Kinderbücher
Lily, die große Schwester

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"Lily, die große Schwester"
Veröffentlicht am 10. Februar 2014, 54 Seiten
Kategorie Kinderbücher
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Lily, die große Schwester

Lily, die große Schwester

Über die Sommerferien fahren Lilys Eltern immer mit ihren drei Kindern aufs Land zu den Großeltern. Und auch in diesem Jahr wollen sie wieder fahren. Lily zieht ihren großen und voll gepackten Koffer hinter sich her. "Kannst Du mir bitte helfen, Papi?", fragt sie und bleibt erschöpft stehen. "Aber natürlich", sagt ihr Vater und hebt den schweren Koffer von Lily in den Kofferraum. "Setzt dich doch schon mal zu Rose ins Auto." Rose ist Lilys kleine Schwester. Und manchmal darf Lily, ganz stolz, den Buggy von Rose schieben. "Hallo Rose", sagt Lily, als sie sich von

ihrer Mutter im Kindersitz anschnallen lässt. Rose lacht begeistert und klatscht in die Hände. Lily fragt sich oft, ob sie auch einmal so klein wie Rose gewesen war. Und wenn sie ihre Eltern danach fragt, sagen sie, dass sie einmal so klein war, dass sie in Mamas Bauch gepasst hat. "Mutti, wo ist denn Adam?", fragt Lily ihre Mutter. "Er hilft Papa mit den Koffern, mein Schatz", sagt die Mutter. Die Mutter weiß, dass Lily ihren großen Bruder abgöttisch liebt und verehrt. "Ich möchte auch helfen!", meint Lily und versucht sich wieder ab zuschnallen. Die Mutter lächelt sie liebevoll an und

sagt: "Das ist lieb von dir, aber lass das lieber mal unsere starken Männer übernehmen!" Darauf ruft der Vater von hinten: "Und wann bekommen die beiden starken Männer etwas zu Stärkung?" Lily und ihre Mutter fangen an zu lachen. "Ich hole etwas", sagt die Mutter und beginnt in ihrem Rucksack zu kramen. Mit einer Packung Keksen geht sie nach hinten und versorgt Adam und den Vater. Plötzlich beginnt Rose zu weinen. Erschrocken versucht Lily sie zu trösten, doch die Kleine lässt sich nicht besänftigen. Auch nicht, als Lily mit den Kuscheltieren zu spielen beginnt,

oder ihr ein Schlaflied singt. Doch als die Mutter an der Fensterscheibe erscheint, ist Rose sofort ruhiger. Mit roten Wangen trinkt sie aus der Flasche, die ihre Mutter ihr gibt. "Möchtest du sie füttern, Lily?" "Ja, bitte", Lily kümmert sich gerne um ihre kleine Schwester und sieht ihr immer gerne beim Trinken zu. "Du bist eine fleißige große Schwester, Lily", sagt ihre Mutter und streichelt ihr liebevoll über den Kopf. Lächelnd beobachtet Lily Rose, wie sie gierig nach mehr Milch verlangt. "Alles einsteigen", ruft der Vater, "wir können los fahren!" Lily hört wie der Kofferraum

geschlossen wird und wie ihre Eltern und ihr Bruder über den Kies gehen. "Spielst du nachher mit Opa, Papa und mir Fußball?", möchte Adam wissen, als er sich mit einem Fußball unter dem Arm, neben Lily auf die Rückbank setzt. "Ja, klar", sagt Lily und freut sich schon auf das Spiel. Denn das Wetter ist herrlich und auf der großen Wiese unter den Apfelbäumen macht das Spielen gleich viel mehr Spaß. In dem großen Garten kann man sich Obst und Beeren pflücken und naschen. "Sind alle angeschnallt?", fragt die Mutter. "Ja", sagen Lily und Adam gleichzeitig. "Und, ihr Drei, freut ihr euch schon?",

fragt der Vater und dreht sich zu seinen drei Kindern um. "Oh ja", Adam kann seine Freude kaum zurückhalten. Und auch Lily und Rose sind schon ganz aus dem Häuschen. "Ja, dann kann es ja los gehen", erfreut schaltet der Vater das Radio an und fährt los. Sie fuhren aus der Stadt, auf die Autobahn und schon nach einer halben Stunde bogen sie von der Autobahn auf eine Landstraße ab. Erstaunt schaute Lily aus dem Fenster. Soweit das Auge reichte, waren dort Felder, Wiesen und Wälder zu sehen. Nur ab und zu war mal ein kleines Haus zu sehen, das aus der Ferne wie ein

Spielzeughaus aussah. Doch plötzlich stieg Lily ein komischer Geruch in die Nase. "Riechst du das auch, Adam?" Ihr großer Bruder rümpft die Nase und nickt. "Ja, das ist ja ekelig!" Lily schnuppert, wo der Geruch herkommt. Bei Rose war er besonders stark. "Mama, bei Rose riecht es ganz komisch." "Ja?" Die Mutter dreht sich um. Adam und Lily nicken und halten sich die Nasen zu. Lächelnd meint die Mutter zum Vater: "Schatz, kannst du bitte mal anhalten? Rose hat die Windeln voll." Als der Vater an dem Straßenrand anhält,

steigen beide Elternteile aus. Die Mutter geht zu Rose und der Vater zu den beiden anderen Kinder. "Los, heraus mit euch." Adam hilft seiner kleinen Schwester sich ab zuschnallen, da er das schon selber kann. "Vorsicht! Stinkbombenalarm bei Rose", meint Adam und nimmt Lily bei der Hand. Mit noch immer zugehaltenen Nasen folgen sie dem Vater, der einen Korb unter dem Arm hat. "Was haltet ihr von einem Picknick?", fragt der Vater und breitet eine große Decke auf der Wiese neben dem Auto

aus. "Jaah!" Sie packen Brotdosen mit Äpfeln, Birnen und Möhren aus und beginnen zu essen und kühlen Orangensaft zu trinken. Nach kurzer Zeit kommen die Mutter und Rose zu ihnen und genießen gemeinsam die wunderbare Aussicht. Als alle satt sind, fahren sie weiter und nach einer Stunde Autofahrt haben sie das Haus der Großeltern erreicht. "Hier ist Papa aufgewachsen", sagt Adam. "Woher weißt du das?", möchte Lily wissen. "Das hat Opa mir erzählt", sagt Adam

stolz. Und Lily fragt sich, warum Opa es nicht ihr erzählt hat und ist ein wenig traurig. "Als Opa mir das erzählt hat, hast du mit Oma Erdbeeren für den Kuchen gepflückt", sagte Adam und Lily erinnert sich wieder und ist auch gar nicht mehr traurig. Als die Familie aussteigt, öffnet sich die Haustüre und die Großeltern kommen freudig heraus, sie zu begrüßen. Nach dem freudigen Wiedersehen spielen der Großvater und der Vater, wie versprochen mit den Kindern Fußball. Glücklich sehen die Großmutter und die Mutter von der Terrasse aus zu und feuern kräftig an. "Toooor!", ruft die

kleine Rose, als Adam ein Tor schießt. "Du wirst ja immer besser, kleiner Mann!", sagt der Großvater und klopft Adam auf die Schulter. Lily ist ein wenig traurig, dass sie nicht auch gelobt wird, da sie auch gut gespielt hat. Doch schon im nächsten Moment luchst sie dem Vater den Ball ab und schießt auch ein Tor. "Super", rufen der Großvater und Adam. Adam läuft schnell auf Lily zu und nimmt sie auf den Arm. Er hebt sie so hoch, dass Lily die Blätter der Apfelbäume berühren könnte. "Durch dein Tor haben wir gewonnen, Lily!" Jubelnd trägt er sie zu dem Großvater und sagt: "Das ist meine kleine

Schwester, ist sie nicht toll?" Und gibt ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Glücklich laufen Lily und Adam, nachdem er sie herunter gesetzt hat, eine Ehrenrunde. "Jetzt bekommt ihr aber auch einen Preis", sagt der Großvater und geht in das Haus. "Was ihr wohl jetzt bekommt?", fragt der Vater und kniet sich neben die beiden Geschwister. Der Großvater kommt zurück in den Garten. Die Hände hat er hinter dem Rücken versteckt. "Was hast du da?", möchte Lily neugierig wissen. "Einen Preis für meine drei Gewinner",

sagt der Großvater und winkt die Kinder näher zu sich heran. Neugierig gehen Adam und Lily, die Rose an die Hand genommen haben, zu ihm. Und er hängt jedem eine goldene Medaille um den Hals. Adam und Lily staunen nicht schlecht. Rose, die noch zu klein ist, um zu verstehen, was genau das ist, freut sich dennoch über das glänzende Gold. "Die sind ja toll! Woher hast du die denn, Schwiegerpapa?", fragt die Mutter den Großvater. "Die habe ich einmal gewonnen!" "Und die willst du uns schenken?", fragt Adam ungläubig. Der Großvater sagt grinsend: "Wem soll

ich sie denn sonst geben, wenn nicht euch?" "Danke", sagen Lily und Adam und umarmen den Großvater.

"Na, ihr kleinen Gewinner, wollen wir ein paar Muffins backen?", fragt die Großmutter und kommt mit einem Korb unter dem Arm zu den Kindern. "Meine mit Erdbeeren!", sagt Lily erfreut und stürmt tiefer in den Garten, wo die Beeren wachsen. "Und ich möchte Johannisbeere-Muffins", Adam läuft seiner Schwester hinterher. Die beiden Kinder kennen sich gut in dem großen Garten aus. Denn er ist der größte und schönste

Abenteuerspielplatz, den die Kinder je gesehen haben. Unzählige Abenteuer warten dort auf sie. Spannende Fußballspiele, ein Baumhaus, das einer Socke ähnlich sieht und ein Teich, auf dem wundervolle Seerosen blühen. "Wartet auf mich, ihr Lieben", ruft die Großmutter ihren Enkeln nach. "Wo seid ihr denn?" Doch schon im nächsten Moment sieht die Großmutter sie. Die Beiden knien neben den Brombeersträuchern und naschen, was das Zeug hält. "Können wir auch Brombeer-Muffins backen?", fragt Lily mit rot gefärbten Händen. "Aber natürlich", sagt die Großmutter

lächelnd. Nachdem sie den Korb mit allerlei Beeren gefüllt haben, gehen sie zurück zu dem kleinen Häuschen der Großeltern. "Omaaaa", Rose freut sich sehr, ihre Großmutter wieder zu sehen und krabbelt vorsichtig auf sie zu. "Na, Rose, was habt ihr denn Schönes gemacht?", fragt die Großmutter, als sie einen Blumenstrauß auf dem Esstisch sieht. "Wir haben ein paar Blumen gepflückt", antwortet die Mutter für Rose, die erst ein paar Worte sagen kann. "Und was für welche! Die sind alle so schön!", sagt

Lily. "Das", sagt der Großvater "sind Lilien und Rosen." Lächelnd sagt der Vater zu seinen beiden Töchtern: "Nach diesen Blumen herrlichen Blumen sei ihr Zwei benannt." "Meine Schwestern sind nach Blumen benannt?", fragt Adam stirnrunzelnd. Die Eltern fassen sich glücklich bei den Händen und grinsen die Kinder an: "Auf Englisch sind eure Namen Blumenarten." "Und nach wem bin ich benannt?", möchte Adam aufgeregt wissen. "Naja", überlegt der Vater, "Erinnerst du dich an die Entstehungsgeschichte aus der Bibel?" Adam denkt einen Moment nach, kann

sich aber nicht erinnern. Doch Lily erinnert sich sofort, denn diese Geschichte ist ihre Liebste. "Adam und Eva waren die ersten Menschen!" "Genau", sagt die Mutter. "Schluss mit den ernsten Gesprächen", meint die Großmutter aus der Küche "Kinder, helft ihr mir beim Backen?" "Oh ja", ruft Lily, nimmt Rose auf den Arm und folgt ihrer Mutter in die Küche. "Wo sind denn die Jungs?", möchte die Großmutter wissen. "Die Drei möchten etwas an ihrem Baumhaus arbeiten", sagt die Mutter und verdreht die Augen. "Heute soll es einen neuen Anstrich bekommen." "Ich möchte aber auch an dem Baumhaus

arbeiten!", sagt Lily wütend und stampft mit dem Fuß auf. "Ach Lillichen", sagt die Großmutter beruhigend und streicht über Lilys Wange "lass das mal lieber die Männer erledigen. Wir backen leckere Muffins und können so viel Teig naschen, wie wir wollen." Das stimmt Lily sofort um. Mit leuchtenden Augen steckt sie Rose einen Löffel mit Teig in den Mund.

"Drei Bleche mit Muffins", staunt die Großmutter und trocknet den Schneebesen ab. "Jetzt haben wir aber genug zu naschen!?" "Oh, da kennst du aber meine Jungs

nicht!", sagt die Mutter mit hochgezogenen Augenbrauen. "Die haben einen Bärenhunger, wenn sie Abenteuer erlebt haben." Lachend decken sie den Esstisch und warten darauf, dass die anderen zum Essen kommen. "Wo bleiben die Drei denn?", fragt Lily nach einer halben Stunde, als ihr der Duft der leckeren Muffins in der Nase liegt. "Geh doch bitte mal nachsehen, ja", bittet die Großmutter sie.

Als Lily die Wiese überquert, sieht sie einen bunten Schmetterling an dem Tor, das zu der Wiese mit den Obstbäumen

führt. Erfreut läuft sie dem Schmetterling nach, doch als sie ihn erreicht, fliegt er schon wieder davon. "Warte doch auf mich", sagt Lily und geht durch das Tor. "Du bist so schön! Ich möchte dich doch nur mal anschauen!" Aber der Schmetterling fliegt einfach weiter. Vorbei an den roten Äpfeln, den dunklen Brombeeren und den Himbeeren. "Wo möchtest du denn hin?", fragt Lily. Als sie aufschaut sieht sie den Tannenwald hinter der Obstwiese. Lily fürchtet sich vor dem Wald, denn ihr Großvater hat ihr erzählt, dass dort ein Bär lebt. Und Lily hat große Angst vor

Bären. Trotz der Dunkelheit, die in dem Wald herrscht, flattert der bunte Schmetterling zwischen den Ästen hindurch in den Wald. Zögernd folgt Lily ihm. So dunkel, wie es von außen aussah, ist es unter den Ästen gar nicht, stellt Lily fest. Und riechen tut es auch gut. Es riecht nach frischem Harz und Blättern. Der Schmetterling flattert aufgeregt gegen den Himmel und Lily kann ihn nicht mehr erkennen. Lily wundert sich, woher die ganzen Blätter kommen, denn Nadelbäume wie Tannen haben ja gar keine Blätter- sie haben

Nadeln. Sie schaut sich um, doch sie sieht keinen einzigen Laubbaum mit Blättern. "Wo kommen dann die Blätter her?", fragt sie sich. "Darauf kenne ich die Antwort", sagt eine raue, leise Stimme. Verwundert schaut Lily sich erneut um. Und wieder sieht sie nicht das, wonach sie Ausschau gehalten hat.

"Wer spricht da?", fragt sie mutig. "Ich", sagt die Stimme. "Wo bist du denn?", möchte Lily wissen. "Hier unten, mein Fräulein", als Lily hinunter schaut, sieht sie einen roten Fuchs. Der Fuchs trägt einen runde braune Brille und einen kleinen, dazu

passenden Hut.

"Ich bin Herr Fuchs und wer bist du?" "Ich bin Lily, die große Schwester von Rose." "Freut mich sehr, große Schwester", sagt der Fuchs und springt auf einen gefällten Baum. Jetzt können sie sich viel besser sehen. "Mich freut es auch sehr, Herr Fuchs", sagt Lily höflich. "Du hast mich gerufen?", fragt Herr Fuchs und sieht sie unter seiner Brille hervor an. "Denn ich beantworte alle Fragen, die in diesem Wald gestellt werden. Und ich kenne alle Antworten." "Wirklich?", fragt Lily

erstaunt. "Und ob!" Der Fuchs legt sich gemütlich auf den mit grünem Moos bedeckten Baumstamm. Er legt seinen runden Kopf auf seine Vorderpfoten. "Stelle deine Frage doch bitte noch mal, ich habe kein gutes Gedächtnis." Lily deutet auf die Blätter: "Herr Fuchs, wie kommen die Blätter in einen Nadelwald?" "Das, mein Fräulein, ist eine gute Frage. Lass mich mal kurz nachdenken." Er rückte seinen kleinen Hut zurecht. "Ah, jetzt fällt es mir wieder ein...." "Herr Fuchs!", ertönt eine schrille Stille. Als Lily sich nach der Stimme umdreht, sieht sie eine weiße Eule, die

vor einem Loch in einer hohen Tanne sitzt.

"Erzähl keine Lügen!" "Ich lüge nicht!", faucht Herr Fuchs zu der weißen Eule hinauf. Darauf entgegnet die weiße Eule: "Und schon wieder hast du gelogen!" Bedrückt schaut der Herr Fuchs zu Boden und Lily ist sich sicher, dass die Eule recht hat. Schnell dreht der Herr Fuchs sich um und huscht zwischen den Bäumen hinweg. "Mein liebes Kind, merke dir, dem Fuchs kannst du nicht trauen. Er ist ein hinterhältiges, zwielichtiges Tier", die weiße Eule fliegt zu Lily und setzt sich

auf dem Baumstamm, auf dem der Fuchs gesessen hatte. Lily staunte nicht schlecht über das helle Federkleid der prächtigen Eule vor ihr. "Ich bin die alte, weise Eule, das Auge und das Ohr in diesem Wald. Mir kannst du alle Fragen stellen, die du möchtest und ich werde sehen, welche von ihnen ich beantworten kann", die Eule schaut Lily mit ihren großen gelben Augen an. "Hallo, alte, weise Eule, ich bin Lily, die große Schwester. Kannst du mir sagen, wie die Blätter in diesen Nadelwald kommen?", fragt Lily und deutet erneut auf die Blätter. "Oh. Diese Frage habe ich mir auch

schon oft gestellt", sagt die Eule und beginnt abgeknickte Federn in ihrem prächtigen Federkleid zurecht zu zupfen. Lily ist enttäuscht, da die alte, weise Eule ihre Frage anscheinend auch nicht beantworten kann. "Blick nicht so traurig zu Boden, große Schwester. Ich kann dir deine Frage vielleicht nicht beantworten, dafür kenne ich aber jemanden, der es gewiss kann!" "Ja, wer denn?", fragt Lily aufgeregt. Sie möchte unbedingt wissen, woher die Blätter kommen. "Die Regenwolke, die ich kenne. Sie schwebt viel höher in den Lüften als ich

und kann auch viel mehr sehen. Sie wird Bescheid wissen!", mit großen, gelben Augen schaut die Eule Lily an. "Wie kann ich zu ihr?", fragt Lily traurig. "Ich kann doch gar nicht fliegen." "Wir müssen sie rufen", sagt die weise, alte Eule. "Aber wie denn?" "Ich schaue mal nach, wo sie gerade ist, warte hier", mit einem Satz ist die alte, weise Eule losgeflogen. Lily reckt den Hals, um die wunderschöne Eule möglichst lange fliegen zu sehen. Sie findet es atemberaubend schön, sie in der Luft gleiten zu

sehen. Nach einigen Minuten erscheint ein weißer Fleck zwischen den Zweigen. "Weise, alte Eule, hast du sie gefunden?", ruft Lily ihr entgegen. "Nein, aber ihre Freundin, die Schön-Wetter-Wolke. Sie sagt, die Regenwolke sei nicht weit weg und wird es regnen lassen", ruft ihr die weise, alte Eule entgegen. "Und wann kommt die Regenwolke zurück zum Wald?", möchte Lily wissen. "Wenn hier nach Regen verlangt wird!" "Und wann ist das?", Lily ist sehr ungeduldig. Fast geräuschlos landet die Eule auf dem Baumstamm.


"Hilfst du mir? Ich habe eine leise Stimme, die Regenwolke wird mich nicht hören. Aber wenn wir gemeinsam singen, wird sie bestimmt auf uns aufmerksam!" "Was wollen wir denn singen?", fragt Lily. "Das Regenlied!?", antwortet die Eule. "Das kenne ich aber gar nicht", traurig lässt sich Lily neben dem Baumstamm fallen und lehnt sich gegen ihn. "Gib nicht auf, du bist doch die große Schwester!", meinte die weise, alte Eule. "Du hast Recht weise, alte Eule! Lass uns das Regenlied für die Regenwolke

singen!" Gemeinsam singen sie das Regenlied, das die Eule Lily schnell beibrachte. Und schon wenig später beginnt es zu regnen. "Wir haben es geschafft!", erfreut springt Lily in eine Pfütze auf der kleinen Lichtung. Sie zieht sich ihre Jacke an und setzt die Kapuze auf. "Wer hat mich gerufen, du, weise, alte Eule?", fragt eine tiefe Stimme und die Eule und Lily schauen zum Himmel. "Guten Tag, Regenwolke. Ich habe eine große Schwester getroffen, die eine Frage hat, die nur du beantworten

kannst", sagt die weise, alte Eule und deutet auf Lily. Traurig schaut die Regenwolke zu Lily. "Sie gegrüßt, große Schwester. Ich bin immer traurig und manchmal weine ich sehr." Die Regenwolke ließ eine Träne ihre Wangen herab kullern: "Ich hinterlasse meine Spuren, kleine Pfütze. Keiner mag sie, sie sind für alle nur ein Hindernis, eine Stolperfalle. Wenn ich es regnen lasse, werden sie zu einem Erdloch, in dem man versinken könnte. Wenn mein Bruder es schneien lässt, werden meine Pfützen zur Rutschpartie und sorgen für

Verletzungen. Ich fühle mich so schuldig. Doch wenn ich im Regenwetter manch glückliche Kinder sehe, die in meinen Pfützen tollen und Spaß haben, erhellt ihr Lachen mich wieder. Nach meinem Regen spiegelt sich ein wunderschöner Regenbogen in mir und meiner Freundin, der Sonne. Vielen durstigen Tieren und Pflanzen gebe ich jedoch Wasser. In letzter Zeit lasse ich es nicht mehr so oft regnen und die Menschen sind glücklich. Und im Winter wird aus meinem Regen eine wundervolle Eisbahn und fantastische Eiskunstläufer tänzeln über

sie hinweg. Viele Dinge machen traurig und viele Dinge machen mich fröhlich." "Das war aber schön", sagen Lily und die weise, alte Eule. "Danke schön. Aber möchtest du mir nicht deine Frage stellen, große Schwester. Ich denke, dass nicht alle so erfreut über meinen Besuch sind." Die weise, alte Eule lächelt: "Liebe Regenwolke, wir beide freuen uns immer, wenn du mal vorbeischaust." Geschmeichelt schenkt die Regenwolke ihm mit der Sonne zusammen einen Regenbogen. Er leuchtet so hell, dass Lily sich geblendet abwandte und die

Eule die großen Augen zu kleinen Schlitzen zog. "Liebe Regenwolke, ich möchte nur zu gerne wissen, wie die Blätter in diesen Wald gekommen sind!?" "Das ist einfach, große Schwester! Die Blätter hat mein Freund, der Wind, hierher getragen. Denn sie bieten den lieben Tieren einen Platz, wo sie im Winter verweilen können", erklärt die Regenwolke. "Der Wind hat sie hergetragen?", fragt Lily. "Aber wo kommen die Blätter her?" "Aus dem Obstgarten neben dem Wald", antwortet die Regenwolke. "Bist du nicht von dort gekommen, große

Schwester?" Lily nickt. "Ja, wir besuchen die Großeltern!" "Oh, wie schön! Nun geh aber schnell wieder, sonst vermissen sie dich. Und es war gut, dass du deine Frage gestellt hast. Fragen zu stellen ist wichtig, sonst verstehst du nachher etwas nicht. Und du bist doch eine große Schwester. Große Schwestern müssen den kleinen Geschwistern doch alle Fragen beantworten können, oder nicht?" "Du hast Recht", meint Lily. "Ich werde es Rose erklären, wenn sie älter ist. Und vielen Dank Regenwolke. Und auch dir vielen Dank, weise, alte Eule. Es hat mich gefreut, euch kennen zu

lernen." "Uns auch", antworten die Beiden. Die Regenwolke zieht nun weiter, um noch anderswo die Dürre zu durchbrechen und Pflanzen zu gießen. Die Eule legt sich wieder aufs Ohr, damit ihre Augen in der Nacht strahlen können und nicht müde aussehen. So schnell sie kann, läuft Lily weiter und erreicht schließlich das Baumhaus auf der Obstwiese. Sie hört ihren großen Bruder drinnen sprechen. Gerade als sie die Strickleiter vom Baumhaus hinauf klettern möchte, wird sie

angesprochen. "Entschuldigen sie, Madame." Lily dreht sich um und sieht einen großen, grünen Frosch in einer Pfütze sitzen. "Kannst du mir bitte mal helfen?", fragt er quakend. "Gerne", sagt Lily und klettert die Leiter wieder hinab. "Womit denn?" "Ich bin der Piraten Frosch. Und bin von dem Regen überrascht wurden, der mein Schiff überschwemmt hat. Jetzt brauche ich ganz dringend ein Neues", kopfschüttelnd schaut der Frosch zum Himmel hinauf. "Oh, entschuldigen sie bitte, Piraten Frosch. Das es geregnet hat, war meine Schuld", entschuldigt sich

Lily. Der Piraten Forsch sieht sie böse an. "Deine Schuld? Wer bist du, dass du das behaupten kannst?" "Ich bin Lily, die große Schwester." "So einen Namen habe ich noch nie gehört!", sagt der Frosch . "Aber du kannst es sicher nicht regnen lassen! Das war sicher wieder diese unverschämte Regenwolke, sie hat mein Schiff zerstört!" "Sie ist nicht unverschämt! Die Regenwolke ist nett und hat mir geholfen!", ruft Lily laut. Der Piraten Frosch schaut empört zu Lily

hinauf. "Wenn du so über meine Freundin, die Regenwolke, sprichst werde ich dir leider nicht helfen, Piraten Frosch", sagt Lily und verschränkt die Arme. Nun sieht der Piraten Frosch schuldbewusst zu Boden. Doch Lily ist zu gutmütig, um ihn einfach im Regen stehen zu lassen. "Gut, ich helfe dir!", sagt Lily. Erfreut beginnt der Piraten Frosch zu quaken. "Aber freue dich nicht zu früh", sagt Lily "entschuldige dich erst für das, was du über die liebe Regenwolke gesagt hast! Dann helfe ich dir auch." "Die Regenwolke ist nicht unverschämt, große Schwester. Es tut mir leid, das

gesagt zu haben. Doch ich war sehr traurig, weil meine Familie auf der anderen Seite des Flusses Ferien gemacht hat. Als ich sie abholen wollte, überraschte mich der Regen und mein Schiff wurde zerstört!" "Das tut mir leid, lieber Piraten Frosch", Lily hat großes Mitleid mit ihm. Sie kann sich nichts Schlimmeres vorstellen, als die Ferien ohne ihre Familie verbringen zu müssen. "Doch warum ist deine Familie nicht einfach herüber geschwommen?" "Die Strömung ist zu stark, große Schwester, meine Kinder sind noch jung und meine Frau schwach, denn sie ist krank", erklärte der kleine Piraten

Frosch. "Aber was für ein Schiff soll ich dir bauen?", grübelt Lily nach. "Ah! Ich hab´s! Mein Schuh." Der Piraten Frosch nickt ihr zu und freut sich über Lilys gute Idee. "Lieber Piraten Frosch, ich gebe dir meine Gartenschuhe, damit du deine Familie abholen kannst. Aber du musst mir versprechen, dass du sie zurückbringst!", sagt Lily und hält dem Piraten Frosch einen Finger hin. Freudig schüttelt seine kleine Hand ihren Finger: "Versprochen!" Lily lässt den Frosch auf ihre Hände springen und geht mit ihm zum Flussufer. Das Ufer ist nur wenige Meter

von der Obstwiese entfernt. "Hier kannst du mich herunter lassen, großer Schwester", sagt der Piraten Frosch dankbar. Vorsichtig setzt Lily den Frosch ab und zieht einen Schuh aus. "Das ist aber ein großes Schiff", schwärmt der Piraten Frosch "meine Familie wird sich sehr freuen!" Der Piraten Frosch hüpft in den Schuh. "Darf ich dich noch etwas fragen?", fragt Lily den Piraten Frosch. "Aber natürlich", antwortet er. Lily deutet auf den kleinen Hut den der Frosch trägt: "Ist das ein Piratenhut?" Nickend grinst der Frosch Lily an: "Ja, und das ist mein Schwert." Er zieht ein

glänzendes Schwert aus seiner Tasche. Es ist höchstens so groß wie Lilys kleiner Finger. "Das ist aber schön", staunt Lily. "Ich möchte es dir schenken!", sagt der Frosch und hält es ihr hin. Verwundert schaut Lily es an. "Das kann ich doch nicht annehmen, lieber Piraten Frosch. "Dir verdanke ich, dass ich meine geliebte Familie zurückholen kann. Du bist die Einzige, die es verdient", meint der kleine, grüne Piraten Frosch. "Danke schön", sagt Lily, als sie das Schwert nimmt. "Ich habe zu danken", sagt der Piraten Frosch und segelt

los. Lily winkt ihm lange nach. "Papa", ruft Lily und eilt zu der Obstwiese. "Wo bist du?" "Hier, im Baumhaus", antwortet er. "Möchtest du mit uns Karten spielen?" "Ja!" Das Spielen mit den Jungs machte Lily genauso viel Spaß, wie das Treffen mit den Tieren. Lily war sogar eine gute Mau-Mau Spielerin und gewann viele Spiele. "So, jetzt sollten wir aber langsam mal wieder zurück gehen!?", meint der Großvater. "Ja, ich glaube schon. Die Großmutter und die Mutti vermissen uns bestimmt

schon", sagt der Vater und schaut aus dem Fenster. "Es hat auch aufgehört zu regnen", sagt Adam, der bereits draußen in den Pfützen springt. "Warte Adam, ich möchte auch mit machen", sagt Lily und eilt hinaus. "Einen Moment, Lily", der Vater hält Lily zurück "wo ist dein zweiter Schuh?" "Das ist eine lange Geschichte, Papa", antwortet Lily. "Na gut, dann zieh aber jetzt wenigstens diese Gummistiefel an", sagt der Vater und reicht sie seiner Tochter. "Danke", sagt Lily und schlüpft in die

Gummistiefel. Völlig durchnässt kommen die Kinder mit dem Vater und dem Großvater beim Haus an. "Wo habt ihr vier denn gesteckt?", möchte die Großmutter wissen. "Wir haben Karten gespielt und das Baumhaus von innen gestrichen", sagt der Vater. "Draußen ging es ja leider nicht", sagt der Großvater und schaut aus dem Fenster. "Ich hab die Regenwolke gebeten, zu regnen!", sagt Lily. Mit großen Augen sieht Rose ihre große Schwester an.

"Das erzähl ich dir später, Rose", sagt Lily "Aber jetzt habe ich erst mal Hunger." In warme Decken gehüllt sitzt die Familie vor dem Kamin, isst Muffins und trinkt heißen Kakao. Alle lauschen der Geschichte, welche die Großmutter vorliest. Am nächsten Tag erzählt Lily Rose und Adam von den Tieren und der Regenwolke. Doch Adam scheint ihr nicht zu glauben. "Du wirst schon sehen, dass ich Recht habe", sagt Lily und führt ihre Geschwister zu dem Ufer, an dem sie

sich am Vortag von dem Piraten Frosch verabschiedet hatte. Und tatsächlich stand dort ihr Schuh. "Seht ihr, der Piraten Frosch hat sein Versprechen gehalten!" "Du könntest deinen Schuh aber gestern auch einfach hier stehen gelassen haben", sagt Adam misstrauisch. Als sie dem Schuh näher kommen, sehen sie etwas Kleines darauf liegen. "Da!", sagt Rose und nimmt es in die Hand. "Was ist das?", möchten Lily und Adam wissen. Rose streckt ihnen die Hand hin und zeigt ihnen einen kleinen Piratenhut. "Du hattest Recht!", sagt Adam

aufgeregt. Die Ferien auf dem Land bei den Großeltern würden sonnig bleiben, da die Regenwolke während des Sommers in den Norden zog. Die Kinder werden noch einige Fußballspiele gegen die Eltern spielen und mit ihnen im Fluss schwimmen.

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Stephi96

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parabellum Bin beim Stöbern auf diese tolle Geschichte von Dir gestoßen .Ich bin ganz begeistert,einfach super!!!!!!! LG Heike
Vor langer Zeit - Antworten
Stephi96 Liebe Heike,
ich freue mich unheimlich, dass sie dir gefällt.
LG Stephi
Vor langer Zeit - Antworten
schnief wunderschöne Geschichte
LG
Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Stephi96 Danke.
lg Stephi
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