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Lied der Ewigkeit - Prolog

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"Lied der Ewigkeit - Prolog"
Veröffentlicht am 03. März 2014, 2 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Lied der Ewigkeit - Prolog

Lied der Ewigkeit - Prolog

                        Prolog

       Der Tag war gekommen.

 Düster erstreckte sich der Himmel über den nebelversunkenen Wald der Centauri. Die Sonne, die vor wenigen Augenblicken noch zu sehen gewesen war, verbarg sich schaudernd hinter einer dichten, grauen Wolkenfront, die wie ein unheilvolles Zeichen aufgezogen war.

Mitten im Wald ragte eine gewaltige Hügelkette aus dem wilden Geäst der Baumkronen empor und stemmte sich trotzig dem dunklen Himmel entgegen, der jedoch in höhnender Verachtung seine Dunkelheit vertiefte, während ein kühler Wind über die Hügel strich.

Ein mystischer Gesang, sanft wie das Plätschern des Wassers und doch so kraftvoll wie der Donner, wehte in melancholischer Klage vom Wald herüber und ließ sich vom Wind hinauf auf jenen grasigen Hügel tragen, wo er schwach durch die Luft schwingte.

Verwundert reckte ein großer Mann mit stämmigen Schultern und einem kantigen und geheimnisvoll schönen Gesicht, seinen Kopf in die Höhe und ließ seinen durchdringenden Blick über das Tal streifen, um den Ursprung dieser traurigen Melodie ausfindig zu machen. Doch durch den Nebel konnte er  nichts erkennen, es war, als versuche er durch eine weiße Wand zu blicken. Wer sich dort in den undurchdringlichen Gefilden des düsteren Waldes befand und seine weiche, rätselhafte Stimme erklingen ließ das konnte er sich dennoch genau vorstellen.  Er seufzte verbittert und wandte seinen bläulich schimmernden Kopf der Menge zu, die um ihn herum stand und ihn erwartungsvoll anblickte.

„Godric!“, rief plötzlich einer der schemenhaften Gestalten in der Menge und bahnte sich den Weg durch das unruhige Getrampel von Hufen und kam schließlich aus dem dichten Gewühl der massigen Leiber hervor, auf den offenen, grasigen Platz,dem Mittelpunkt des Hügels entgegen.

Riesige Hufe traten aus dem Dunkeln und hinterließen tiefe Spuren in der weichen Erde wäre auch der hintere Teil des Platzes von den Fackeln beleuchtet, hätte man eine tiefe Fährte aus Hufen bis zu den Reihen der schattenhaften Gestalten verfolgen können. Ein eisblaues Gesicht enthüllte sich und breite Schultern und ein muskelbepackter Oberkörper schälten sich nach und nach aus der Dunkelheit und dann erschien der Leib eines Pferdes im zitternden Licht.

„Godric“, wiederholte die große Gestalt und trat nun auf diesen zu, direkt in den Schein der Fackeln, die an einem Pfahl befestigt unaufhörlich im wehenden Wind zuckten und ein schauriges Licht auf ihn warfen.

Es war der Zentaurus Tian, der sich nun ehrerbietig vor dem Oberhaupt der Centauri Godric verneigte und mit einer leisen, beschwörischen Stimme zu ihm sprach:

„Herr, sollten wir uns nicht endlich für den Angriff rüsten und die Zeremonie den Göttern überlassen...bevor wir sie beendet hätten, wären wir von den Selvas überwätligt... "

Godric schwieg und starrte nur geradeaus über die weite hügelige Landschaft, die noch immer unter einem dichten Nebelschleier lag. Er schien fest in Gedanken versunken und eine tiefe Sorgenfalte auf der Stirn bezeugte seine innere Unruhe.

„Herr“, sagte Tian mit Nachdruck in der Stimme, „Die Zeichen sind unverkennbar...“

Godric nickte trübsinnig.

Warum zögerte er? Hatte er nicht in den Wochen der blutigen  Schlachten mit dem Schattengeist die Überzeugungen der Centauri gegen die der Hochelfen den Selvas verteidigt? Und nun, da der Augenblick der Vergeltung gekommen war und der Schattengeist für all seine Taten mit dem Tod büßen sollte, plagten ihn Zweifel; die Prophezeiung der Elfenkönigin hallte noch immer wie ein Echo in seinen Gedanken nach.

Und in diesem Moment konnte er ihre klare Stimme in seinem Kopf hören:

„Gefangen in den Krallen des Todes, gekettet an den klammen Fels der modrigen Ewigkeit, wird der Schattengeist doch nicht erblassen; So wie das Rad der Zeit es beschließt, wird er sich erneut erheben und mit gewaltiger dunkler Macht vermag er dann die Welt in ihren Fugen zu erschüttern. Denn er wird mächtiger sein denn je. Bis zum Zenit der Nacht wird das Land zertrümmert und das Reich der Götter nurmehr Schall und Rauch sein.“

Godric schauderte.

Er hatte Angst vor der Prophezeiung, denn sollte sie sich bewahrheiten, würde es gewiss das Ende der Götter sein und somit das von Centuria und all ihren Geschöpfen bedeuten. Und auch die Menschen aus dem Land der Ungesegneten würden von der Dunkelheit des Schattengeistes nicht verschont bleiben; ein Wesen, das fähig ist aus der Unterwelt herauszubrechen, vermag selbst die Grenzen zwischen der magischen Welt und der anderen Welt zu überwinden, schoss es ihm wenig verheißungsvoll durch den Kopf. Anders konnte es nicht sein...anders konnte er es sich nicht vorstellen...
Doch andererseits konnte er einfach nicht glauben, dass es unmöglich sei den Schattengeist hinzurichten, selbst wenn mächtige Zauber aus alter Zeit diesen dunklen Geist an den Pfahl fesseln und ihn seiner magischen Kräfte berauben würden. Und die Zauber der Centauri waren überaus mächtig, ja, schon vor langer Zeit, als Dämonen noch feuerglühend über die Hügel und durch die Wälder fegten, hatten sie das Land vor großem Unheil bewahrt;
Und nun ritt die Elfenkönigin zweifellos ihre treuen Krieger- innen im Gefolge durch den Wald auf sie zu, sang dabei ihr furchtbares Klagelied und wollte die bevorstehende Hinrichtung verhindern; Blut würde vergossen werden wenn es ein musste.

Tian hatte recht, sie mussten schnell handeln bevor es zu spät wäre.

Godric fegte seine  zwiespältigen Gedanken beiseite und
wandte sich endlich mit gehobener Brust der Menge zu, die erwartungsvoll aufhorchte.
„Hört, meine treuen Freunde! Es ist Zeit das Ritual zu vollenden! Heute Nacht wird der Schattengeist vernichtet! Die Selvas mögen sich dagegen sträuben, doch es wird vollbracht werden, denn nur auf diese Weise kann Centuria endlich von der Schreckenherrschaft des Schattengeistes befreit und von der Dunkelheit erlöst werden!“
Die umstehenden Zentauren johlten und klatschten begeistert in die Hände.

„Herr!“, ertönte eine raue Stimme aus der jubelnden Menge, „Lasst mich nach den Selvas Ausschau halten, so kann ich euch warnen, sollten sie eintreffen, bevor der Schattengeist seinen hässlichen Kopf verliert!“

Einige Zentauren lachten wiehernd und stampften prustend mit den Hufen.

Auch Godric gluckste, trotz der tiefen Sorgenfalten in seinem Gesicht, und es schien als wäre für einen Augenblick der traurige Schleier, der seit langer Zeit über seinen Zügen lag, gewichen und er entgegnete lauthals lachend:
„Wohlan! So wird uns deine Stimme also vor dem Untergang bewahren, Arik!“
Arik, ein stolzer, nussbrauner Zentaur, verneigte sich vor Godric, machte auf dem Absatz kehrt und schritt zum Hügelabhang, wo er seinen scharfen Blick in die Ferne richtete, dort, wo der Nebel aus dem Dickicht der Wälder aufstieg...





 

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Poetro
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