der weihnachtshund
Hallo Freunde, heute habe ich euch ein besonderes Foto von mir mitgebracht. So dämlich sah ich nämlich zum Nikolausabend aus! Zum Glück habe ich das und die fetten Feiertage einigermaßen gesund und munter überstanden. Von ein paar kleineren Blessuren abgesehen. Und darüber wollte ich lieber schweigen ... aber es kommt immer anders als man denkt.
Keiner kann sich vorstellen, was bei uns los war. Das mit dem Welpen … Verzeihung, Sohn … ist keiner Erwähnung wert. Noch schläft er viel, trinkt und stinkt gelegentlich. Naja, oben rein und unten raus … Ihr wisst
schon, was ich meine. Aber sonst haben sich gewisse Ereignisse überschlagen. Nachdem alles zur Ruhe gekommen ist, treffe ich mich heute wieder mit meinem besten Kumpel. Tratschen, Erfahrungen austauschen und möglicherweise mit einem heißen Flirt ein Mädel aufreißen. Auf alle Fälle die Hundepost lesen. Man muss doch auf dem Laufenden bleiben. Ich werde mal an der Terrassentür kratzen, vielleicht darf ich dann raus.
Da reibe ich mir gleich die Pfoten, denn es hat gut geklappt. Schon beim ersten Kratzer hat mich mein Herr rausgelassen, damit ich nicht lästig werde. Hihihi, der Sohn schläft gerade. Und da vorne am Gartenzaun steht
MOPS. Als ob er auf mich gewartet hätte. Schnell noch ein hohes Bein und eine Markierung. „Wuff, Schnauz, wie geht es dir nach diesen unsäglichen Tagen?“ „Bei uns ging es drunter und drüber. Besonders die Tage von Weihnachten und Silvester hab ich zu spüren bekommen.“ „Wie meinst du das?“ „Wenn ich nicht so robust wäre … aber schau mal, da vorne stehen auch BOBO, SWIRL und STANISLAUS. Kann es sein, dass die anderen im kleinen Park sind? Dann muss ich nur einmal erzählen.“
Nun sind wir zu fünft auf dem Weg in den kleinen Park. Tatsächlich treffen wir dort hinter einem großen Busch die anderen unserer Clique, nämlich CHEROKEE, MUCK
und QUADRO. Nach einer ausgiebigen Begrüßung, einigen Nachrichten für die Hundezeitung und einer kleinen Balgerei wollen alle wissen, was ich so erlebt habe. Die müssen mir das am Gesicht angesehen haben, dass es viel zu erzählen gibt. MUCK, der Kater, wischt mir auffordernd mit der Pfote durchs Gesicht. „Los, erzähl schon. Ich platze fast vor Neugier!“ Seiner Aufforderung komme ich natürlich gerne nach.
„Es war der Weihnachtsabend. Zum Abendspaziergang war keine Zeit. Festvorbereitungen, haben sie zu mir gesagt und mich nur in den Garten geschickt. Und jetzt nahm das Schicksal seinen Lauf.“ „Mach es nicht so spannend.“ SWIRL hüpft herum
wie ein kleiner Gummiball. „An dem großen Nussbaum im Garten saß mäuschenstill ein rotes Eichhörnchen. Als ich näher kam, rief es mir dann zu: „Fang mich doch“. Ihr wisst, dass ich da nicht widerstehen kann. Aber ein Eichhörnchen zu fangen, das grenzt an Hexerei. Natürlich hab ich es nicht erwischt. Stattdessen rauschte es über dem Baum am Himmel. Und was sah ich da?“ Die anderen machen große Augen. QUADRO brummt: „Was haste denn gesehen? Etwa schwarze Sterne?“ „Ich hab einen Schlitten gesehen, der fliegen kann. Und darauf saß so ein Kerl im roten Mantel, wie ich ihn schon auf dem Weihnachtsmarkt beobachtet hatte. Und vor dem Schlitten flogen große Hunde. Die trugen irgendwelche Äste auf dem Kopf. Und
einer hatte eine rote Nase.“ Da lacht CHEROKEE ganz laut, tippt sich mit der Pfote an die Stirn: „Äste auf dem Kopf! Du bist nicht bei Verstand.“ „Ruhe bitte, und lasst mich weiter erzählen. Ich rannte einige Zeit mit ihnen mit. Dann sah ich den Mann im roten Mantel etwas in die Kamine werfen. Das kann ich doch auch, hab ich mir gedacht. Und dann hinaufgerufen: „Hallo, kann ich da mitmachen?“ Die Tiere mit den Ästen auf dem Kopf lachten laut, aber der Mann in Rot hat gemeint, dass ich es versuchen kann, wenn ich aufs Dach komme.“ „Du und aufs Dach! So etwas kannst du nicht“, lachen BOBO und die anderen. „Glaubt es mir ganz einfach. Das Eichhörnchen war plötzlich wieder da. Es
plusterte sich mächtig auf und rief, ich solle seinen Schwanz zwischen die Zähne nehmen und dann würde es gelingen mit dem Dach. Ich habe natürlich kräftig mit den Pfoten geschoben, das Eichhörnchen hat gezogen und dann standen wir beide plötzlich auf dem Dach. Oh Gott, war das hoch oben. Ich hatte Herzrasen und bekam Atemnot. Nur schnell wieder hinunter, dachte ich mir. Da sagte der Mann in Rot: „Hier ist ein Päckchen für euch. Wirf es in den Kamin.“ Er drückte es mir zwischen die Pfoten. Dann traten die Schlittentiere mit ihren Hufen nach mir. Die hatten es eilig und ich fiel kopfüber in den Kamin …. Ihr braucht nicht zu lachen. Das hätte euch auch passieren können. Und es muss sehr komisch ausgesehen haben.“
Alle stehen herum und amüsieren sich auf meine Kosten. Das finde ich nicht fair. Aber so sind sie halt, meine Kumpels. „Nun erzähl schon weiter. Das kann doch nicht alles gewesen sein“, meint MOPS. „Natürlich war das nicht alles. Während ich kopfüber durch dieses dunkle Loch stürzte, staubte es und ich bekam keine Luft mehr. Der Aufprall auf den Holz- und Ascheresten war echt schmerzhaft. Ich musste wohl aus Leibeskräften geschrien haben, denn Herrchen und Frauchen waren sofort zur Stelle. Und die lachten und hielten sich die Bäuche. Mir war nicht nach Lachen, das könnt ihr mir glauben.“ „Und das Ende der Geschichte: Flieg nicht mit dem
Weihnachtsmann“, grinst altklug MUCK.
Die anderen stellen aufmerksam die Ohren, als ich weiter erzähle: „Zum Glück war das Kaminfeuer schon aus. Ich weiß nicht, wie es sonst ausgegangen wäre. Auf alle Fälle hob mich Frauchen mit mitleidigem Blick aus dem Kamin und trug mich ins Bad. Herrjeh, was war das für ein Anblick im Spiegel! Mein schönes, silbrig glänzendes Haarkleid war nun schwarz und mir tränten die Augen. Ruckzuck duschte mich Frauchen mit ihrem verführerisch duftenden Waschmittel, dann der warme Föhn! Ich habe es voll genießen können. Aber Herrchen schimpfte, ich solle in Zukunft nicht mehr im warmen Kamin schlafen. Wenn die gewusst hätten, wie das
alles passiert ist … Übrigens, das Päckchen lag sauber unter dem Weihnachtsbaum. Frauchen hat es mir dann gezeigt und gemeint, ich müsse wohl auch heftig geträumt haben.“ Die ganze Rasselbande lacht wieder und QUADRO brummt: „Tisch bitte keine Lügenmärchen mehr auf. Ein lebenserfahrener Hund wie ich nimmt dir die Geschichte erst gar nicht ab.“
Als aufgrund der milden Temperaturen ein Eichhörnchen durch den Park flitzt, kann ich schnell meine Freunde ablenken. „Da seht ihr, der Kerl war‘s, der mir das eingebrockt hatte.“ Diesmal lachen wir alle. Natürlich habe ich den guten Vorsatz gefasst, dass mir so etwas nicht wieder passiert. Und ich werde
auch nie wieder Weihnachtsmann spielen, versprochen. „Und wie waren sonst die Weihnachtstage für dich?“
Da erzähle ich ihnen, dass ich Geschenke bekommen habe: einen Korb voller Hundeleckerli mit Knabberstangen gegen Zahnstein und Mundgeruch … da musste ich lachen! Das und die neue Leine kann ich noch tolerieren. Über den nächsten Geschenken liegt der Mantel des Schweigens: ein roter Schal … igitt! … ein Schneeanzug und Stiefel! Dass die mich so verkleiden, da lachen mich doch alle aus! So werde ich sicherlich nicht herumlaufen. Die Menschen sind wahrlich sehr verrückt.
Dann bitte ich auch die anderen zu erzählen, was sie erlebt haben und welche Geschenke sie erhielten. Das ist teilweise noch viel schlimmer als bei mir. Und ich dachte immer, dass deren Menschen nicht so verrückt sind. Die armen Kerle erhielten sogar teilweise Federbetten und Schlafanzüge! Das ist wirklich krass. Wir sind doch keine Menschen. Plötzlich ruft es von der anderen Straßenseite Hallo herüber. Es ist eine hübsche, braune Pudeldame. Aber die benimmt sich so geziert. Ob die in unsere Clique passt? Ich überlasse sie lieber gleich den anderen. Die umringen sie sofort, weil sie so schön animalisch duftet. Im Aufreißen von Frauen sind einige wirklich groß. Ich
zwinkere MUCK und QUADRO zu und wir verlassen den Park. „Tschüs Kumpels, bis demnächst.“
Auf dem Weg nach Hause wollen meine Begleiter wissen, wie wir – meine Herrschaften und ich - den Altjahrsabend verbracht haben. Und die folgende Geschichte darf ich ihnen um keinen Preis vorenthalten: „Naja, zuerst war es richtig langweilig. Der Sohn schlief, meine Herrschaften saßen vor dem Fernseher und amüsierten sich über so einen Blödmann, der ständig über einen Tigerkopf stolperte. Ich hatte inzwischen eine Riesenschachtel mit Schnapspralinen entdeckt und konnte diesem verführerischen Duft nicht
widerstehen.“ MUCK und QUADRO grinsen sich derweil vergnügt an. „Ihr wisst etwa schon, was passiert ist?“ Beide schütteln heftig ihre Köpfe.
„Nun, ich fasste gaaaanz vorsichtig die Schachtel mit meinen Zähnen und bugsierte sie geräuschlos in Richtung Kinderzimmer. Die Tür stand auf. So konnte ich mich in aller Ruhe über die süßen Köstlichkeiten hermachen. Der Film war wohl zu Ende, meiner Familie war es zu still im Raum und ich musste zeitlich gesehen nochmals vor die Tür. Herrchen fand mich über die leere Schachtel gebeugt. Ich wollte ihn begrüßen, aber das wurde nix. Herrchen kam gar nicht zum Schimpfen, stattdessen lachte er, bis ihm
die Tränen über die Wangen rollten. Ich weiß gar nicht wieso. Mir rutschten die Beine weg, ich fiel von einer Seite auf die andere, nichts bekam ich unter Kontrolle, ich rollte mit den Augen, weil das Zimmer tanzte … dann torkelte ich herum und fiel hin.“ „Und was geschah dann“, maunzt MUCK grinsend, während QUADRO vergnügt mit den Augen rollt.
„Am nächsten Morgen bin ich auf meinem Hundebett aufgewacht. Um meinen Kopf hatte ich einen roten Schal gewickelt und einen Eisbeutel. Jetzt weiß ich endlich, was ein Katzenjammer ist. Frauchen brauchte mir nichts zum Fraß hinzustellen. Ich hatte nur riesigen Durst!“ Da lachen meine Begleiter
schallend. Ich lache auch mit, weil mir beide vorspielen, wie ich mich nach den Alkoholpralinen wahrscheinlich benommen habe. MUCK bleibt plötzlich stehen, wendet sich mir zu und meint: „Gut, dass wir gegangen sind. Die braune Dame ist in der Stadt bekannt. Sie spinnt Intrigen aller Art und lässt es immer auf Nachwuchs ankommen. Tschüs, Kumpel.“
Ehe ich recht verstanden habe, stehe ich alleine auf der Straße. Zum Glück haben Herrchen und Frauchen wegen der Pralinen nicht mit mir geschimpft. Aber ich muss sehr krank gewesen sein, weil mich Frauchen drei Tage nicht aus den Augen gelassen hat. Herrchen sah es wohl etwas weniger
dramatisch.
So, und jetzt trolle ich mich auch. Bis zum nächsten Mal.
©HeiO 09-01-2015
Fortsetzung folgt!