Teil 1
Es ist Sonntagnacht und ich sitze wie oft in letzter Zeit todmüde aber eben auch hellwach und nervös in meinem Bett. Wenn ich dran denke was so in den nächsten Monaten alles auf mich zukommt, kriege ich Herzrasen. Momentan kann ich leider nicht definieren ob es panische Angst ist oder Vorfreude. Aber ich arbeite dran. Mit diesem Text.
Am Tag meiner Abiturzeugnisvergabe sprach unser Direktor vorwarnend all die Verpflichtungen die wir der Gesellschaft gegenüber haben an. Irgendwie hat man das mit einem
überheblichen lächeln abgetan und sich gefragt warum man nicht einfach mal nur den Moment betonen kann. Ein Moment für den meine Eltern gelitten haben und ich noch viel mehr. Jetzt merkt man aber so langsam wie wahr es doch ist, dass man eine Verpflichtung hat. Wem Gegenüber genau, da kann man sich wohl streiten. Gott ist zum Beispiel nicht mein Favorit, der Wille ist allerdings da Religion als Lebenskonzept zu akzeptieren. Da wäre dann noch das große Wort FAMILIE, wo man leise die Verpflichtung im Echo nachhallen hört. Aber auch hier wäre es wohl nicht fair zu behaupten, dass dies ein Wegweiser für mein Handeln sei.
Vielmehr scheint es mir ich selbst bin Diejenige die Druck aufbaut. Ich will ach so viel erreichen und alles gemacht haben was man eben so machen kann, oder vielleicht sogar machen muss, um mal Selbstvorwurfslos in Rente gehen zu können. Und deswegen sitze ich hier nachts im Bett und tippe statt ruhig zu schlafen. Weil ich endlich ein Ventil brauche. Ein Ventil was alle meine Gedanken ableitet, damit ich diese mit einem Gehirn frei von Druck im Nachhinein mal irgendwann sortiert bekomme.
Ich bin Studentin. Natürlich keine Standartstudentin, die auf ein BWL Abschluss hofft, mit 3 Monaten
Semesterferien und tausenden von Mitstudierenden und Potentiellen Freunden. Nein ich habe Beschlossen eine Privatstudentin zu sein. Mit sechs Wochen Semesterferien. Und 30 Leuten in einer Klasse, alle noch gestörter und egomanischer als ich selbst es bin. Soll aber nicht heißen, dass ich das Studium nicht genieße oder meine Entscheidung bereue. Internationales Hotelmanagement scheint trotz einer etwas beliebigen jedoch überzeugten Spontan-Entscheidung das Richtige für meine Zukunft zu sein. Ich kann reisen. Ich kann hart arbeiten, wenn ich will. Und ich kann jede Menge Alkohol reinkippen zu Zwecken der
Weiterbildung. Was gibt’s Besseres?
Jedenfalls wollte ich darauf hinaus, dass ich gerne unkonventionelle Wege gehe. Ungewollt versteht sich. Das Privatstudium erschien mir ein erster Sinnvoller Schritt um möglichst schnell möglichst erfolgreich zu werden. Und das schwirrt leider zwischen meinem Unterbewusstsein und meiner Selbstverantwortung rum… SEI ERFOLGREI UND UNABHÄNGIG. Klappt noch nicht so gut bisher.
Nun ja, wenn man erfolgreich sein will kommt man ja heutzutage nicht mehr um Auslandserfahrung drum rum. Mein halbes Jahr Flucht aus pubertärem Alltag in Deutschland nach San Diego,
CA in die holy United States of America zählt leider nicht mehr seitdem das Jeder macht. Also inkludiert mein Studium, welches selbstverständlich in englischer Sprache stattfindet, 3 Semester Ausland. Erstmal egal wohin. Nur weg.
In 2 Monaten geht es los und ich hab natürlich noch keine ganz genauen Pläne; wäre ja auch zu einfach bei all dem inneren Ehrgeiz auch noch ein organisierter und nicht alllzu fauler Mensch zu sein. Bewerbungen für Praktikum laufen also noch und auch sonst ist irgendwie bisher nicht viel geregelt.
Aber jetzt geht ja auch erstmal die
Weihnachtszeit los. Die perfekte Zeit für gute Ausreden für ein zu gemütliches Leben.