Jugendbücher
Heute - Der einzig wichtige Tag

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"Zwischen Wollen und Können, Lieben und Hassen, Lachen und Lassen"
Veröffentlicht am 06. November 2014, 70 Seiten
Kategorie Jugendbücher
© Umschlag Bildmaterial: PunKStaR
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Was kann man über mich sagen, außer dass ich 21 Jahre alt bin und Belgier bin?! Vielleicht, dass ich gerne Gitarre und Klavier spiele, ab und zu Texte und Gedichte schreibe und mich leidenschaftlich gerne mit Komödien aller Art beschäftige. Ich studiere englische und deutsche Literatur in Lüttich. Ich arbeite gerne an Werken, bei denen ich etwas von mir selbst einbringen kann, aber ich bin auch sehr froh, wenn ich eine Kooperation mit ...
Zwischen Wollen und Können, Lieben und Hassen, Lachen und Lassen

Heute - Der einzig wichtige Tag

Vorwort

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Neuauflage meines Buches "In Vero Dolor est", welches im Jahr 2011 entstand. "Heute" ist in Form und Inhalt stark abgeändert, sowie stark verkürzt.


Wer trotzdem Interesse hat, sich die Originalfassung durchzulesen, ist deshalb auf das oben genannte Buch verwiesen.


Viel Spaß bei der Lektüre!

Intro

Leute kommen, Leute gehen, doch niemand verschwindet je ganz. Daran glaube ich fest. Ich würde es sogar als mein Motto sehen, nach allem, was zuletzt passierte. Wie kann sich in nur einem Jahr so viel ändern? Ich war ganz oben, doch alles hat sich geändert. Ich habe wohl einfach alles als zu selbstverständlich gesehen. Doch es kommt immer anders, aber das weißt du ja sicherlich. Ich will dich nicht zu lange aufhalten, doch bevor du mich verstehen kannst, musst du die ganze Geschichte gehört haben. Vorher kannst du nicht verstehen,

warum der heutige Tag für mich so entscheidend ist. Die ganze Geschichte fing im August an, am 15. So steht es zumindest in ihrem Tagebuch:

15. August Ich weiß jetzt, auf welche Schule ich ab September gehen werde. Die Humboldt wird’s, und ich bin so glücklich darüber. Ich konnte einfach nicht länger an der alten Schule bleiben, es hätte mich einfach zu sehr verletzt. Ich freue mich drauf! El.

The same Procedure

Es war ein erster September wie jeder andere 01/09 auch. 'Die Wiederaufnahme der Schultätigkeit' - ein passend freudloser Begriff. Doch ich freute mich auf diesen ersten September, auf diesen ersten Schultag, denn es war der letzte. Noch ein Jahr auf der Schule, dann konnte ich endlich auf die Uni. Doch erst galt es, das Jahr zu überstehen.

Ich saß zusammen mit Garry im Bus. Wir beide kannten uns schon ewig. Er war ein guter Mensch, der gelegentlich mal mit mir ein wenig Spaß am Leben fand. Seine Mutter fand, ich sei ein

schlechter Einfluss, doch was wusste die von Freundschaft? Sie mochte ja nicht einmal ihren eigenen Mann… Garry und ich redeten über die Schule und darüber, wie wir den „Newbies“ auf den Zahn fühlen konnten. Garry fühlte sich oft schlecht, wenn ich Spaß hatte und den Neuen etwas das Leben erschwerte, doch er genoss es sicher auch, so mächtig an der Schule zu sein. An dem Morgen meinte er zu mir:

„Echt Mike, irgendwann gerätst du an eine Person, die dich plattmacht, und das geistig, körperlich kennst du das ja.“

Er hatte schon Recht damit, ich hatte

schon oft aufs Maul bekommen, weil ich nicht wusste, wann ich ruhig zu sein hatte, doch man lebt schließlich nur einmal, oder? Also antwortete ich:

„Ja, und wenn dieser Tag kommt werde ich damit aufhören Leute zu ärgern, aber bis dahin lass mir den Spaß und genieß die Show!“

Dann setzte sich jemand Neues zu uns in die letzte Reihe. In u n s e r e letzte Reihe! Doch der Kerl war nicht irgendwer, der sah aus als hätte man ihn direkt aus der Muckibude in den Bus geschleppt. Ich entschied mich, einfach Mal nett zu sein und stellte mich vor.

Der Wandschrank hieß Mark und war ganz ok, wie sich herausstellte, deshalb klärte ich ihn auf: „Ich bin hier der Platzwächter. Hier hinten kommen nur die Guten hin. Du bist gut.“

Garry hielt traditionell seiner Freundin den Platz frei. Aber was heißt traditionell, der Junge hatte einen Frauenverschleiß wie kaum jemand an der Schule. In regelmäßigen Abständen hieß es dann ‚Es hat halt einfach nicht gepasst‘. Die neueste Dame seines Herzens war aber ein ausgesprochen dummes Modell. Ich konnte deshalb nicht darum, sie anzusprechen, als sie in den Bus

kam: „Was, du noch immer hier? Wie alt bist du jetzt, 26?“ „21, Garry-Schatz, willst du ihn so mit mir reden lassen?“

Es war tragisch und lustig zu sehen, wie der arme Garry von seiner Freundin rumkommandiert wurde. Irgendwie tat er mir leid, aber hey‘, das ist der Preis, den man für eine Freundin wohl bezahlen muss.

In der Schule angekommen war es furchtbar langweilig. Immer diese ersten Tage an der Schule, ich hasste das. Als wir uns dann traditionell vorstellen

sollten – als hätten wir uns nicht eh schon alle gekannt – fiel mir dann auf, dass jemand Neues dabei war. Ihr Name war Elena und sie kam ziemlich arrogant rüber. Ich mag keine arroganten Leute, deshalb beschloss ich, sie mal auszutesten. Garrys Meinung zu ihr war – typisch Garry: „Sie sieht nett aus.“ „Wow, du hast echt ein Händchen für Frauen, ich seh‘ die Arroganz doch“, antwortete ich ironisch. „Sie ist hübsch.“ „Du hast Recht. Sie muss nett sein, sie hat Brüste. Und die zeigt sie ziemlich gekonnt allen Leuten im Umkreis von – ach was, allen die nicht blind

sind!“ „Mike, sei doch nicht blöd“, fuhr Garry dazwischen, doch ich machte weiter: „Genau, die Dinger sieht sogar ein Blinder.“ „Hast du dich schon Mal gefragt, warum du Single bist?“, versuchte er Ironie anzusetzen, doch bevor ich antworten konnte, stand schon Elena neben mir:


„Du weißt, dass ich dich von da hinten hören kann?!“ „Du weißt, dass man dich nicht ernst nimmt, wenn du dich so anziehst?“, antwortete ich clever. „Du bist ein Arsch. Lass mich einfach in Ruhe und halt deine Kommentare bei dir,

verstanden? Keiner brauch sowas wie dich.“

Autsch, das hätte wohl wehtun sollen, aber das tat es nicht. Nicht an diesem Tag, ich war in Bestform. Als ich später in der Mittagspause mit meinen Freunden redete, fragte ich Garry und Mark, ob ich es nicht bei Elena probieren sollte. „Die hasst dich. Und sie ist ziemlich beliebt bei den Kerlen. Entschuldige dich mal lieber bei ihr.“ „Entschuldigen? Will er mich verspotten?“, fragte ich Mark. Der antwortete ziemlich knapp: „Ihr zwei braucht ‘ne Paartherapie.“ „Vielleicht sollte ich jemanden Fragen,

der Ahnung von Frauen hat. Garry?“ „Ja?“ „Wenn ich die Person gefunden habe, sag ich dir Bescheid, du brauchst sie mehr als ich.“ Daraufhin ging er etwas gekränkt weg. Der Rest des Tages war nicht sehr aufregend. Ich dachte noch lange nach der Schule über Elena nach. Sie ging mir kaum aus dem Kopf, sie war tatsächlich hübsch.

You cant always get...

Ich will ehrlich sein: Zu Elena so ein Arsch zu sein war nicht wirklich gut, das weiß ich heute und das wusste ich auch schon damals. Doch irgendwas machte mich stolz, wenn ich die Menschen in Gesprächen kontrollieren konnte. Nach dem ziemlich missglückten Start mit Elena versuchte ich, weitere Treffen zu vermeiden. Leider kam sie auf mich zu – wenig freundlich und ziemlich direkt: „Wirst du dich bei mir entschuldigen?“ „Ehrlich gesagt hatte ich daran gedacht, ‚Hallo‘ zu sagen.“ „Also nicht“, motzte sie und wollte sich schon herumdrehen, als ich sie

ansprach: „Warte, ich weiß ich bin nicht wirklich nett herübergekommen, aber ich habe meine Art, das macht mich zu dem, der ich bin.“ „Der, der du bist, ist ein Arsch.“ „Du bist hübsch.“ Fast schon entsetzt drehte sie sich herum und ging weg. Ich hatte mich wirklich fantastisch zum Idioten gemacht. Ich kam schon immer schlecht mit Frauen zurecht. Dass mich das Thema Elena beschäftigte wurde auch dadurch klar, dass ich quasi die gesamte Busfahrt über sie redete. Garry meinte nur „Pech gehabt“, was wohl die Wahrheit zu sein schien. Am nächsten Tag kam Garry zu mir und

erzählte mir, dass er sich Sorgen mache, da Elenas Vater Polizist ist und ich so Ärger bekommen könnte. Ich antwortete ruhig darauf: „Das sollte mich nicht sonderlich beunruhigen.“ „Was? Nein, natürlich nicht, es ist ja nicht so das du im Vollrausch in das Haus eines Mädchens eingebrochen wärst und ihren Laptop gehackt hast, nur um herauszufinden ob sie dich mag.“ „Aber glücklicherweise war ich den ganzen Abend bei dir, nicht wahr?“ Garry schien nun genervt zu sein: „Ich meine nur. Mach keinen Mist, ich box dich nicht noch Mal raus.“ Aber mich beschäftigte die Sache

wirklich sehr, sodass ich beschloss, erstmal allen Leuten, besonders Elena, aus dem Weg zu gehen, um Ruhe zu haben. Ich war beunruhigt und fragte mich, ob ich nicht die Loyalität meines Freundes überstrapazierte, er war schließlich mein einziger Freund.

20. September Dieser Kerl ist echt das Allerletzte. Erst macht er mich blöd an, dann macht er auf nett und versucht sich bei mir einzuschleimen. Ich hoffe wirklich, dass er mich in Ruhe lässt. Ich denke ernsthaft darüber nach, meinen Vater zu fragen, ob der nicht etwas zu ihm weiß. Denn diese Arroganz macht

den Eindruck, als würde er schlimmeres kennen, als nur plumpe Anmachen.

Es fängt an

Mit der Temperatur ging es bergab und so auch mit meiner Laune. Während ich stur über Elena nachdachte, ließ ich völlig aus den Augen, dass ich mich ja noch immer bei ihr hätte entschuldigen können. Doch mein Stolz ließ das nicht zu. Ich wollte sie für mich gewinnen, ich wollte einfach nur gewinnen – auf ganzer Linie. Das funktionierte aber nicht. Elena mochte mich nicht nur nicht, sie machte sich auch über mich lustig. Das kannte ich nicht. Ich wusste zwar, dass man sich bei den Sportlern über mich gerne Mal lustig machte, doch die

Gründe waren immer oberflächlich. Sie jedoch machte sich über mein Ganzes, über mich als Menschen lustig. Die Folge war ziemlich simpel: Ich verlor Stück für Stück meine Position als der Anführer der Klasse. Anstatt zu kontern, nahm ich das immer wieder hin. Garry und die anderen, die noch hinter mir standen, verstanden das nicht. Verdammt, ich verstand es ja selber nicht. Eines Nachmittags kam sie zu mir und fragte mich, ob ich bereit wäre, mich zu entschuldigen. Meine Antwort war: „Warum sollte ich? Um dein Ego zu füttern? Weil du immer über jeden die Kontrolle haben musst?“ Ich war mir

nicht sicher, ob ich nicht zu mir selbst in der Situation sprach. Der Effekt war aber katastrophal: Sie machte mich jetzt bei jeder Möglichkeit fertig. Ich jedoch hatte den Moment zum Kontern verpasst, jetzt standen die Wenigsten noch hinter mir, die meisten aber lachten nur noch über mich. Ich war ein Außenseiter geworden. Die Waffen, mit denen ich mich immer an der Spitze behauptet hatte, waren nun wertlos geworden. Immer öfter schwieg ich nur noch. 


10. November Ich fühle mich richtig schlecht. Ich mache Mike so oft fertig, dass ich das

Gefühl habe, eine regelrechte Mobbing-Welle gestartet zu haben. Das wollte ich aber nicht, ich wollte ihn nur dazu bringen, seinen Fehler einzusehen. :(

Es scheint so weihnachtlich

Es ging auf Weihnachten zu, der Schnee rieselte auf die Erde, sie schien mich zu hassen und mein Ruf ging den Bach runter, aber mit meiner Laune ging es bergauf. Mir begann, alles egal zu sein. Das hatte aber einen eher negativen Effekt auf meine Noten. Die wurden nämlich unterirdisch. In der Scheinwelt der Schule, in dem man nur cool zu scheinen hat, um es zu sein, wurde für mich unwichtig. Stattdessen fokussierte ich mich auf ein Hobby, dem ich zu lange nicht mehr nachgekommen war: der Gitarre. Ich hatte einen Kurs begonnen und da

ich relativ erfahren war, durfte ich auch bei einem kleinen Weihnachtskonzert mitspielen. Dort lernte ich Johanna kennen. Sie war im selben Gitarrenkurs wie ich und spielte ebenso bei dem Konzert mit. Wir verstanden uns direkt gut. Es war lange her gewesen, dass ich mich mit einem Mädchen gut verstand. Vielleicht lag es daran, dass ich kein Interesse daran empfand, mich als überlegen darzustellen, den Glauben daran hatte ich schon lange begraben. Die Weihnachtsferien waren dementsprechend: Wenn ich nicht gerade mit Johanna sprach, dann blieb ich zu Hause, war praktisch von der Bildfläche verschwunden. Das machte ich aber

generell in allen Ferien. Ich brauchte einfach nach einer langen Zeit des „Cool“-Seins eine Zeit, in der ich einfach Ich-Selbst sein konnte. Garry nahm das nicht so gut auf, das tat er nie. Er wollte mit mir reden, offen und ehrlich – als ob ich das könnte. Nach einem Gitarrenunterricht ging ich mit zu Johanna, wo wir, wie eigentlich immer, über so viele Dinge redeten. Wir waren uns wichtig geworden, da wir eigentlich kaum etwas miteinander zu tun hatten und somit objektiv übereinander sprechen konnten. Das war aber vermutlich nur meine Sicht der Dinge. In diesen Momenten dachte ich dann auch weniger an Elena.


1.Januar Wow, was für eine Party gestern Nacht! Es war der Hammer. Ich habe Ronny kennen gelernt, einen echt tollen Kerl. Um Mitternacht hat er mich geküsst! Wie das wohl weitergeht :o Meine Beste meinte zu mir, er hätte mal was mit Drogen zu tun gehabt… Mein Vater würde ihn hassen! :(

Der Höhepunkt des tiefpunktes

'So, jetzt bin ich fertig.' An mehr dachte ich nicht, als ich in die Klasse kam und mir ein Pfeifkonzert mit Buhrufen entgegen stieß. Es war der erste Schultag nach den Ferien und mein geplanter Kampf gegen Elena war vorbei, bevor ich sie sah. Aber was sollte ich in dieser Situation tun? Sie ignorieren? Einfach grinsen als ob nichts wäre? Es totschweigen? Das hatte ich ja bisher immer gemacht. Ich stand einfach nur in der Tür - sprachlos. Ohne Worte ging ich an meinen Platz, aus deren Nähe sofort alle Reißaus nahmen. Es war schrecklich, ich wollte einfach nur

verschwinden, unsichtbar werden und mich irgendwo verkriechen, doch da war kein Ort an dem ich mich jetzt verstecken konnte. Ich war der Mittelpunkt der Klasse und trotzdem komplett ausgeschlossen. Dem Unterricht konnte ich einfach nicht folgen, mir ging einfach zu viel durch den Kopf. Was wäre gewesen, wenn ich mich entschuldigt hätte? Es hätte ganz anders laufen können, doch das war alles meine Schuld. Auch Garry ging auf Abstand zu mir. Er wollte nicht auch noch zum Opfer werden. Ich war wütend auf ihn, aber irgendwie verstand ich ihn auch. An seiner Stelle hätte ich wohl dasselbe

getan. Doch die Freundschaft war keinesfalls beendet, das wusste ich, nach dem ich mit ihm sprach. Er war noch immer rechtzeitig an meine Seite zurückgekehrt. Leider schien Elena gewittert zu haben, dass es mir noch nicht schlecht genug ging und entschloss sich, mich im Flur zu suchen – nicht ohne zwei Sportler. „Hör mal, Mike, ich wollte nicht…“ „Ohne die zwei Hohlbrote kommen, weil ich Angst habe?“ „Hör bitte auf damit, ich weiß, wie du dich fühlst.“ „Du weißt gar nichts. Sonst wärst du alleine gekommen. Es gibt nichts, was du mir sagen

könntest.“ „Hör mal zu, ich war wo du warst. Ich wollte nicht, dass das hier daraus wird, ich will dir helfen.“ „Ich will dir auch helfen Elena. Sende deinem Freund Ronny bitte keine solchen Fotos mehr auf dem Netzwerk. Vor allem nicht, wenn dein Passwort Elena123 ist.“ „Du Idiot“, murmelte sie, dann ging sie weg. Warum hatte ich das gesagt? Sie hatte die Macht, mich komplett zu zerstören und ich gab ihr noch Gründe dazu. Wenn sie es ihrem Vater erzählen würde! Ich fürchtete, ich hätte zu hoch gepokert. Niemand konnte mich in den nächsten

Tagen aufmuntern. Ich war am Boden, ich hatte das Kämpfen schon längst aufgegeben. Ich wollte einfach nur noch alles hinter mir lassen und neu anfangen. Doch wann immer ich Kraft und Hoffnung schöpfte, war es ein wirklich furchtbarer Tag, der mir die Kräfte raubte. Ich wollte nur noch, dass es aufhörte. Doch Mobbing verschwindet nicht so schnell, wie es auftaucht.

31. Januar Ich glaube, er will fertig gemacht werden.... Ich gehe doch zu ihm um ihm Hilfe anzubieten, doch er hat meinen Account geknackt und das mit den Fotos herausgefunden

:o Was, wenn er das meinem Vater erzählt? Oh man, habe ich plötzlich ein schlechtes Gefühl :( Dann kam auch noch Garry, Mikes Freund, den ich eigentlich mag, zu mir, um mich zu bitten, mit dem Mobbing aufzuhören. Aber Mobbing hört nicht einfach auf, das weiß ich seit dem Vorfall damals.

Wie wärs mal mit kämpfen?

Nach langer Zeit hatte Johanna mal wieder Zeit für mich gehabt. Ich erzählte ihr, wie kaputt ich war und wie schlecht es mir ging. Allerdings erzählte ich ihr nicht die ganze Wahrheit. Das war ein Fehler, denn ich ließ es so aussehen, als hätte mir Elena nie eine Chance gegeben. Die Sache mit den Fotos ließ ich ebenfalls heraus. Johanna war ganz auf meiner Seite: „Du musst dich wehren, du darfst niemals aufgeben!“ „Ich habe schon längst aufgegeben.“ „Das darfst du nicht, hast du es denn wenigstens

versucht?“ „Das bringt nichts, ich habe keine Macht.“ „Wie wär’s denn mal mit kämpfen?“ Ich sah sie an. Sie versuchte wirklich, mir Kraft zu geben. Doch so sehr ich das schätzte, es funktionierte nicht wirklich. Vielleicht lag das daran, dass ich sie belogen hatte. Ich versuchte bei ihr ein besonders negatives Bild von Elena zu erwecken. Vermutlich hatte ich Angst, sie auch noch an Elena zu verlieren. Als ich von Johanna nach Hause kam, wartete die nächste Überraschung auf mich. Meine Mutter erwartete mich mit einem Brief in der Hand. Offenbar hatte man sich in der Schule über meinen

starken Notenabfall gesorgt. „Du kannst so nicht weitermachen.“ „Das weiß ich selber.“ „Dann mach mal was dagegen. Lern gefälligst mehr für die Schule. Das ist schließlich das wichtigste für dich aktuell.“ „Ich werde das schon schaffen.“ „Ich will es hoffen, denn ich bin morgen früh zum Direktor bestellt worden.“ Das war sehr schlecht, denn es bedeutete, dass ich wirklich Probleme hatte. Ich hatte niemandem, der es nicht von alleine wusste, von der Mobbing-Geschichte erzählt. Sollte das rauskommen, würden mir wohl unruhige Zeiten zu Hause bevorstehen.

Und so kam es dann auch. Der Direktor hatte von den Lehrern erfahren, wie es in der Klasse um mich stand. Das war in der Tat schlecht – dachte ich. Doch meine Mutter sah das komplett anders. Sie war völlig auf meiner Seite. Vielleicht wäre das der Moment gewesen, ihr zu erzählen, dass ich es im Prinzip selbst verbockt hatte, doch ich tat es nicht. Mit ihrer vollen Unterstützung wurden die nächsten Tage zwar zu Hause erträglicher, doch in der Schule änderte sich wenig. Ich fühlte mich auch abgesehen davon nicht gut. Ich hatte das Gefühl, meine Freundschaft zu Johanna und ihr

Rückhalt sei auf einer Lüge aufgebaut.

Die sache mit dem Urlaub

In einer für mich schrecklichen Phase hatte ich beschlossen, mit Johanna und ihrer Familie in den Urlaub zu fahren. Das war zwar etwas spontan gewesen, aber es klappte ganz gut. Während des Urlaubs würde sich aber vieles ändern, was mich wünschen machte, nicht mitgefahren zu sein. Das erste Übel war, dass ich durch meine etwas spontane und sehr späte Zusage kein eigenes Zimmer hatte, also bei Johanna im Zimmer auf einem Feldbett schlief. Das war für mich etwas komisch, denn zwar waren Jo‘ und ich mittlerweile enge Freunde geworden,

doch es war komisch ihr so nah zu sein. Wir stellten uns tatsächlich beide sehr komisch an in den ersten zwei Tagen. Ich hatte das Gefühl, auch sie wusste nicht so recht, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Am dritten Abend waren wir zusammen an den Strand gegangen, der nicht weit von unserem Ferienhaus war. Dort redeten wir lange miteinander. Ich erzählte ihr, dass ich aktuell eine schlimme Phase hatte, in der kaum etwas Sinn zu machen schien. Dann umarmte sie mich. Das hatte sie noch nie getan. Ich mochte nämlich keine Umarmungen. Doch ihre fühlte sich gut an. Es war ein gutes Gefühl, jemanden auf meiner Seite

zu haben in dieser Zeit. Dann schaute sie auf das Meer, dass der Sonnenuntergang rot gefärbt hatte. „Ich bin immer an deiner Seite, wenn du mich brauchst.“ Darauf wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Sollte es der Versuch sein, mir zu sagen, dass sie mehr für mich empfand? Ich schaute sie nur an und lächelte milde, bevor ich leise „Danke“ sagte. Die nächsten Tage waren wir fast ausschließlich zusammen. Ich hatte tatsächlich Spaß in diesem Urlaub. Sie wusste wirklich, wie sie mich aufmuntern konnte. Und sie wusste immer, in welchen Momenten ich diese Aufmunterungen brauchte. Sie war eine tolle beste Freundin.

Am letzten Abend dort wollte sie noch einmal zum Strand gehen, um sich den Sonnenuntergang anzusehen. Als wir im Sand saßen, merkte ich, dass sie mich mehr als den Sonnenuntergang ansah. Ich sah auf das Meer und bemerkte: „Augenblicke sind so kostbar. Man sollte keinen, in denen man glücklich sein kann, verschwenden.“ Ich sah sie an. Sie küsste mich. Dann herrschte komplette Stille, in der wir uns ansahen. Das hatte ich nicht erwartet. Und ich wusste nicht, was ich tun oder sagen sollte. In einer Sekunde hatte sich alles verändert, die Stille war furchtbar.

Doch diese Stille hielt an. Denn ich wollte nichts sagen, dass sie falsch verstehen könnte oder negativ auffassen. Ich hatte in solchen Situationen einfach keine Erfahrung, die ich anwenden konnte. Erst, als wir zu Hause ankamen und ich aus dem Auto stieg, flüsterte sie mir „Ich denk‘ an dich“ ins Ohr. Die nächsten Tage konnte ich nichts anderes tun, als nachzudenken. Über sie, über mich, doch es hielt mich ab, über Elena und die Schule nachzudenken. Wie würde es weitergehen, was würde aus unserer Freundschaft?


3.April Ich weiß nicht, ob Ronny mich nun wirklich schlecht beeinflusst. Ja, ich gebe zu, dass die Sache mit den Fotos nicht so toll war. Aber ich bleibe meinen eigenen Prinzipien treu. Warum ich das sage? Ich habe Ärger mit Ronny gehabt. Er ist noch immer mit Drogen am Hantieren. Das habe ich einfach nicht verstanden, aber dann wollte er, dass ich es probiere, dann könnte ich’s verstehen!!! Ich weiß nicht, was aus unserer Beziehung werden soll :(

Mit einem Schluss fängt vieles an

Manchmal, wenn man verzweifelt ist, macht man die dümmsten Dinge. Doch an diesem einen Abend am 15. April ging es mir nicht gut. Es ging mir gar nicht gut. Manchmal fühlt man sich, als könne man nichts tun, als müsse man das extremste probieren. Als mir das Netzwerk dann die vergnüglichen Urlaubsfotos von Elena und ihrer Familie zeigte, war mir klar, was das war. Ich rief Garry an: „Wenn ich dir sage, dass ich heute Nacht bei dir war…“ „Was hast du vor?“ „Ich werde kämpfen, wie es mir alle gesagt

haben.“ „Was hast du vor, Mike?“ „Wir treffen uns in einer halben Stunde vor deinem Haus, das ist auf dem Weg.“ „Wohin?“, wollte Garry noch fragen, doch ich hatte bereits aufgelegt. Eine halbe Stunde später stand ich, spät in der Nacht, auf dem Bürgersteig vor Garrys Haus. Ich war sehr überrascht, als er tatsächlich aufmachte. Er sah mich kurz an, dann ging ich los, er folgte mir, wohl wissend, was ich vorhatte. Nach wenigen Minuten kamen wir zu Elenas Haus. „Als du auf ihrem Geburtstag letztens warst, was ist dir aufgefallen?“ „Woher weißt

du?“ „Du wolltest schon immer mit allen befreundet sein… Unwichtig. Seid ihr später alle irgendwohin gegangen?“ „Ja, es war aber nicht so toll, ich mochte es in ihrem Haus lieber. Sie hatte sturmfrei und es war ganz nett, mit den Leuten zu reden…“ „Garry, konzentrier dich. Als ihr gegangen seid, was hat sie da gemacht?“ „Die Tür abgeschlossen. Und dann ist sie hinters Haus, um zu sehen, ob da zu war.“ Noch bevor er Luft holen konnte, startete ich in Richtung Hintergarten. Dabei erklärte ich Garry leise: „Keiner, der von einer Hausparty weggeht, rennt nochmal ums Haus, um

nach den Türen zu sehen. Das macht man von drinnen. Aber wenn man saufen geht, verliert man gerne mal den Hausschlüssel. Deshalb ist es immer praktisch, den irgendwo zu verstecken. Das sollte auch für den Urlaub zutreffen.“ „Sowas machen nur die wenigsten.“ In dem Moment hob ich den Blumenkasten am Fensterrahmen an, unter dem sich zu meiner Freude ein Schlüssel befand. Zusammen mit Garry gingen wir zur Vorderseite des Hauses, das glücklicherweise freistehend und etwas abgeschieden war. Der Schlüssel passte. Erleichtert betrat ich das Haus. Ich schaltete das Licht an und sah mich

um, während Garry hektisch die Tür hinter sich schloss. „Ob die ‘was zu Essen im Kühlschrank haben?“ „Bist du bekloppt?“ „Stimmt, aber ich wollte ja eigentlich das Tagebuch.“ „Deshalb bist du also hier. Mike, glaubst du dir kann das noch helfen?“ „Was kann mir schon noch helfen? Wenn ich untergehe, Garry, dann mit wehenden Fahnen.“ Ich konnte sehen, dass er nicht mit mir Einverstanden war, doch darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen. Er zeigte mir etwas widerwillig den Weg zu ihrem Zimmer, wo ich mich erstmal zum

Schrecken Garrys auf ihr Bett setzte, um mich umzusehen. Ihr Zimmer hatte etwas Trauriges. Es gab nicht viele Fotos von Freunden, nicht viele Erinnerungsstücke. Es erinnerte mich an mein eigenes Zimmer. Doch meine Beobachtung wurde von Garry unterbrochen. „Was, wenn sie das Tagebuch mit in Urlaub genommen hat?“ „Es wird bestimmt ein älteres Tagebuch geben. Warum glaubst du, hat sie die Schule dieses Jahr gewechselt.“ „Leider hat sie mir nicht viel Persönliches über mich erzählt“, meinte Garry darauf sarkastisch, „und ich beginne zu verstehen, wieso.“ „Bingo!“, entsprang es mir, als ich eine

Schublade öffnete. „Ihr Tagebuch?“ „Ihre Unterwäsche.“ „Mike!“ „Unter der das hier begraben war.“ Ich hielt etwas hoch, das wie ein Tagebuch aussah. Ich setzte mich wieder auf ihr Bett und war kurz davor, es zu öffnen. „Bist du sicher, Mike, dass du das willst?“ „Sie hat mein Leben zerstört. Ich verdiene das hier.“ Garry nickte verlegen und setzte sich auf den Boden, während ich das Tagebuch öffnete und nach dem letzten Eintrag suchte, um ihn durchzulesen. Nach halber Lektüre klappte ich das Tagebuch zu und schaute

Garry an. Er nickte erneut, dann stand er auf und ging.

12. April Ich hasse das Alles hier! Wie kann alles in so kurzer Zeit den Bach runter gehen? Ich habe mit Ronny Schluss gemacht. Der Grund? Er hat die Fotos, die ich ihm gesendet hatte, auf irgendeine Seite hochgeladen. Ich kann nicht mehr! Bin ich tatsächlich so dumm? Ich habe NICHTS aus dem Vorfall damals gelernt! Wenn die Ferien vorbei sind, dann beginnt der Alptraum von neuem. Nur Mike kann wissen, wie ich mich jetzt fühle, doch er, mit dem ich so gerne sprechen würde dieser Tage, hasst mich.

4Eva Alone :‘(

Alles auf anfang

Es war der erste Schultag nach den letzten Ferien des Jahres. Doch es fühlte sich an, als seien Jahre vergangen. Nicht nur, seitdem ich das letzte Mal mit Johanna gesprochen hatte. Der Kuss hatte mich innerlich sehr durcheinander gebracht. Aber jetzt musste ich auch noch mit Elenas Worten klar kommen. „Der, mit dem ich so gerne sprechen würde“, die Worte gingen mir wieder und wieder durch den Kopf. Was würde jetzt überhaupt aus ihr werden? Hatte jemand die Fotos gesehen, außer mir? Diese Frage jedoch wurde mir bereits im Bus durch Mark beantwortet, als er mich

mit „Hast du die Fotos von Elena gesehen?“ begrüßte. Der Hohn und Spott der vergangenen Monate schien ob der neuen Attraktion völlig vergessen. Auch in der Klasse, wo ich ziemlich früh war, war es das Thema des Tages. Offenbar hatte jeder die Fotos gesehen. Als Elena in die Klasse kam, brach Jubel und Pfeifen aus. Elena wusste sofort, worum es ging. Sie sah sich um und entschied sich letztendlich dafür, sich neben mich zu setzen. Ich sah sie an, doch wir wussten beide, dass alle Augen auf uns gerichtet waren. Dann drehte sich einer der Schüler zu uns um und fragte: „Na, Mike, was sagst du zu Elenas Bildern?“ Da war es, dieses Lachen, dieser Blick

der regen Erwartung eines zynischen Kommentars von mir. Das hatte ich schon lange nicht mehr erlebt. Anstatt ihm jedoch einen Kommentar zu geben, entschied ich mich, überrascht zu tun und einfach zu sagen, ich hätte die Bilder nicht gesehen. Fast schon enttäuscht ließ er uns in Ruhe. Kurz, nachdem der Unterricht begonnen hatte, schob mir Elena einen Zettel mit ‚Danke‘ zu. Ihr Blick schien echte Betroffenheit auszudrücken. Die nächsten Wochen verliefen so, wie Elena es in ihrem Tagebuch erwartet hatte, sie wurde zum neuen Opfer. Die Kommentare gegen mich gingen dagegen zurück, was mich glücklich machte. Ich

fühlte mich jedoch schlecht, weil ich ihr nicht helfen konnte. Ich glaube sie musste einfach versuchen, irgendwie durch die Prüfungen zu kommen. Die Ergebnisse dieser Prüfungen wurden uns aber erst 2 Wochen nach den Prüfungen mitgeteilt…

Ein letztes Treffen

Das bringt uns zum heutigen Tag. Heute ist der Tag der Zeugnisvergabe. Dieser Tag ist ungeheuer wichtig für mich. Ich muss bestanden haben, denn alles andere wäre eine Katastrophe. Und ich bin so unfassbar nervös, denn meine Prüfungen sind alles andere als positiv verlaufen. Ich kam nicht über Johanna hinweg, die sich nun ihrerseits nicht mehr bei mir meldete und auch nicht mehr auf Nachrichten antwortete, bis gestern. Gestern hat sie mir geschrieben, sie wolle sich heute mit mir treffen. Heute Abend. In wenigen Minuten ist die Nacht vorbei.

Es scheint mir verrückt, dir all das hier geschrieben zu haben, aber es schien mir richtig. Sieh es als eine Art Tagebuch an. Wenn ich dir das Alles später heute gebe, dann hoffe ich, dass du es mit Bedacht liest und verstehst, warum ich so reagiert habe und warum ich in dieser Weise gehandelt habe. Ich habe von Anfang an nicht anders fühlen können. Ich liebe dich. M. Ende

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Hörbuch

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PunkSTaR
Was kann man über mich sagen, außer dass ich 21 Jahre alt bin und Belgier bin?! Vielleicht, dass ich gerne Gitarre und Klavier spiele, ab und zu Texte und Gedichte schreibe und mich leidenschaftlich gerne mit Komödien aller Art beschäftige. Ich studiere englische und deutsche Literatur in Lüttich.

Ich arbeite gerne an Werken, bei denen ich etwas von mir selbst einbringen kann, aber ich bin auch sehr froh, wenn ich eine Kooperation mit jemandem starten kann, denn zwei Köpfe sind bekanntlich schlauer als einer. So, das sind genug Infos soweit - das ist ja nicht Facebook.
MK

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