Romane & Erzählungen
Telefon (Teil sechs) - Serieller Onlineroman

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"Telefon (Teil sechs) - Serieller Onlineroman"
Veröffentlicht am 06. Oktober 2008, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Telefon (Teil sechs) - Serieller Onlineroman

Telefon (Teil sechs) - Serieller Onlineroman

Beschreibung

Während sich in Berlin düsteres zusammenbraut und die Finsterlinge langsam auf die Hauptstadt vorrücken, wollen wir keinesfalls vergessen, das es ja auch noch die deutsche studentische Jugend gibt; mithin vielleicht die einzige Hoffnung auf Zukunft, wer weiß ? __________ Wichtiger Hinweis: Zwischen Teil fünf und Sechs dieser Ruhrstadtsaga fand sích im Original-Manuskript ein Werbeblock, der hier nicht reproduzierbar ist. Der gewünscht psychedelische Effekt stellt sich aber auch bei intensiver Rezeption des Nachtsprogrammes von RTL 2 oder einem anderen, vergleichbaren TV-Programm ein. (Versuch auf eigene Gefahr!) .............................. Ich empfehle, den Text in der Reihenfolge zu lesen. Viel Spaß ! Titelbild :Raimond Spekking /Wikipedia GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Kapitel zwei: Charly Holmes und Sarah Watson

Noch nie hatte Sarah ihre beste Freundin so wütend gesehen. Eine eiskalte, erschreckende Wut, weniger spontaner Impuls als kalkulierte Erregung, viel tiefer gehend als die häufig heftigen emotionalen Ausbrüche, die Sarah von sich selber kannte. Charly war wirklich sauer.
Eigentlich hatte Sarah schon länger darauf gewartet, auch mal diese Seite ihrer Freundin zu entdecken, aber jetzt, wo sie beide in Charlies Auto zur Uni fuhren, um einige Formalitäten noch vor Beginn der Semesterferien zu erledigen, wünschte sie sich tief in ihrem Innern die unbeschwerte Leichtigkeit zurück, die sie beide sonst immer miteinander verband. Schon in der Schule galten sie als unzertrennlich und unerreichbar für alle anderen, insbesondere für die zahlreichen männlichen Verehrer, die die beiden Mädchen hartnäckig, aber ausnahmslos ohne Erfolg umschwärmten. Die enttäuschte Männerwelt behalf sich damit, das Gerücht zu streuen, Sarah und Charly ständen halt nicht auf Jungs. Die anderen Schülerinnen griffen diese Geschichten begierig auf, auch sie beneideten die beiden um ihre offensichtlich unerschütterliche Freundschaft. Sarah und Charly war das immer völlig egal gewesen, sie hatten einander und die anderen konnten reden, was sie wollten.

Nach dem Abitur gingen sie zwar getrennte Wege, denn während Charly sich schon lange ihrer Stärken im technischen Bereich bewusst war, strebte Sarah vorerst nur danach, ihre umfangreichen Sprachkenntnisse zu vertiefen, ohne genau zu wissen, wie sie dieses Talent einmal  einsetzen wollte.
Eine kurze Krise war über ihre Freundschaft herein gebrochen, als Sarah vor zwei Jahren ein Stipendium der Hebrew University of Jerusalem angeboten wurde. Sarah war damals zwei Monate in Israel gewesen und wäre beinahe für immer dort geblieben. Aber als sie bemerkte, der dann dort auch für sie geltenden Wehrpflicht nur durch Heirat oder Schwangerschaft entgehen zu können, nahm sie den nächsten Flieger nach Hause. Glücklicherweise konnte sie sich auch hier mit den arabischen und persischen Dialekten und gleichzeitig näher mit den zahlreichen indischen Sprachen befassen. Nach einiger Zeit war von dem kurzen Intermezzo nur noch die Erinnerung an einen verlängerten Urlaub am Mittelmeer geblieben.

Mittlerweile waren die beiden Freundinnen an der Uni angekommen, die ihren nun wieder gemeinsamen Lebensmittelpunkt darstellte. Sarah hatte noch einige Bücher in der Bibliothek zurückzugeben, während Charly ins Sekretariat musste. Danach trafen sie sich in der Cafeteria der Mensa wieder. Charly trank den üblichen Milchkaffee, während sich Sarah aus leidvoller Erfahrung mit der wirklich ungenießbaren Brühe, die hier als Tee bezeichnet wurde, mit einem Glas Wasser begnügte. Nach dem Austausch einiger Belanglosigkeiten hielt es Sarah einfach nicht mehr aus.
"Wie wollen wir das Schwein finden ?"
Charly legte den kleinen Keks, den sie gerade in den Kaffee tunken wollte, wieder aus der Hand und sah sie an.
"Zuerst sollten wir überlegen, was wir schon wissen."
Sarah zog ihren kleinen Notzblock aus der Tasche, während Charly aufzählte.
"Er macht sowas offenbar öfter, lebt vermutlich hier in der Stadt, hält sich für obercool und unterschätzt uns ganz bestimmt."
"Und wenn wir doch zur Polizei gehen ?"
"Die werden nur ein Protokoll schreiben und erst lachen, wenn wir wieder weg sind."
Dem war wenig entgegen zu setzen. Sarah malte einen kleinen Tapir auf den Notizzettel, während Charly den Keks verspeiste.
"Außerdem," fuhr Charly langsam fort, "hat er vorgestern Abend zwischen kurz vor zehn und halb elf den Chip an mein Auto geklebt."
Sarah schaute auf. Sie kannte diesen Ton. Gleich würde ihre Freundin eine Idee haben.
"Ich war um halb acht bei Oma, um zehn nach bei Dir. Kurz vor neun habe ich mit dem Arschloch telefoniert und cirka zehn vor zehn habe ich am Rathaus geparkt. Halb elf bin ich dort wieder weg, Zwanzig Minuten später war ich wieder bei Dir. Und gestern waren wir den ganzen Tag mit dem Wagen unterwegs."
Sie rührte zum fünften Mal ihren Milchkaffee um. Dann sah sie Sarah direkt ins Gesicht.
"Woher hatte er das Klebeband ?"
"Er hätte es dabei haben können."
"Möglich. Aber lass uns einfach mal davon ausgehen, dass er es kurz vorher gekauft hat."
Charly öffnete ihre Handtasche und suchte darin den Chip, bis ihr wieder einfiel, dass sie ihn in der Mittelablage ihres Wagens hatte liegen lassen.
"Komm lass uns los," sagte sie zu Sarah, während sie bereits aufstand, ihre Jacke anzog, sich ihre Handtasche und die Studienmappe griff.
"Was hast du vor ?"
"Das erzähle ich dir auf dem Parkplatz, komm jetzt."

Bei dem kleinen Buchkiosk erstand Charly noch schnell einen Stadtplan, den sie, beim Auto angekommen, auf der Motorhaube ausbreitete.
"Lass uns davon ausgehen, dass er zu Fuß oder mit den Öffis unterwegs war."
Sarah konnte nicht ganz folgen. "Wie kommst du darauf ?"
"Als er mich beklaut hat, war er ganz sicher zu Fuß unterwegs. Und wenn er Auto fahren könnte, hätte er wohl den Wagen mitgenommen."
Das war zwar nicht ganz schlüssig, aber Sarah nickte erstmal, um Charly nicht beim Weiterdenken zu stören.
"Hier," sagte Charly und machte dabei mit einem Bleistift ein Kreuz in den Plan," ist das Rathaus."
Sie drehte den Stadtplan um und markierte eine weitere Stelle auf der vergrößerten Innenstadtkarte.
"Hier stand mein Auto Dienstag abend."
Sie nahm ein kleines Stück Draht und einen winzigen Bleistiftstummel aus ihrer Tasche, drehte die Karte wieder um und machte eine dritte Markierung.
"Hier wohnen Oma und Opa."
Sie wickelte etwas Draht um den Bleistiftstummel, stellte diesen auf die Markierung, zog den Draht mit der anderen Hand bis zum ersten Kreuz und drehte den längeren Bleistift in den Draht hinein. Dann schlug sie mit dem improvisierten Zirkel einen Kreis.
Sie schloss den Wagen auf, nahm den immer noch in das Klebeband eingehüllten Chip heraus, wickelte den roten Streifen vorsichtig ab und klebte ihn sorgfältig auf einen Pappschnellhefter, den sie aus ihrer Mappe gezogen hatte.
Während sie mit einer kleinen Schere den Pappstreifen mit dem Klebeband vom Schnellhefter trennte, blätterte Sarah im Branchenführer.
"Wo würdest du Dienstag abends um halb zehn rotes Klebeband kaufen ?" fragte sie ihre Freundin, "Die Baumärkte machen schon um acht zu und in der Innenstadt ist nach neun auch fast alles geschlossen."
"Ich würde es zuerst an einer Tankstelle versuchen.", sagte Charly, während sie Material und Werkzeug wieder in die Tasche räumte.
"Innerhalb des Kreises sind acht Tankstellen." Sarah markierte die Positionen auf dem Plan.
"Dann lass uns mal ein paar Rollen Klebeband kaufen !"

Zwei Stunden später saßen sie in Charlies Wohnung am Küchentisch, vor sich acht Rollen rotes Isolierband drei verschiedener Marken. Nachdem sie den Farbton mit ihrem Streifen verglichen hatten, konnten sie fünf Rollen sicher ausschließen. Die drei übrigen trugen das Logo des TankFitkonzerns.
Wieder zogen sie den Stadtplan zu Rate.
"Falls er mit der U-Bahn zum Rathaus gefahren ist," sagte Charly," hat er es vermutlich vorher eingekauft."
Die meisten TankFit-Stationen lagen außerhalb des Innenstadtplans.
"Aber wenn er über die Kanalbrücke gegangen ist, wäre er auf dem Weg zum Rathaus genau hier vorbei gekommen," Sarah zeigte auf das südlichste der drei Kreuze." aber er hätte auch von Westen her zu dieser hier gehen können."
Charly schüttelte den Kopf. " Nein, da wäre er zuerst bei der AmericanPetrol in der Schillerstraße gewesen."
"Vielleicht mochte er die ja nicht ?"
"Ich denke, die an der Ringstraße können wir vergessen", fuhr Charly fort, "oder glaubst du, der läuft erst einmal durch den Tunnel und dann die zweihundert Meter zurück ? Der hat ganz spontan eine Idee gehabt und die erstbeste Möglichkeit genutzt, so wird das gewesen sein."
Ein Moment lang schauten sie beide auf den Plan, dann waren sie sich einig: Sie brauchten einen Job für die Semesterferien. Am besten bei der TankFit an der Kanalbrücke.
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Hagenbaeumer

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Hagenbaeumer Re: Hui, -
Zitat: (Original von tinimini am 15.06.2009 - 04:27 Uhr) genialer Plan! Bin gespannt, wie es weitergeht!

Toll geschrieben; richtig fesselnd!

Liebe Grüße,
Katrin


Herzlichen Dank !

Bald sind Ferien und dann schreibe ich das Ende, aber es sind ja noch einige Folgen hier zu lesen, angenehme Lektüre !
Vor langer Zeit - Antworten
tinimini Hui, - genialer Plan! Bin gespannt, wie es weitergeht!

Toll geschrieben; richtig fesselnd!

Liebe Grüße,
Katrin
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Schnelle ... - Reaktion, lieber Matthias. *grins*

lg
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
Arachova ... - hab´s gelesen
Vor langer Zeit - Antworten
gaethke Schund - Das war keineswegs abwertend gemeint. Aber bitte, nennen wir es "Trivialliteratur". Vielleicht wird ja noch ein Bestseller draus. Naja, aus den Folgewerken, dieses kann man ja noch kostenlos lesen.
Vor langer Zeit - Antworten
Christina_Maverik ;-) - ..gaaanzzz clevere Mädels ;-)
Klasse, wie Du diesen Plan der beiden entworfen und in Worte gebracht hast..
LG Christa-tina
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Hagenbaeumer Synonyme für "Schund" - Plunder,Ausschuss, Ramsch, Tand, Abfall, Altwaren, Dreck, Ladenhüter, Tandwerk, Unrat, Alteisen, minderwertige Ware, schlechte Ware, Kram, Mist,Kitsch

Vor langer Zeit - Antworten
Hagenbaeumer Re: Wann kommt er denn? -
Zitat: (Original von gaethke am 07.10.2008 - 14:02 Uhr) Ich bin sowas von gespannt wie es weitergeht, ich liebe gut gemachte Schundliteratur!


So So , Schund also, hmmmmmm.
Nun gut, ich zitiere mal die Wikipedia:
"Schundliteratur ist ein Begriff, mit dem angeblich unmoralische oder verderbte Literatur angeprangert wird. Zur Zeit des den Begriff prägenden Schmutz- und Schundgesetzes der Weimarer Republik von 1926 ging es vor allem gegen Romane oder Druckwerke mit unverhohlem sinnlichem Inhalt. Die Definition von ?Schund? hat sich seitdem verändert, der Begriff hält sich aber weiterhin."
Vor langer Zeit - Antworten
gaethke Wann kommt er denn? - Ich bin sowas von gespannt wie es weitergeht, ich liebe gut gemachte Schundliteratur!
Vor langer Zeit - Antworten
Hagenbaeumer Re: Mehr davon -
Zitat: (Original von gaethke am 07.10.2008 - 12:50 Uhr) Das macht richtig Spaß beim Lesen!


Merci, ist schon in Arbeit.
Macht auch richtig Spaß beim schreiben !
Vor langer Zeit - Antworten
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