sollen? Lange bleibt es ein absolutes Rätsel, warum die Banditen Rocky Town unbedingt übernehmen wollen. Nick, der sich schnell mit den Stadtbewohnern

anfreundet, macht sich zusammen mit ihnen auf, die Stadt von diesen Schurken zu befreien. Doch an einem Tag im Morgengrauen geschieht das Unvermeidliche. Begebt euch mit Nick unter die Cowboys, und ihr werdet hautnah dabei sein und erfahren, welch teuflischen Plan die Outlaws verfolgen. Zusammen mit Nick macht ihr eine wichtige Entdeckung, die einen ersten Lichtstrahl in das Dunkel des geheimnisumwobenen Buches wirft. Was Nick alles erlebt und entdeckt hat, davon erzählt er euch wie immer auf seine unverwechselbare Art.

Schreib mir was!

Leseprobe

Prolog Das Buch war schuld daran, dass sich mein Leben auf so drastische Weise verändert hatte. Ein Buch, das noch immer in meinem Besitz ist. Aber ist es überhaupt ein Buch? Nun gut, von außen sieht es zumindest so aus. Wenn es aber wirklich ein Buch ist, dann ist es ein Buch ohne erkennbaren Inhalt. Doch bevor ihr euch jetzt wundert, was an einem inhaltlosen Buch so Besonderes sein soll, kann ich euch versichern, es ist ein ganz außergewöhnliches Buch, auch wenn man den Namen des Autors ebenso vergeblich sucht wie einen

Buchtitel. Als ich es das erste Mal aufschlug, empfingen mich dreizehn etwa fünf Millimeter starke fast blechähnliche Seiten, doch nur auf acht der dreizehn Seiten waren jeweils zwei Wörter tief in das Material eingraviert. Diese Wörter schienen Titel von Geschichten zu sein, von Geschichten, die scheinbar nie geschrieben wurden. Bei meiner ersten Begegnung mit dem Buch befanden sich also zwischen den dreizehn Seiten verteilt fünf gänzlich leere Seiten, wobei es nun auf mysteriöse Weise sieben leere Seiten geworden sind. Zwei der Gravuren waren plötzlich verschwunden, die Seiten waren jetzt

auch glatt und buchstabenlos. Dieses einzigartige Werk, welches ich auf dem Dachboden gefunden hatte, kann man als eine Art Tor zu einer anderen Welt bezeichnen. Ein Torbuch sozusagen. Es war das ungewöhnlichste Buch, das ich je in Händen gehalten habe. Optisch sehr edel: Schwarzer schieferähnlicher Ledereinband, geprägte Messingbeschläge, im Ganzen circa acht Zentimeter dick und von einer Größe, die etwa einer DIN-A4-Seite entspricht. Das Alter lässt sich beim besten Willen nicht bestimmen, da das aluminiumähnliche Metall der Seiten nicht mit normalem Papier zu vergleichen ist. Mehrseitige

Schrift oder ein Text zur Identifizierung existiert nicht. Ich weiß nur, dass es mindestens dreißig Jahre alt sein muss, denn mein väterlicher Freund Willi Funke, dessen Buchhandlung ich vor knapp einem Jahr übernommen habe, erzählte mir, nachdem ich das Buch gefunden und es ihm gezeigt hatte, dass das Buch ungefähr dreißig Jahre zuvor auf sehr seltsame Art zu ihm gefunden hatte. Doch obwohl Willi eine Koryphäe in der Welt der Bücher ist, ist er bis heute nicht hinter das Geheimnis des Buches gekommen. Was es denn nun mit diesem Buch auf sich hat, möchten sicherlich diejenigen unter euch wissen, die bei meinem ersten

Abenteuer nicht dabei waren? Kurz gesagt: Das Buch ist der Schlüssel zu einer anderen Welt. Es sind keine Geschichten darin zu lesen, man kann sie nur leben. Ja, ihr habt richtig gehört! Man betrachtet die Geschichten nicht von außen und malt sich mithilfe der Wörter die Landschaften, die Menschen und ihre Taten aus, nein, man ist hautnah dabei, steckt mitten im Geschehen, leidet, liebt und lebt direkt in der Geschichte, in die man gerade eingetaucht ist. Wie das funktioniert? Ich will euch das keineswegs vorenthalten, nur weiß ich es leider selbst noch nicht und es ist nur einem Zufall zu verdanken, dass ich in einer

der acht ungeschriebenen Geschichten landete, ein Zufall, dem eine Kombination aus Neugier und Müdigkeit auf die Sprünge geholfen hatte. * * * Es geschah an jenem Freitagabend, an dem ich das Buch gefunden und es anschließend meinem Freund Willi Funke gezeigt hatte. Willi war ..., ach, ich möchte mich hier nicht wiederholen, es könnte diejenigen unter euch langweilen, die schon mit mir zusammen in Die Burg gereist sind. Alle, die nicht dabei waren, brauchen sich aber nicht benachteiligt zu fühlen, denn wer von euch mehr über mich und meine Buchhandlung wissen möchte, kann das

selbstverständlich aus meinem ersten Buch erfahren oder noch einfacher: auf meiner Homepage www.nick-francis.de. Dort habe ich für euch den Prolog aus meinem Burgabenteuer als Download hinterlegt. Aus dem Prolog erfahrt ihr alles, was ich euch gerade erzählen wollte. Doch halt! – Bevor ihr jetzt an eure Computer sprintet, kann ich euch beruhigen, diesem Abenteuer, von dem ich euch gleich erzählen werde, könnt ihr auch so folgen, ohne die zusätzlichen Informationen zu haben. Also, ihr könnt euch den Prolog vom ersten Band zu einem späteren Zeitpunkt holen und wer weiß, vielleicht bekommt ihr nach diesem Abenteuer dann noch

Lust auf mehr. Lieber möchte ich an dieser Stelle ganz kurz auf die Geschichte eingehen, in die ich beim ersten Mal auf folgende Weise reingeschlittert war. Ich lag auf meinem Bett und betrachtete das Buch. Ich wurde immer müder und schlief bald darüber ein, wobei meine rechte Handfläche auf der Seite mit der Gravur Die Burg lag. Das war mein Schicksal, denn so landete ich auf mir unerklärliche Art in Schottland, genauer gesagt in dem abenteuerlichen Ort namens Dumles, weit vor unserer Zeit. Dort bekam ich es mit einem finsteren, übellaunigen Marquis und seinen Gesellen zu tun. Doch ich gewann auch

Freunde, mit denen ich mich zur Jagd auf das Böse aufmachte. Wir durchlebten in der Burg das wahre Grauen, sahen Entsetzliches und mussten einige unserer Gefährten traurigerweise zurücklassen. Nach meiner Rückkehr aus dem Burg-Abenteuer stellte ich fest, dass ich nach unserer Zeitrechnung tatsächlich nur wenige Minuten abwesend gewesen war. Unverändert lag ich auf meinem Bett mit dem Buch auf dem Bauch, und das, obwohl ich der festen Überzeugung war, etliche Tage in Schottland verbracht zu haben. Mein schottischer Bart war verschwunden, und das, obwohl ich mich die ganze Zeit über

nicht rasiert hatte. Mein erster Gedanke war natürlich, dass ich den Fantasien eines kurzen, aber zugleich sehr intensiven Albtraumes erlegen war. Doch dem war nicht so, es war ganz und gar kein Traum. Es war ein wirkliches Erlebnis, welches ich in einer anderen Welt durchlebt hatte. Und sofort, nachdem die Jagd auf das Böse beendet war, wurde ich auch schon wieder aus der Welt, in der ich so überraschend gelandet war, herauskatapultiert. Meine rechte Hand ruhte noch immer auf der Seite, auf der Die Burg eingraviert gewesen war. Wohlgemerkt war, denn diese Gravur war plötzlich verschwunden! Es war

etwas geschehen, was nicht nur als simpler Albtraum zu erklären war. Sonst wäre die Gravur nicht verschwunden, denn das war ja ein rein mechanischer Vorgang, der sich nicht erträumen ließ. Und dass die Gravur da gewesen war, wusste ich ganz genau. Denn ich hatte durch die ständigen Betrachtungen des Buches alle Gravuren auswendig gelernt. Außerdem hatte ich Willi mindestens drei Mal alle Inschriften langsam vorgelesen und wenn ich auch in der Schule im Gedichteauswendig-Lernen eine Niete war, so traute ich mir doch zu, mir acht Titel zu merken. Als ich mich dann vom ersten Schock erholt hatte, tigerte ich zunächst

verwirrt durch meine Wohnung, später durch die Buchhandlung, die sich unter der Wohnung befindet, und zerbrach mir den Kopf darüber, was eigentlich geschehen war. Wie konnte es sein, dass ich plötzlich weit vor meiner Zeit tagelang in Schottland gelebt hatte, während doch tatsächlich hier nur wenige Minuten vergangen waren? Bis in die frühen Morgenstunden irrte ich durch das Haus, an Schlaf war nicht zu denken. So verging die Nacht und es wurde Tag, ohne dass ich auch nur ein Auge zugetan hatte. Eine Menge Arbeit wartete auf mich, doch ich war zu nichts zu gebrauchen. Lass ich sie halt warten. Mit müden Augen und zum

ersten Mal lustlos öffnete ich meine Buchhandlung Punkt neun Uhr. Von da an hieß es: Durchhalten bis dreizehn Uhr. Es war ein Samstag, und noch nie hatte ich den Ladenschluss so sehr herbeigesehnt wie an diesem Tag. Als mich der letzte Kunde verließ, schloss ich sogleich erleichtert hinter ihm die Tür ab und schleppte mich nach oben in die Wohnung. Nichts von dem, was ich mir für diesen Tag vorgenommen hatte, war mehr relevant. Mit letzter Kraft zog ich mich aus und fi el aufs Bett. Mein Jahrhundertfundstück lag unangetastet und unbeachtet auf dem Tisch im Schlafzimmer. * *

* Fünf Stunden später erwachte ich aus einem tiefen Schlaf. Zwar nicht ausgeschlafen, aber doch fürs Erste einigermaßen erholt, schlurfte ich in die Küche und wärmte mir den Rest des selbst gemachten Steckrübeneintopfes mit Kochwurst vom Vortag auf, da mein Magen hörbar verlauten ließ, dass er seitdem nichts Richtiges mehr zu tun bekommen hatte und obwohl so ein deftiger Eintopf zu meinen Lieblingsgerichten gehört, bekam ich von dem herzhaften Geschmack nichts mit. Abwesend schaufelte ich das Essen in mich hinein. Meine Gedanken kreisten einzig und allein um das Torbuch. Ich

versuchte, mich mit dem Fernseher im Schlafzimmer abzulenken, doch es gelang mir nicht so recht. Meine Augen empfingen die Bilder der Reality-Shows, ohne dass ich ihren Sinn verstand. Nun gut, das lag vielleicht nicht nur daran, dass mir das rätselhafte Buch durch den Kopf schwirrte. Nachdem ich also meinen Magen mit Arbeit versorgt hatte, konnte ich dem Drang nicht widerstehen und wendete mich abermals dem Buch zu. Langsam schaute ich mir die zu diesem Zeitpunkt verbliebenen sieben Überschriften an. Ich fuhr Buchstaben für Buchstaben mit den Fingern ab. Der Titel Die Burg blieb verschwunden und folgende Fragen

tauchten auf: Verschwindet jeder Titel, sobald man die Geschichte erlebt hat? So wie der Titel Die Burg, auf dem letzte Nacht meine rechte Hand lag und ich darüber einschlief? Hatten auch auf den anfangs fünf leeren Seiten Titel von Geschichten gestanden, die jemand vor mir durchlebt hatte? Nachdenklich strich ich über die Seite mit dem Titel Die Stadt. Sollte ich es noch einmal riskieren? Es war wie ein innerer Zwang. Ich saß auf dem Sessel im Schlafzimmer. Das Buch lag aufgeschlagen vor mir auf dem Tisch. Gebannt sah ich mir die Buchstaben an, schaute zum flimmernden Fernseher hoch und fragte

mich: Wieso tauchen zwei erwachsene Menschen in einer dickflüssigen Jauchegrube nach bunten Plastiksternen? Ich schüttelte den Kopf, dann musste ich grinsen. Auch ich wollte tauchen, allerdings nicht in Jauche, ich wollte in eine neue Geschichte eintauchen, mich in ein neues Abenteuer stürzen, welches ich mir dieses Mal selber aussuchen konnte, da ich meine Hand bewusst auf eine Seite meiner Wahl legen würde. Und ich hatte mich entschieden: Ich wollte die Geschichte Die Stadt erleben. Ich dachte nicht nach, ich gönnte mir keine Pause, ich wollte mehr, ich wollte wissen, ob das Buch wirklich so

funktionierte, wie ich es mir zurechtgedacht hatte. So gratulierte ich den beiden Toilettentieftauchern auf dem Bildschirm zu den drei Sternen, die sie gefunden hatten und über die sie sich wie kleine Kinder unter dem Weihnachtsbaum freuten. Ich schaltete den Fernseher aus, machte es mir in meinem Bett bequem, legte das Buch auf den Oberkörper und platzierte die rechte Hand auf der ausgewählten Seite. Schnell noch einen letzten Blick auf den Funkwecker geworfen: 20.03 Uhr. Na, mal sehen, was er sagt, wenn ich wieder aufwache. Aber zuerst musste ich unbedingt einschlafen. Da ich nach nur

fünf Stunden Schlaf immer noch recht müde war, hoffte ich, schnell wieder einzuschlafen, um so durch das Torbuch in Die Stadt zu gelangen. Aber denkste, plötzlich war ich viel zu nervös und zu aufgedreht. Und dann verspürte ich noch etwas – Angst. Angst vor dem Ungewissen überfiel mich und breitete sich rasend schnell in mir aus. Die grausamen Bilder aus der Burg schossen mir wild durch den Kopf. Einige von euch können sicher nachvollziehen, warum mir plötzlich heiß wurde und der Schweiß aus sämtlichen Poren rann. Mein Herz begann zu rasen. Reflexartig zog ich meine Hand vom Buch. Ich versuchte,

mich zu beruhigen, versuchte, meine Atmung zu kontrollieren, und nach einer Weile verflüchtigte sich die Angst, ich wurde ruhiger und war drauf und dran einzuschlafen. Nur vage bekam ich noch mit, wie meine Finger, anscheinend wie von selbst, langsam auf das Buch zuschlichen und den Arm hinter sich herzogen, bis ich unter den Fingerkuppen die eingravierte Schrift auf der harten, kalten Seite spüren konnte. Dann geschah es: Die metallähnliche Oberfläche wurde wieder warm und weich, meine Hand versank in der Seite, wurde eins mit ihr. Worauf das Gefühl, als krabbelten mehrere tausend Ameisen

aus dem Buch heraus, folgte. Sie wanderten über meine rechte Hand, danach ging ihre Reise weiter über den dazugehörigen Arm, und schließlich breiteten sich die kleinen Tierchen überall auf meinem Körper aus. Ich hatte das erforderliche Stadium zwischen Wachen und Schlafen erreicht. Genau in diesem Zustand konnte ich den Zauber wecken. Er war meine Eintrittskarte in Die Stadt.



Kapitel 1 Straße des Todes Das Erste, was ich wahrnehmen konnte,

war das sanfte monotone Rattern und Rumpeln unter mir. Meine Augenlider zuckten. Ich blinzelte, Licht drang durch meine Netzhaut. Ich lag entspannt auf dem Rücken, unter mir eine angenehme weiche Matratze, und wie schön ruhig es war, nicht so nervenzerreißend wie das letzte Mal, als ich in meiner neuen Welt erwachte. So döste ich noch eine Weile vor mich hin, bis mich schließlich ein heftiger, greller Pfeifton aus meinem Dämmerzustand riss und ich komplett in die neue Welt hineinbefördert wurde. Rasch setzte ich mich auf. Sah mich um. Drehte den Kopf nach links und nach rechts, blickte nach oben und nach unten.

Ungefiltert ließ ich die gewonnenen Eindrücke auf mich wirken. Erst dann folgte die Auswertung: Ich war alleine und das war gut, so hatte ich wenigstens die Möglichkeit, mich in aller Ruhe an die neue Situation und die fremde Umgebung zu gewöhnen. Wie ich unschwer erkennen konnte, war ich ebenso wie beim letzten Mal in einem fahrbaren Untersatz unterwegs. Doch anders als da saß ich nicht in einem rasenden, schaukelnden Ungetüm und sah mich auch nicht gleich mit mehreren Zeitgenossen konfrontiert. Diesmal war niemand da, der mich mit Fragen löcherte, die ich ohnehin nicht beantworten

könnte. Wo ich jetzt wieder gelandet war, wollt ihr sicher wissen, oder ahnt ihr es schon? Ich befand mich im Schlafwagenabteil eines Zuges. Der Einrichtung nach zu schließen gehörte er einer längst ausgestorbenen Gattung an, einmal abgesehen von den Exemplaren, die sich in ein Museum unserer Zeit gerettet haben und dort ihre Gnadenbriketts bekommen. Doch in einem solchen Museumsexemplar befand ich mich, dem Rattern und Rumpeln nach, garantiert nicht. Ich saß auf der Schlafpritsche, und das ausgesprochen fit und ausgeruht, als hätte ich mindestens acht Stunden

durchgeschlafen. Ich schaute an mir herunter und war angenehm überrascht über den Anzug, in den man mich dieses Mal gesteckt hatte. Er sah richtig edel und wesentlich moderner aus als die grobe Kleidung, die man mir bei meinem letzten Abenteuer verpasst hatte. Natürlich war der Anzug nicht nach unseren Maßstäben modern, aber er passte haargenau zur Einrichtung des Schlafabteils. Er war aus feinem schwarzen Stoff. Darunter trug ich ein weißes Hemd mit einer schmalen schwarzen Krawatte. Und wo bitte schön ist die dazugehörige Sonnenbrille? Der Anzug war nicht einmal zerknittert, obwohl ich damit

gerade noch schlafend gelegen hatte. Hatte ich mich denn eben erst hingelegt, obwohl ich so ausgeruht bin? Langsam erhob ich mich von meiner Schlafstatt und trat ans Fenster. Ich schob es runter und inhalierte den frischen Fahrtwind tief durch die Nase. Anschließend streckte ich den Kopf aus dem Fenster und spähte nach vorne, wo eine massive Dampflokomotive die Waggons schwer schnaufend und stöhnend den Schienenstrang entlang durch eine Gebirgskette zog. Der Fahrtwind strich an meinem Gesicht vorbei und wirbelte durch meine schulterlangen Haare. Der Kessel der Lok arbeitete auf Hochtouren,

ununterbrochen prustete sie dichten Dampf aus ihrem Schornstein. Wir hatten bestimmt so an die sechzig Stundenkilometer drauf. Für eine Fahrt im Auto oder gar in einem ICE ist das ja nicht gerade viel, aber für so eine alte Lok ist das vermutlich so was wie die Turbogeschwindigkeitsstufe. Plötzlich klopfte es an der Tür. Wer konnte das sein? Rasch holte ich meinen Kopf ins Abteil zurück und drehte mich zur Tür, die sich im selben Moment öffnete. Ein schlanker, etwas steif wirkender farbiger Mann in Uniform, bestehend aus einer dunkelblauen Hose, einem weißen Jackett und einer blauen Schirmmütze, betrat mein neues

Domizil. »Guten Tag, Sir. Ich wollte Ihnen nur Bescheid sagen, dass wir in etwa einer Viertelstunde in Rocky Town ankommen werden. Und soweit ich informiert bin, wollen Sie da aussteigen.« »Ja, danke, äh, woher wissen Sie das? Habe ich Sie darüber informiert?« »Nein, Sir. Ich bin erst vor vier Stunden zugestiegen und mein Vorgänger hat mir diese Anweisung gegeben. War das falsch?« »Ich bin mir nicht sicher«, sagte ich und betrachtete die vor dem Fenster dahingleitende Gebirgslandschaft. »Sir, wie darf ich das verstehen?« »So wie ich es gesagt habe. Aber

machen Sie sich keine Gedanken, Sie haben sicher alles richtig gemacht.« »Gut, wenn Sie es sagen. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun? Zum Beispiel Ihren Koffer mit nach vorne nehmen?« »Meinen Koff er? Gerne, wenn Sie wissen, wo er ist?« »Ja, Sir, hier steht er doch«, er zeigte an das Kopfende der Schlafpritsche, »und wie es scheint, haben Sie bereits gepackt.« »Ich vermute eher, ich habe ihn noch gar nicht ausgepackt.« »Das denke ich doch, Sir, schließlich sind Sie seit drei Tagen unterwegs.« »Drei Tage? Wo komme ich denn

her?« »Entschuldigung, Sir, Sie wollen von mir wissen, woher Sie kommen?« »Würde ich sonst fragen?«, fuhr ich den freundlichen Mann unfreundlich an. Denn obwohl ich in etwa ahnte, was passierte, wenn ich mit der Hand auf dem Buch einschlief, war ich in dem Moment doch ein wenig mit der Situation überfordert. Verunsichert über mein Verhalten und etwas eingeschüchtert ließ der Mann den Kopf hängen und starrte zu Boden. »Verzeihung, ich wollte nicht unhöflich sein«, erklärte ich freundlicher, »aber ich habe letzte Nacht schlecht

geschlafen.« »Keine Ursache, Sir«, sagte er lächelnd, brachte seinen Kopf wieder in eine aufrechte Position und meinte dann verständnisvoll: »Das geht uns ja allen mal so. Ich nehme jetzt Ihren Koffer mit und werde ihn dann an der Bahnstation wieder an Sie übergeben. Mein Name ist übrigens Sam und sagen Sie mir bitte Bescheid, wenn Sie vor Ihrem Aussteigen noch etwas benötigen.« »Haben Sie vielen Dank, Sam.« Der Mann nickte, griff nach dem Gepäckstück und sah mich einen Augenblick erwartungsvoll an. Ja, was noch? Es dauerte eine Weile, bis ich

begriff . Sogleich wühlte ich in meinen Hosentaschen und ertastete etwas darin, was dem Mann zum Gehen veranlassen würde. Es waren einige Münzen, die ich ihm mit einem Lächeln übergab. Freudig nahm er sie entgegen und im Rausgehen meinte er noch: »Man sagte mir übrigens, Sie wären in New York zugestiegen.« »Ja, das weiß ich natürlich, aber haben Sie trotzdem vielen Dank«, sagte ich mit einem Lachen und schloss hinter dem verdutzt dreinblickenden Sam die Tür. New York? In Amerika trieb ich mich also dieses Mal rum. Bloß von diesem Rocky Town hatte ich noch nie gehört – ihr? Aber es würde bestimmt hilfreich

sein, dass ich einen Ort zu nennen wusste, aus dem ich angeblich kam, so musste ich mir nicht auf die Schnelle einen ausdenken. Und es sollte auch nicht mehr lange dauern, bis ich zu jemandem sagen musste: Guten Tag, mein Name ist Nick Francis und ich komme aus New York. Erneut ertönte ein Pfeifton, gefolgt von einem zweiten und einem langen dritten Pfeifen. Ich nahm an, das war das Zeichen, dass wir bald an dem mir unbekannten Ziel mit Namen Rocky Town ankommen würden. Noch einmal streckte ich neugierig den Kopf aus dem Fenster. Der Zug schlängelte sich zwischen zwei eng zusammenstehenden

Felsen hindurch, bis diese sich langsam, wie ein Trichter, weiteten und in der Ferne ein paar Häuser vor uns auftauchten. Der Name passte schon mal – Rocky Town, die Stadt zwischen den Felsen. Ich zog meinen Kopf wieder ins Abteil und schob das Fenster hoch, ging zur Tür, nahm den Hut, der anscheinend zu meinem Anzug gehörte, von dem Haken daneben, so selbstverständlich, als sei er meiner, legte die Hand auf den Griff der Tür, atmete tief durch und öffnete sie. So, Nick, auf in ein neues Abenteuer, was es auch immer für eines sein wird. Und jetzt folgt mir, meine Freunde, begeben wir uns zum zweiten Mal in ein

unbekanntes Land. Macht es euch bequem, nehmt euch Zeit und Ruhe, dimmt das Licht oder holt die Kerzen aus der Schublade, schließt einen Moment die Augen und stellt euch vor, ihr gehörtet zu den Europäern, die einst nach Amerika auswanderten, um in der Neuen Welt große Abenteuer zu bestehen. * * * Die Räder quietschten, die Bremsen kreischten, der Kessel zischte. Schnaufend und prustend kam der eiserne Koloss zum Stehen. Mein Zugbegleiter Sam öffnete die Tür und deutete mir an auszusteigen. Vorsichtig setzte ich einen Fuß auf das Gitterrost

und von dort auf den hölzernen Boden der Bahnstation. Ich blieb stehen und schaute direkt auf das Stationsgebäude, hinter dem anscheinend die Stadt lag, und hinter mir ertönte eine bekannte Stimme: »Sir, entschuldigen Sie. Würden Sie einen Schritt vorgehen, damit ich Ihren Koffer ausladen kann?« Ich drehte mich um und sah Sam mit meinem Koffer in der Tür stehen. »Nicht nötig, geben Sie ihn mir ruhig gleich her«, sagte ich und streckte dem Mann meinen Arm entgegen. »Bitte sehr, Sir, ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt.« Ich nahm den Koffer dankend entgegen. Zusammen mit meinem Blick wanderte er

auf den hölzernen Boden. Dann hörte ich Sam wie aus weiter Ferne sagen: »Und wenn Sie Ihre Aufgabe erfüllt haben, können wir Sie gerne wieder mitnehmen.« »Was haben Sie da gerade gesagt?«, fragte ich und hob den Kopf, doch meine erste Bekanntschaft, die ich in der neuen Welt gemacht hatte, war schon wieder verschwunden und die Tür des Zugwaggons geschlossen. Stampfend setzte sich das Dampfross in Bewegung. Die Bahnstation war verlassen, keiner außer mir war ausgestiegen, keiner eingestiegen. Es gab keine finster dreinblickenden Typen, die auf ihren

Gangsterboss warteten. Alles war still, bis auf das Schnaufen und Rattern des Zuges, der sich immer weiter entfernte. Ich sah ihm noch eine Weile nach, bis er endgültig hinter den Felsen verschwunden war. Erst jetzt bemerkte ich den kleinen, fast ausgetrockneten Fluss, der sich einige Meter parallel hinter den Schienen entlangschlängelte. Über den Fluss war an einer Stelle eine Wassermühle gebaut, wobei sich das Wasserrad durch den niedrigen Wasserstand keinen Millimeter bewegte. Einige Meter weiter stand ein Kran, der mit einer Seilwinde zu bedienen war, vermutlich um Güter zu laden, wie Briketts oder Holz zum Heizen. Gleich

daneben befand sich der Wasserkran, um die Dampfrösser mit Wasser zu versorgen, damit die Lok den Dampf erzeugen kann, der die Energie zum Fahren liefert. Ich starrte auf das Stationsgebäude. Es herrschte Totenstille. Doch plötzlich vernahm ich ein quietschendes Geräusch und schaute nach oben, wo ein Schild im leichten Wind hin und her pendelte, als wolle es auf sich aufmerksam machen: Hallo, hier bin ich, das Schild Rocky Town. Ich folgte dem Pendel, doch ehe es mich hypnotisieren konnte, griff ich nach meinem Gepäckstück und setzte mich mit ihm in Bewegung Richtung Gebäude, wobei das Klacken

meiner festen Schuhsohlen auf dem Holzboden bei jedem Schritt durch die Luft widerhallte und sich zu dem quietschenden Schild hinzugesellte. Ich ging nur sehr langsam voran, mich hetzte ja keiner und Termine hatte ich auch nicht. Auf einmal drangen Schreie, Rufe, Pferdegetrappel und krachende Schüsse an meine Ohren. Ich zuckte zusammen. Die Hand, in der ich den Koffer trug, verkrampfte sich. Hier bin ich mit Sicherheit richtig, schoss es mir wie eine Kugel durch den Kopf. Mit offenen Augen und gespitzten Ohren durchquerte ich voller Anspannung das menschenleere Gebäude. Auch hier stand

kein Empfangskomitee für mich bereit. Nur eine Katze lag träge auf dem verwaisten Fahrkartenschalter und schlief. So kümmerte sie sich nicht um mich und ebenso wenig interessierte sie sich für die kleine Maus, die gerade vor meinen Füßen vorbeihuschte und in einem Loch in der Wand verschwand. Siehste, Tom, ist dir Jerry wieder einmal entwischst, du Penntüte. Ich schritt langsam weiter auf die Tür zu, öffnete sie ein wenig mit einem beklommenen Gefühl im Magen und lugte durch den Spalt. Der Anblick, der sich mir hinter dieser Tür offenbarte, zeigte das Ergebnis des Getöses, welches eben mein Gehör überfallen

hatte. Ich erkannte sofort, wo ich hier gelandet war: Bei den Cowboys im Wilden Westen. Ich schob die Tür vorsichtig weiter auf und sah das gesamte Ausmaß der Katastrophe vor mir. Auf der staubtrockenen Sandstraße lagen einige Männer, die verwundet, vielleicht sogar tot waren. Frauen kamen aus den Häusern gerannt, um die Überlebenden notdürftig zu versorgen. Der Kampf, der hier noch vor wenigen Minuten getobt hatte, schien vorüber. In der Mitte des Schlachtfeldes stand ein Mann, der offenbar nach Kräften alles zu dirigieren versuchte. Fassungslos verfolgte ich die tragische Symphonie. Der Dirigent des Ganzen lief plötzlich zu

einer Frau, die neben einem recht großen Kerl hockte. Der Mann am Boden trug, soweit ich das erkennen konnte, einen Sheriffstern auf seiner schwarzen Lederweste. Der Mann, der zur Hilfe geeilt war, wechselte erst hektisch ein paar Worte mit der Frau und dann mit ihr den Platz an der Seite des Sheriff s. Der Mann nahm sogleich den Kopf des Verwundeten in den Schoß. Anscheinend wollte der Sheriff ihm etwas sagen, denn der Samariter beugte sich weiter zu dem Sheriff hinunter. »So geht das nun schon seit Wochen, aber so schlimm wie heute war es noch nie. In allen vorherigen

Auseinandersetzungen wurde bis jetzt nur ein Mann getötet, dieses Mal sind es, so wie es aussieht, leider gleich mehrere«, erklärte mir plötzlich eine traurig klingende Männerstimme rechts von mir. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass jemand an meine Seite getreten war. Ich drehte mich in Richtung Stimme und sah einen schlanken, gut gekleideten Herrn in einem beigen Anzug. Das Grau seiner Haare hatte seine anscheinend schwarzen Haare fast gänzlich verdrängt. Er schien mir so Mitte bis Ende fünfzig zu sein. »Und die Überfälle werden immer schlimmer. Wenn nicht bald etwas

unternommen wird, werden die ersten Bewohner die Stadt wieder verlassen. Was schlimm für uns wäre, da Rocky Town erst seit ein paar Jahren besteht und endlich so langsam anfängt zu wachsen«, meinte der Mann weiter, ohne mich dabei anzusehen, da er noch immer auf das hektische Treiben vor uns schaute. »Vielleicht hat jemand was dagegen, dass die Stadt, um mit Ihren Worten zu sprechen, anfängt zu wachsen?«, fragte ich und drehte mich wieder dem Geschehen zu. »Aus welchem Grund sollte jemand was dagegen haben?«, fragte der Mann, und ich erkannte aus dem Augenwinkel, wie

er sich mir zuwandte. Ich antwortete: »Kann ich nicht sagen, ich bin doch gerade erst angekommen.« »Aber Sie äußern doch so eine Vermutung nicht nur einfach so!« Jetzt wendete ich meinen Blick zurück in seine Richtung und wir schauten uns das erste Mal an. »Doch, ich schon, ich tu so etwas andauernd«, erklärte ich. »Woher kommen Sie, wenn man fragen darf?« »Man darf. Guten Tag, mein Name ist Nick Francis und ich komme aus New York. Und um auch gleich Ihre nächste Frage zu beantworten: Ich weiß nicht, was ich hier suche, geschweige denn, was ich hier

will.« »Wie soll ich das verstehen? Sie wissen nicht, warum Sie hier sind? So etwas weiß man doch!« »Normalerweise ja, doch zurzeit ist bei mir alles etwas anders als sonst.« Mit einem »Hmm« schaute der Mann zurück auf die Straße und wir schwiegen. Da entdeckte ich einen Falken, der auf dem Gebäude gegenüber saß und genau wie wir das Spektakel beobachtete. Die aufgeregten Helfer rannten emsig umher und wirbelten den trockenen Sand mit ihren Schritten durch die Luft. Es gab mehr als genug von ihnen, sodass sie sich beinahe schon im Wege standen

oder gar gegenseitig umrannten. Auf einen Verwundeten kamen mindestens drei Hobbyärzte, die sich um ihn bemühten. Sie halfen den Verletzten wieder auf die Beine, wer gehen konnte, humpelte mit seinen Betreuern davon, andere wurden fortgetragen. Notdürftige Verbände wurden angelegt und einer bekam gleich an Ort und Stelle von einem Mann, der so arbeitete, als täte er das nicht zum ersten Mal, eine Beinschiene. Kein Wunder, er war der hiesige Arzt, wie ich später erfuhr. Ich sah einen Geistlichen, der mit zwei Männern die Toten auf einen Karren lud, sobald sie es schaff ten, die weinenden Frauen von den Gefallenen zu trennen.

Der Pfarrer überließ seinen Helfern die traurige Fracht, während er sich um die Frauen kümmerte. Mein Blick wanderte, nachdem ich den Geistlichen genauer in Augenschein genommen hatte, wieder zurück zu dem am Boden liegenden Sheriff , dessen Kopf plötzlich schlaff zur Seite fiel. Kurz danach glitt der nun leblose Körper aus den Armen des Mannes, der dem Sheriff in seinen letzten Minuten beigestanden hatte. Die Frau stand regungslos daneben. »Der Mann beim Sheriff ist Emilio. Er ist erst vor Kurzem zu uns gekommen und ist uns eine große Hilfe, unsere Stadt gegen diese Verbrecher zu verteidigen und sie zu verjagen«,

berichtete der Mann neben mir. »Aber gelungen ist ihm das offenbar noch nicht, oder?« »Mitnichten, leider! Wollen Sie es versuchen?« »Möglich«, sagte ich, ohne überhaupt nachzudenken. »Nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie sehen nicht aus, als ob Sie das könnten. In Ihrem Anzug wirken Sie eher wie ein Bankier als ein Revolverheld.« »Ich bin kein Bankier«, erwiderte ich beleidigt, denn wenn ich schon mal hier im Wilden Westen bin, wollte ich natürlich auch ein Cowboy sein. Doch noch ehe ich was sagen konnte, sinnierte der Mann weiter: »Dann wohl

ein Handlungsreisender oder Versicherungsvertreter?« Ich musste dringend diesen Anzug loswerden, den ich anfangs so schick fand, als ich noch nicht wusste, wo ich landen würde. Wem war das überhaupt eingefallen, mich hier so auszustaffieren? So fragte ich zurück: »Und das schließen Sie nur aus meiner Kleidung?« Er konnte nicht antworten, denn nun kam Emilio auf uns zu, ein etwa vierzigjähriger, großer, kräftig gebauter Mann mit einem sanften Gesichtsausdruck, und wandte sich an meinen Gesprächspartner: »Sheriff Dillon ist tot. Er hat mich vor seinem

Ableben zum neuen Sheriff ernannt. Was meinen Sie dazu, Henry, als Anwalt und angesehener Bürger, zudem noch stellvertretender Bürgermeister dieser Stadt?« »Wenn das Dillons letzter Wille ist, habe ich nichts dagegen. Sie haben in den letzten Wochen gute Dienste geleistet und Dillon immer wieder geholfen, diese Verbrecher ohne großen Kampf aus der Stadt zu vertreiben.« Dann musterte Henry Emilio von Kopf bis Fuß und sagte: »Sie sollten das Amt annehmen. Dillon hat Ihnen vertraut und ich vertraue Ihnen ebenso. Also los, Sheriff, tun Sie Ihre Pflicht und sorgen Sie hier für

Ordnung.« Emilio nickte Henry, dem Anwalt und angesehenen Bürger, zudem noch stellvertretenden Bürgermeister dieser Stadt, zu und ging, um zu tun, worum er ihn gebeten hatte. »Bringen Sie den Menschen immer so großes Vertrauen entgegen? Auch wenn Sie sie noch nicht lange kennen? Und wie kommt es, dass Sie so off en zu mir sind?« »Erstens: Emilio hat uns wirklich sehr geholfen, nichts spricht dafür, misstrauisch zu sein, und was Sie betrifft, ich weiß zwar nicht, was Sie ausgerechnet zu uns verschlagen hat, aber eine innere Stimme und mein

Instinkt verraten mir, dass Sie hier sind, um uns in irgendeiner Weise zu unterstützen.« »Da wissen Sie mehr als ich.« Er ging nicht auf meine Worte ein, sondern fragte: »Wissen Sie schon, wo Sie unterkommen?« »Ja, bei meiner Tante Claudius«, antwortete ich mit einem Schmunzeln. »Ach, erzählen Sie mir doch keinen Unsinn, ich kenne hier jeden, und eine Tante Claudius gibt es hier nicht. Also los, kommen Sie mit. Ich heiße übrigens Henry Jones, aber das haben Sie ja eben sicher mitbekommen. Also nochmals willkommen, Nick aus New York«, sagte der Anwalt und angesehene Bürger,

zudem noch stellvertretende Bürgermeister der Stadt mit Namen Henry und streckte mir seine Rechte entgegen. »Ich hoffe, unsere Stadt wird sich Ihnen bald von einer besseren Seite präsentieren!«, sagte er abschließend. So ging er los und ich schloss mich dem Anwalt und angesehenen Bürger, zudem noch stellvertretenden Bürgermeister von Rocky Town, an. © Noxlupus Verlag 2011

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Noxlupus
Ich sehe etwas, höre manchmal nur ein Wort und schon tanzen Bilder dazu in meinem Kopf. Bilder, die eine kleine Idee entstehen lassen. Manchmal verblasst diese wieder, doch hin und wieder wächst die Idee weiter und weiter, bis sie sich letztendlich als Handlung einer Geschichte entpuppt. Einer Geschichte, die geschrieben werden muss.

Doch mit dem richtigen Geschichtenschreiben dauerte es - so an die 25 Jahre. All die Jahre zuvor hatte ich nur Ideen gesammelt und Entwürfe verfasst. Am wirklichen Schreiben hatte ich mich selbst gehindert, da ich extreme Kämpfe mit der Rechtschreibung und dem Lesen auszutragen hatte. Und ehrlich gesagt, die Friedenspfeife ist immer noch nicht so wirklich geraucht.

Durch meine ausgeprägte Legasthenie habe ich erst mit Mitte 20 so richtig angefangen Romane zu lesen. Denn das Lesen brachte mir ja aus gegebenem Anlass nun auch nicht wirklich Spaß, was heute inzwischen ganz anders ist. Den Drang, meine eigenen Geschichten zu Papier zu bringen, verspürte ich allerdings schon sehr viel früher. Erste Versuche wurden im stillen Kämmerchen auf einer elektrischen Schreibmaschine gehämmert, später dann in den PC geschrieben.

Bis ich mir vor einigen Jahren sagte: "Was soll´s! Raus aus deiner Kammer. Rechtschreibung hin oder her." So begab ich mich auf die Suche nach Profis und knüpfte Kontakte zu freiberuflichen Lektoren und vor allem Korrektoren.

Und tatsächlich, nach all den Jahren hielt ich 2011 meinen ersten fertigen Roman in den Händen. "Und jetzt?" Da ich keine Lust auf Verlagsabsagen hatte, entschied ich mich dazu, mein erstes Buch im eigenen Verlag herauszubringen. So legte ich mit diesem Buch den Grundstein für die Nick-Francis-Reihe.

Doch bei dieser Buchreihe soll es nicht bleiben, denn noch viele keimende Ideen warten darauf, großgezogen zu werden ...

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